Doping | Prozess "Operation Aderlass": Auch Tiere sollten gedopt werden

Neue Enthüllungen im Erfurter Doping Skandal: Der wegen jahrelangen Blutdopings angeklagte Arzt Mark Schmidt soll laut Zeugenaussage nicht nur über menschliches Blutdoping gesprochen haben.

Mark Schmidt (Mitte) steht mit seinen zwei Anwälten hinter Plexiglas im Gericht.
Mark Schmidt (Mitte) steht mit seinen zwei Anwälten hinter Plexiglas im Gericht. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Am Mittwoch, dem zwölften Verhandlungstag im Blutdopingprozess um Mark Schmidt, wurde ein weiterer Zeuge vom Gericht befragt. Der kroatische Leichtathletiktrainer brachte eine brisante Aussage wieder neu ins Spiel. Neben dem Doping im Rad- und Wintersport sollen sich der Erfurter Arzt und der Trainer auch über mögliches Blut-Doping von Tieren unterhalten haben. Um welche Tiere es dabei genau ging, wollte ein Richter des Landgerichts wissen. Laut 39-Jährigen habe es sich um Kamele gehandelt, weiter wolle er auf die Sache nicht eingehen und auch keine Details nennen.

Schmidt sprach in Vernehmungen darüber

Bekräftigt wird diese Zeugenaussage durch den Bericht eines Ermittlers von einem früheren Verhandlungstag. Aus dem Bericht geht hervor, dass Schmidt in einer Vernehmung selbst von einer Verbindung zu dem Kroaten gesprochen hat, auch in Bezug auf Pferde- und Kamelrennen. Nach Aussage des Erfurters sei allerdings der kroatische Leichtathletiktrainer bei dieser Thematik auf ihn zugegangen. Er habe den Vorschlag später wohl abgelehnt. Ob es sich bei den Gesprächen um einen Spaß gehandelt habe oder schon konkrete Pläne dahinter steckten, hinterfragte das Landgericht München 2 am gestrigen Verhandlungstag nicht weiter.

Verhandlung bis Juli 2021 verlängert

Eine neue Chance wird es im Jahr 2021 dafür sicherlich geben. Ursprünglich war der Prozess gegen Schmidt und vier Mitangeklagte bis Weihnachten angedacht, nun wurden 16 weitere Verhandlungstermine bis Juni 2021 angekündigt.

Gegen den Zeugen von gestern läuft in Österreich ein separates Verfahren. Neben den Aussagen zu möglichem Tierdoping, standen noch andere Themen im Mittelpunkt. Beide sollen sich zwischen 2013 und 2014 kennengelernt haben. In den Jahren danach habe der Trainer den Erfurter Schmidt mit Dopingsubstanzen versorgt und ihn mit zwei weiteren Sportlern bekannt gemacht. Unter anderem spielt auch der geständige Doper Johannes Dürr eine Rolle in den Zeugenaussagen. An dem österreichischen Skilangläufer habe er dreimal Blutabnahmen oder -zufuhren durchgeführt.

Sportler schätzen Schmidt als "fair" ein

Ein weiteres alarmierendes Zeichen im Kampf für einen sauberen Sport waren die Aussagen zur Akzeptanz von Schmidt in der Szene: "Die Sportler haben gemeint, dass er ein fairer Mensch ist, der den Leuten hilft.". In den ihm bekannten Ausdauersportarten sei Doping normal. Das Wort "fair" in Verbindung mit Doping zeigt, dass die Sportwelt noch einen langen Weg vor sich hat und die "Operation Aderlass" nur der Anfang war.

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mcz

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 25. November 2020 | 14:40 Uhr

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