Turnen | Missbrauchsvorwürfe Im Fall Frehse macht jetzt das Bundesinnenministerium Druck

Neue Stützpunktleiterin Anfang der Woche intern vorgestellt

Im Zuge der Missbrauchsvorwürfe gegen Trainerin Gabriele Frehse drängt auch der größte Geldgeber des Chemnitzer Olympiastützpunktes, das Bundesinnenministerium, auf Aufklärung. Nach MDR-Informationen hat es bereits einen Generationswechsel an der Spitze des Chemnitzer Turnstützpunktes gegeben.

Turnerin Pauline Schäfer, Aktion am Schwebebalken
Bildrechte: imago images / Sven Simon

Rund um die Vorwürfe gegen die Trainerin Gabriele Frehse am Turn-Bundesstützpunkt in Chemnitz hat sich jetzt das Bundesinnenministerium (BMI) eingeschaltet. Das Ministerium von Horst Seehofer ist mit circa 70 Prozent des Etats der größte Geldgeber des Olympiastützpunktes (OSP) Chemnitz. Auch der Deutsche Turnerbund (DTB) hat im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Euro Fördergeld aus dem Innenministerium in Berlin erhalten.

Katrin Werkmann löst Hans Müller ab

Wolfgang Willam, DTB-sportsdirector
DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam. Bildrechte: imago images / Schreyer

Das BMI hatte den OSP Sachsen und den DTB schon vor einer Woche aufgefordert, die im "Spiegel" erhobenen Vorwürfe gegen Frehse aufzuklären. Nun hat das Innenministerium einen Zwischenbericht verfasst, der dem MDR vorliegt. Darin enthalten ist auch eine Stellungnahme des DTB – mit einigen brisanten Details. Demnach war DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam bereits am vergangenen Montag (14. Dezember) in Chemnitz und hat intern die neue Bundesstützpunktleiterin vorgestellt.

Wie der OSP bestätigte, handelt es sich um die 37-jährige Katrin Werkmann, die bislang beim DOSB im Geschäftsbereich Leistungssport tätig war, projektbezogen auch für den Nachwuchsleistungssport. Hans Müller, der bisherige Stützpunktleiter, war seit Bekanntwerden der Vorwürfe krankgeschrieben. Nach Darstellung des OSP hätte der Personalwechsel aber nichts mit den Vorwürfen gegen Gabriele Frehse zu tun, vielmehr würde Müller mit 69 Jahren in Rente gehen.

Untersuchung auf gesamten Olympiastützpunkt ausgeweitet

Gabi Frehse und Pauline Schäfer
Pauline Schäfer mit Trainerin Gabriele Frehse 2017 beim Eintrag ins "Goldene Buch" der Stadt. Im November erhob auch Weltmeisterin Schäfer schwere Vorwürfe gegen Frehse. Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Weiter schreibt der DTB in seiner Stellungnahme, dass Gabriele Frehse den Ehrenkodex der Deutschen Sportjugend nachweislich unterschrieben hätte. Der Ehrenkodex ist ein sportartübergreifendes Instrument, das den Kinder- und Jugendschutz stärken soll. Im gleichen Atemzug kündigte der DTB an, dass es "weitreichende Konsequenzen" haben würde, wenn sich die Missbrauchsvorwürfe bestätigen würden.

Auch der DOSB unterstützt die Aufklärungsbemühungen des DTB. Beide haben sich darauf geeinigt, die Untersuchung vom Bundesstützpunkt Turnen auf den gesamten Olympiastützpunkt auszuweiten. Der DOSB teilte dem MDR schriftlich mit: "Gegenstand der Untersuchung sind die organisatorischen und rechtlichen Strukturen des OSP und die Klärung, ob systemische Faktoren zu der aktuellen Diskussion geführt haben." Auch das Bundesinnenministerium drängt darauf, nach strukturellen oder systemischen Ursachen für Missbrauch fahnden. Das Gutachten soll Mitte Januar 2021 vorliegen.

In dem Zwischenbericht legt sich das Innenministerium noch nicht auf Maßnahmen fest, zeigt sich für die Missbrauchsgefahr im Leistungssport aber sensibilisiert. So sei es ausdrückliches Ziel des BMI, dass "der Spitzensport in allen Bereichen und in allen Sportarten regelkonform und gewaltfrei ausgeübt wird.“

BMI will Schutzmaßnahmen verschärfen

Derzeit knüpft das Innenministerium finanzielle Förderung von Spitzensportverbänden und Olympiastützpunkten an bestimmte Voraussetzungen. Konkret geht es dabei um Prävention und Bekämpfung von sexuellem Missbrauch und Doping. Den Machtmissbrauch im psychischen Bereich nennt das BMI nicht ausdrücklich, will aber seine finanzielle Förderung schrittweise an die Umsetzung von weiteren Integritätsmaßnahmen knüpfen.

Das könnten Sportverbände – nicht nur der DTB – durchaus als Drohung interpretieren. Denn das Innenministerium koordiniert nicht nur die Sportförderung des Bundes – es hat auch das mit Abstand größte Budget für Sportförderung. Im vergangenen Jahr betrug es 226 Millionen Euro. Das Innenministerium verknüpft seine Aufklärungsbemühungen mit einer klaren Bedingung: "Nur ein fairer und regelkonformer Sport verdient die finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand."

Dieses Thema im Programm: Sport im MDR Aktuell Nachrichtenradio | 18. Dezember 2020 | 16:40 Uhr

2 Kommentare

MeyerZwo vor 25 Wochen

In jeder Hinsicht sind die Untersuchungen begrüßenswert. Meiner Meinung nach, sollten alle Turnstützpunkte in Deutschland einbezogen werden. Wenn sich die Verantworlichen nicht für den Breitensport entscheiden sollten, steht der OSP Chemnitz nicht schlecht dar. Die Herren Seehofer und Hötzel lassen sich gerne mit Medailliengewinnerinnen ablichten und investieren dazu viel Geld, dass WIR mit unseren Beiträgen ermöglichen. Dann ist die Frage legitim, warum die schlechte Entwicklung der Natinalmannschaften in den letzten Jahren, nicht dazu führte, sich die sog. OSPs anzusehen? Wenn Frau Koch es als Ziel ausgibt, sich zumindest für die Olympia zu qualifizieren, ist es in meinen Augen bei einer Millionenförderung ein Offenbarungseid. Folgen ? Keine.

Norbert Franke vor 25 Wochen

Nur mal ein kleiner Hinweis ,wie sagte einst Udo Bölts zu Jan Ullrich ( Tour de france ) am Berg ?
Quäl Dich Du Sau !
Was will ich damit sagen ? Leistungssport ist kein Häkelverein ! Schaut bei Google wie es ,teilweise ,in China läuft .Dann würde ich auch sagen,,,,so nicht.Alles Andere ist einfach notwendig denn von nichts wird nichts !
Es wird Keiner dazu gezwungen . Aber heute will sich auch Keiner mehr quälen oder quälen lassen wie z.B. einst bei Katharina Witt.
Kein Wunder das Deutschland im Sport überall immer weniger Medaillen holt.