Turnen Kündigung von Turn-Trainerin Gabriele Frehse unwirksam

Die vom Olympiastützpunkt (OSP) in Chemnitz ausgesprochene Kündigung gegen die Turn-Trainerin Gabriele Frehse ist nicht rechtens. Wie das Arbeitsgericht am Freitag (1.10.2021) feststellte, habe es handwerkliche Fehler gegeben.

So erklärte das Gericht in seiner kurzen Einlassung, dass Frehse vor ihrer Kündigung hätte angehört werden müssen. Allerdings habe die 61-Jährige sich lediglich schriftlich äußern sollen. Auch sei der Zeitraum zwischen der Freistellung und der Kündigung zu lang gewesen. Zudem vermisste das Gericht Aufklärungsbemühungen durch den Olympiastützpunkt, diese hätte es aber bei einer Verdachtskündigung geben müssen.

Der OSP wollte sich in Person des Vorsitzenden Christian Dahms zunächst nicht zum Urteil äußern und die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Der Anwalt von Frehse zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung.

Versuche, eine einvernehmliche Lösung zu finden, waren gescheitert. Deswegen kam es nun zum Kammertermin vor dem Arbeitsgericht. Nach lediglich 20 Minuten Verhandlung und fünfminütiger Beratung stand das Urteil fest.

Deutsche Turner-Bund empfiehlt Berufung

Auch im Deutschen Turner-Bund (DTB) hat man die erstinstanzliche Entscheidung zur Kenntnis genommen. Eine abschließende Bewertung könne noch nicht vorgenommen werden, da es binnen vier Wochen nach Eingang der schriftlichen Begründung noch eine Berufungsmöglichkeit gebe.

Der DTB empfiehlt dem OSP Sachsen Berufung einzulegen und die bestehenden juristischen Mittel auszuschöpfen. Weiterhin teilte der Verband in einer Stellungnahme mit, dass "unvermindert gilt, dass eine Rückkehr von Frau Frehse an den Bundesstützpunkt Turnen für den DTB ausgeschlossen ist." Sollte es bei dieser strikten Haltung bleiben und Frehse in den weiteren Instanzen Recht behalten, droht im Extremfall die Schließung des Bundesstützpunktes.

Der DTB hat seine Position klar kommuniziert; es gilt unvermindert, dass eine Rückkehr von Frau Frehse an den Bundesstützpunkt Turnen für den DTB ausgeschlossen ist.

Deutscher Turner-Bund

Psychische Gewalt und unerlaubte Medikamenten-Abgabe

Frehse war Ende November von ihrem Amt als Cheftrainerin suspendiert worden, nachdem einige aktuelle und ehemalige Turnerinnen, darunter Pauline und Helene Schäfer, ihr im Nachrichtenmagazin "Spiegel" im November 2020 psychische Gewalt und unerlaubte Schmerzmittel-Abgabe vorgeworfen hatten. Ende Januar hatte eine vom Deutschen Turner-Bund in Auftrag gegebene interne Untersuchung hinreichende Anhaltspunkte in 17 Fällen gesehen.

Kündigung Ende April 2021

Zum 30. April 2021 erhielt Frehse eine Verdachtskündigung des Olympiastützpunktes Sachsen, woraufhin die langjährige Übungsleiterin eine Kündigungsschutzklage am Arbeitsgericht Chemnitz erhob. Zudem verhängte die Stadt Chemnitz ein Hallenverbot. Ihr Verein TuS Chemnitz-Altendorf kritisierte die Kündigung scharf. Frehse gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Turn-Trainerinnen. Sie formte unter anderem Pauline Schäfer zur Weltmeisterin und WM-Dritten und Sophie Scheder zur Olympia-Dritten.

Weiteres Verfahren anhängig

Mit dem Urteil ist die Sache für Frehse aber noch nicht vom Tisch. Zum einen hat der OSP besagte Möglichkeit auf Berufung. Außerdem läuft gegen Frehse noch eine Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft in Chemnitz nach einer Anzeige der Schäfer-Schwestern und der Familie Papke.

___
red

Ludger Olbrich, Anwalt von Gabriele Frehse 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aktuell_Frehse 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR aktuell 21:45 Uhr Fr 01.10.2021 21:45Uhr 01:17 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 01. Oktober 2021 | 19:30 Uhr