Turnen | Chemnitz Scheder kritisiert Untersuchung im Fall Frehse

Die Chemnitzer Turnerin Sophie Scheder hat die Untersuchung über die Arbeit ihrer Trainerin Gabriele Frehse kritisiert. Sie fühlte sich bei ihrer Befragung nicht wirklich ernst genommen.

Sophie Scheder GER bereitet sich am Stufenbarren vor.
Bildrechte: IMAGO / Pressefoto Baumann

Sophie Scheder, die Olympia-Dritte am Stufenbarren, hat nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Gabriele Frehse ihre Trainerin in Schutz genommen und die Arbeit der vom Deutschen Turner-Bund beauftragten Anwaltskanzlei kritisiert. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie meine Meinung wirklich hören wollten. Zum Schluss durfte ich mir anhören: Na ja, Frau Scheder, was Sie jetzt erzählt haben, könnte man meinen, alle anderen lügen", sagte Scheder im Interview der "Sächsischen Zeitung" (Dienstag).

"Daraufhin habe ich gefragt. Warum haben wir drei Stunden geredet? Ich konnte nur von meinen Erfahrungen, meinen Gefühlen sprechen, wie ich es erlebt habe. Aber ich hatte das Gefühl, mir wird nicht geglaubt. Deswegen weiß ich nicht, ob bei dieser Untersuchung wirklich beide Seiten einbezogen werden sollen oder ob es nur darum geht, die Vorwürfe gegen Gabi zu bestätigen. Damit fühle ich mich nicht verstanden", sagte die 24-Jährige.

die Turntrainerin Gabriele Frehse, TuS Chemnitz, mit ihrem Schützling Turnerin Sophie Scheder
Turn-Trainerin Gabriele Frehse (re.) und Sophie Scheder Bildrechte: imago images/Matthias Rietschel

"Schwerwiegende Pflichtverletzungen" in 17 Fällen

Die Frankfurter Kanzlei hatte bei ihrer Untersuchung im Auftrag des DTB "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse in 17 Fällen festgestellt. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten ihr vorgeworfen, sie im Training schikaniert und Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht zu haben. Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten.

"Gibt keinen Ersatz"

"Meiner Meinung nach gibt es keinen Ersatz für Gabi Frehse. Gute Trainer zu finden, die auf so einem Niveau arbeiten können - sie ist eine von wenigen", unterstrich Scheder auch im Interview des Turn-Fachmagazins "Leon": "Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wie es für uns in Chemnitz weitergeht." Sie spüre derzeit, dass die Motivation beim Training allgemein "eher mäßig ist, alle sind mit den Gedanken woanders".

Sophie Scheder
Sophie Scheder beim Training Bildrechte: IMAGO / Pressefoto Baumann

Die zuerst im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erhobenen Vorwürfe gegen ihre Trainerin, deren Entlassung der DTB nun fordert, hätten sie "ziemlich überrascht", sagte Scheder. "Dass hier in Deutschland so was öffentlich so große Wellen schlägt, hätte ich niemals für möglich gehalten." Und natürlich beschäftige sie das sehr. "Ich kann nur von mir sprechen: Ich bin jetzt seit knapp 13 Jahren in Chemnitz und kann sowas nicht bestätigen. Gabi war und ist für mich eine ganz wichtige Bezugsperson. Sie ist, ich würde schon sagen, auch eine Freundin, und wenn ich sehe, wie sehr sie das beschäftigt - das hinterlässt schon Spuren."

Arbeit mit Frehse "absolut im Grünen"

Die Zusammenarbeit mit Frehse war für Scheder "absolut im Grünen. Man muss im Leistungssport an Grenzen gehen, auch darüber hinaus. Es fällt auch mal ein Wort, das man lieber so nicht hören möchte. Es muss im Rahmen bleiben, und das war es für mich jederzeit." Sie könne aber nur von sich sprechen und "die Gefühle anderer nicht beurteilen".

 Sophie Scheder (GER/TuS 1861 Chemnitz-Altendorf), Kunstturnen, Finale am Stufenbarren der Frauen in der Rio Olympic Arena, Rio.
Olympia 2018 in Rio de Janeiro: Sophie Scheder am Stufenbarren Bildrechte: imago

Scheder wird auf jeden Fall ihre Karriere fortsetzen. "Ich kann sagen, wenn Gabi nicht mehr als Trainerin in die Turnhalle kommen darf, werde ich vielleicht noch erfolgreich sein, weil ich einfach viel Erfahrung habe. Aber ich würde auch sagen, dass ich vielleicht nicht mehr so erfolgreich werde wie mit Gabi."

dpa/cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 16. Februar 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

Erichs Rache vor 41 Wochen

@lunatic

Darum gehts doch: Um sich nicht selbst "die Hände schmutzig" zu machen, bestellt man eine Auftragsarbeit, die das gewünschte, tendenziöse und gewollte Ergebnis liefert.

lunatic vor 41 Wochen

Grundsätzlich ist das ja ein guter Ansatz, wenn der DTB es nicht komplett intern "selbst" aufarbeitet, sondern sich einer externen Kanzlei samt Sportpsychologin bedient (also logischerweise eine Auftragsarbeit), problematisch wirds aus meiner Sicht aber dann, wenn das ganze so ziemlich tendenziös wirkt und wohl am Ende wohl auch sehr einseitig dargestellt wird (weil überwiegend nur diejenigen vorkommen, die Gabi Frehse jetzt was vorwerfen) - wie anders ist es zu erklären, dass entlastende Aussagen kaum Gehör finden (und es ist ja auch nach wie vor so, dass die Betroffene die Vorwürfe ja bestreitet)- das will einfach niemand hören. Bemerkenswert finde ich, dass sowohl der DTB als auch Dagmar Freitag, die Sportausschussvorsitzende des Bundestags diesen Untersuchungsbericht und dessen Zustandekommen völlig unkritisch übernehmen und sich zu eigen machen und beide die sofortige Entlassung von Gabi Frehse fordern, ohne die Gegenseite zu hören. Das wirkt, als hätten die nur darauf gewartet.

Maschinist vor 41 Wochen

Waaas?

Natürlich muß Frau Scheder zum persönlichen Gespräch bestellt werden, in welchem ihr verdeutlicht wird,
welch schädliche Folgen ihre falsche Einstellung
für Deutschland,
den Frieden,
die Wertegemeinschaft
und für sie persönlich hat.

Schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf!

MfG