Turnen | Chemnitz Chemnitzer Turn-Trainerin Frehse darf wieder in die Halle

Paukenschlag in Chemnitz: Die umstrittene Turntrainerin Gabriele Frehse darf wieder zurück in die Halle. Der Chemnitzer OBM Schulze hofft auf eine "versöhnliche Lösung".

Sven Schulze, OB von Chemnitz 3 min
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Die Stadt Chemnitz hat das Hallenbetretungsverbot für Gabriele Frehse aufgehoben. Demnach darf Frehse ab kommenden Montag (11.10.2021) wieder in die Halle.

Schulze hofft auf "Weg der Versöhnung"

Der Chemnitzer Bürgermeister Sven Schulze erklärte am Dienstag (05.10.2021) im MDR: "Es war für uns immer klar, dass wir den Ausgang des Arbeitsgerichtsverfahren abwarten. Jetzt gibt es ein Urteil, das bis auf weiteres Fakten schafft und wir werden uns diesem rechtsstaatlichen Urteil beugen." Es liege nun an einem intensivem Dialog aller Beteiligten, sportfachlich sicher zu stellen, wie es weitergeht am Standort Chemnitz. "Auch Frau Frehse kann hierzu ihren Beitrag leisten, in dem sie ihre eigenen Interessen hinten anstellt und den Weg der Versöhnung einschlägt", sagte Schulze.

Auch Frau Frehse kann hierzu ihren Beitrag leisten, in dem sie ihre eigenen Interessen hinten anstellt und den Weg der Versöhnung einschlägt.

Sven Schulze, Bürgermeister

Frehse erleichtert - alle Hallenzeiten beblockt?

"Ich bin erleichtert, dass der Oberbürgermeister das Hallenverbot aufgehoben hat. Jetzt warte ich erstmal das Gespräch mit meinem Arbeitgeber ab", so Frehse. Das Gespräch zwischen Frehse und dem Olympiastützpunkt Sachsen e.V. findet nach MDR-Informationen am 12. Oktober statt.

Für Euphorie sorgte die Entscheidung nicht bei allen. Der Präsident des TuS Chemnitz-Altendorf, Frank Munzer kritisch: "Das läuft ins Leere. Der DTB hat alle Hallenzeiten belegt." Das heißt, das Frehse zwar theoretisch in die Turnhalle könnte, um mit Turnerinnen des TUS Chemnitz Altendorf zu trainieren. Praktisch kann sie das aber nicht, weil der DTB vor ein paar Monaten alle Hallenzeiten geblockt hat.

Arbeitsgericht erklärt Kündigung für unrechtmäßig

Am vergangenen Freitag (1. Oktober) hatte das Arbeitsgericht die vom Olympiastützpunkt in Chemnitz ausgesprochene Kündigung gegen die Turn-Trainerin für unrechtmäßig erklärt und begründete dies mit "handwerklichen Fehlern".

Psychische Gewalt und unerlaubte Medikamenten-Abgabe

Frehse war Ende November von ihrem Amt als Cheftrainerin suspendiert worden, nachdem einige aktuelle und ehemalige Turnerinnen, darunter Pauline und Helene Schäfer, ihr im Nachrichtenmagazin "Spiegel" im November 2020 psychische Gewalt und unerlaubte Schmerzmittel-Abgabe vorgeworfen hatten. Ende Januar hatte eine vom Deutschen Turner-Bund in Auftrag gegebene interne Untersuchung hinreichende Anhaltspunkte in 17 Fällen gesehen.

Kündigung Ende April 2021

Zum 30. April 2021 erhielt Frehse eine Verdachtskündigung des Olympiastützpunktes Sachsen, woraufhin die langjährige Übungsleiterin eine Kündigungsschutzklage am Arbeitsgericht Chemnitz erhob. Zudem verhängte die Stadt Chemnitz ein Hallenverbot. Ihr Verein TuS Chemnitz-Altendorf kritisierte die Kündigung scharf. Frehse gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Turn-Trainerinnen. Sie formte unter anderem Pauline Schäfer zur Weltmeisterin und WM-Dritten und Sophie Scheder zur Olympia-Dritten.

Weiteres Verfahren anhängig

Mit dem Urteil ist die Sache für Frehse aber noch nicht vom Tisch. Zum einen hat der OSP besagte Möglichkeit auf Berufung. Außerdem läuft gegen Frehse noch eine Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft in Chemnitz nach einer Anzeige der Schäfer-Schwestern und der Familie Papke. Falls nach den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen Anklage erhoben würde, dann müsste man das Urteil abwarten. Erst danach kann der "Fall Frehse" abschließend bewertet werden.

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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 05. Oktober 2021 | 19:30 Uhr