Leichtathletik | Gehen Trauer um Geher-Olympiasieger Hartwig Gauder

Geher-Legende Hartwig Gauder ist am Mittwoch an einem Herzinfarkt gestorben. Gauder, in den 1980er Jahren Olympiasieger, Welt- und Europameister über 50 Kilometer, wurde 65 Jahre alt. Vor mehr als zwei Jahrzehnten hatte er sich nach einer Herztransplantation zurück ins Leben gekämpft.

Der frühere Weltklasse-Geher Hartwig Gauder ist am Mittwoch (22. April) in Erfurt im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Ministerpräsident Bodo Ramelow kondolierte am Abend via Twitter. Thüringen habe "einen seiner begabtesten Sportler und unermüdlichen Streiter für das Thema #Organspende verloren. Wir trauern um einen großen Menschen. Sein Andenken lebt weiter", schrieb Ramelow. Zunächst hatten die "Thüringer Allgemeine" und die "Ostthüringer Zeitung" darüber berichtet.

Hartwig Gauder (DDR) - Europameister über 50km Gehen bei der EM 1986 in Stuttgart
Hartwig Gauder bei seinem Lauf zum EM-Titel 1986. Bildrechte: imago/Sven Simon

Gauder gewann über 50 Kilometer alles, was es zu gewinnen gab

Die Familie des in Baden-Württemberg geborenen Gauder war vor dem Mauerbau nach Thüringen gezogen, wo er seine sportliche Fabelkarriere startete. Vor allem in den 1980er Jahren trumpfte Hartwig Gauder über 50 Kilometer groß auf. 1980 gewann er in Moskau Olympiagold und sicherte sich acht Jahre später in Seoul noch einmal Bronze. Zudem wurde er sowohl Europa- (1986) als auch Weltmeister (1987). In Barcelona bestritt er 1992 noch einmal Olympische Spiele und landete auf Rang sechs.

Hartwig Gauder 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenige Jahre nach seinem Karriereende 1993 benötigte er infolge einer bakteriellen Infektion am Herzen ein Spenderorgan, überstand sogar zehn Monate mit einem künstlichen Herzen. Im Januar 1997 gelang die Transplantation und Hartwig Gauder kämpfte sich zurück ins Leben.

Architekturstudium, Dauerläufer, Sensibilisierung für Organspenden

Er studierte Architektur, bewältigte nur zwei Jahre nach seiner Herztransplantation den legendären New York Marathon, bestieg den Fuji in Japan, aber sensibilisierte und warb vor allem unentwegt für die Bedeutung von Organspenden. "Ich konnte zeigen, dass es sich lohnt, wenn jemand eine Transplantation bekommt", unterstrich Hartwig Gauder vor wenigen Monaten im Gespräch mit "focus.de". Da plagte ihn bereits ein Nierenleiden, er musste dauerhaft zur Dialyse und hoffte auf eine zweite erfolgreiche Transplantation. Die Zeit dafür sollte ihm nicht mehr bleiben.

Die Gäste und Moderatoren des Riverboats 123 min
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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 23. April 2020 | 17:45 Uhr

2 Kommentare

SGDHarzer66 vor 15 Wochen

Es ist mir ein inneres Bedürfnis, den Hinterbliebenen mein aufrichtiges Beileid zu übermitteln.
Ruhe in Frieden, Hartwig, Du warst ein Großer des Sports.
Ein letzter Gruß aus dem Harz.

Thoralf vor 15 Wochen

Ich bin tief traurig. Als passionierter Läufer/Ausdauersportler zähle ich Hartwig Gauder zu meinen Vorbildern. Obwohl in einer (für die breite Öffentlichkeit) eher Randsportart unterwegs, gehörte Gauder zu den bekannteren Gesichtern in der Leichtathletik-Szene der DDR.
Seine Härte und Passion für den Sport hat mich immer beeindruckt und bei Tiefs motiviert.
Wenn ich heute bei meinen Runden, des Öfteren genervt, Rentner/Frauen Gruppen mit ihren Skistöcken überhole, dann frage ich mich, ob Gauder dieses Walking als Gehen bezeichnen würde. Ich glaube er würde mitgehen. Mit seinem Stirnband und mit aller Motivation. Sich bewegen und alles geben, das war sein Leben. Das liess ihn trotz allem 65 Jahre werden!
Ruhe in Frieden!