Turnen | Chemnitz Bundestag und DOSB kündigen Untersuchungen an

Nachdem der Deutsche Turner-Bund die Vorwürfe gegen Trainerin Gabriele Frehse (Chemnitz) untersuchen wird, werden nun auch die Bundespolitik und der Deutsche Olympische Sport-Bund aktiv.

Dagmar Freitag, SPD, Mitglied des Bundestages, spricht im Rahmen einer Sitzung vor dem Bundestag in Berlin
Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag Bildrechte: imago images / photothe

Die Vorwürfe gegen die vom Olympiastützpunkt Chemnitz suspendierte Turn-Trainerin Gabriele Frehse sollen auch im Sportausschuss des Bundestages thematisiert werden. Das sagte die Vorsitzende des Gremiums dem "Spiegel".

"Wir werden sicher die Vorwürfe der Athletinnen aufgreifen. Ich sehe jedenfalls Handlungsbedarf", sagte die SPD-Politikerin Dagmar Freitag dem Nachrichtenmagazin und betonte: "Wir dürfen nicht vergessen: Der Deutsche Turner-Bund, Bundestrainer und Bundestrainerinnen oder auch der Leiter des Olympiastützpunktes (OSP) - das sind alles Institutionen oder Personen, die mit Bundesmitteln gefördert werden." Freitag nannte die Vorwürfe der Athletinnen "erschreckend".

Sportausschuss im Bundestag
Der Sportausschuss des Bundestags Bildrechte: imago images / Christian Ditsch

DOSB weitet Untersuchung auf OSP Chemnitz aus

Auch der Deutsche Olympische Sportbund wird sich mit den Anschuldigungen gegen die vom Olympiastützpunkt Chemnitz suspendierte Turn-Trainerin Gabriele Frehse beschäftigen. "Wir stehen für einen humanitären Spitzensport, der auf Werten passiert, und werden uns genau ansehen, was dort passiert ist", sagte die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker am Samstag nach der Mitgliederversammlung der Dachorganisation. "Wir haben entschieden, die Untersuchung, die der Deutsche Turnerbund in seinem Bundesstützpunkt begonnen hat, auf den Olympiastützpunkt auszuweiten." Der DOSB wolle prüfen, ob es strukturelle oder systemische Fragen gebe, die zu diesem Hintergrund führten. "Den Prüfauftrag werden wir von Seiten des DOSB ausweiten. Damit bekennen wir uns ein Stück weit zu unserer Verantwortung für die Strukturen der Olympiastützpunkte", sagte Rücker.

Frehse: Viele haltlose Vorwürfe und Unwahrheiten

Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer, deren Schwester Helene und weitere Turnerinnen hatten Frehse vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben.

Trainerin Gabriele Frehse und Pauline Schäfer trägt sich in Anwesenheit von OB Barbara Ludwig in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz ein.
Das Tischtuch zwischen Pauline Schäfer (re.) und Gabriele Frehse (Mi.) ist zerschnitten. Hier bei einer Ehrung in Chemnitz 2017 nach dem WM-Gold von Schäfer vom Schwebebalken. Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Die 62 Jahre alte Trainerin setzt sich gegen die Vorwürfe zur Wehr. In Interviews des Mitteldeutschen Rundfunks am Donnerstag und der «Sächsischen Zeitung» ( Freitag ) hatte Frehse zuletzt gesagt, es handele sich um viele haltlose Vorwürfe und Unwahrheiten. Die Turn-Trainerin behält sich nun juristische Schritte vor. "Ich war schockiert, konnte es nicht fassen. Dass so erfolgreiche Turnerinnen über mich derart urteilen und Unwahrheiten verbreiten. Ich fühlte mich benutzt", sagte Frehse der "Freien Presse" (Samstag). Frehse betonte, dass man sich im Leistungssport quälen, auch mal schinden müsse, dass ab und zu ein härteres Wort falle. "Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt die Absicht, Turnerinnen durch meinen Ton zu verletzen", sagte Frehse. Den Vorwurf, sie habe ohne ärztliche Verordnungen Medikamente verabreicht, wies Frehse ebenfalls zurück.

dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 05. Dezember 2020 | 10:40 Uhr

9 Kommentare

MeyerZwo vor 27 Wochen

Mir ist wichtig darzustellen, dass es im Jahre 2018 mehrere Gespräche zwischen den beteiligten Fraktionen gab, die zu einem Ergebnis führten. Die Partei S konnte weiter in Chemnitz trainieren, die andere Partei F war ebenfalls in der Lage weiterzuarbeiten. Nun hat sich die Partei S entschieden, den Vertag einseitig ohne Information an Dritte aufzukündingen, in dem die Partei sich an überregionale Publikationen wendete. Wo soll denn da die Vorbildfunktion liegen? Sie behaupten auf ihren Kanälen, sie hätten es für die kleineren Turnerinnen getan. Haben Sie sie gefragt?...Nach meinem Stand nicht. Sie handeln nach ihren Interessen und bleiben Ihre Antwort schuldig...wenn sie einen Arsch in der Hose haben, dann geben sie den WM Titel zurück, denn dieser ist ja nach ihrer Darstellung unter psychischen Druck, mit unlauteren Trainingsmethoden, gegen Ihre Willen und mit Medikamenteneinsatz möglich geworden.

oldie68 vor 27 Wochen

Aufstand der Turnerinen !?
Weswegen gehen diese Mädchen dahin ,in einen Olympiastützpunkt ? Es geht da nicht um nur zum Spaß zu turnen,es geht um Leistung um evtl.mal mit in der Spitze mit zu turnen. Wenn hier 14 Turnerinen ,darunter eine Weltmeisterin gegen die Methoden der Trainerin sind dann sind diese Damen nicht für diesen Sport geeignet!
Frau Schäfer, Sie sind Weltmeisterin dies kommt doch nicht von ungefähr sondern in harten Training ! Ihre Trainerin hat sie dahin geführt wo sie jetzt sind ,Weltspitze ! Und jetzt treten sie nach gegen ihre Trainerin! So sieht die neue Dankbarkeit aus ,zum Kotzen!

cherry1966 vor 27 Wochen

Klar haben sich Trainingsmethoden geändert, der moderne Leistungssportler arbeitet jetzt mit Mentalcoach. Aber fakt ist - wenn man sich heutzutage für Leistungssport entscheidet, gibt es kein wenn oder aber. Das müssen auch die Eltern wissen. Und Frauen- (bzw. Mädchen-) turnen gehört dabei bestimmt zu den härtesten Disziplinen. Hoffentlich wird objektiv ausgewertet! Ich gebe noch zu bedenken, dass es bei den Stützpunkten um viel Geld und Förderung geht. Die Erfolge der ChemnitzerInnen waren einer Bundestrainerin Ulla Koch schon lange ein Dorn im Auge und das Verhältnis zu Frau Frehse wohl sehr unterkühlt. Ich wage mal die Prognose, dass sich nunmehr der DTB bei den Damen endgültig aus der Weltspitze verabschiedet. Aber man kann ja auch Landesmeistertitel feiern und bei den Olympischen Spielen genügt ja die Teilnahme (der Funktionäre).