Pferdesport | "Partner Pferd" Pferdeschnelltest - Vet-Check vor den Springprüfungen in Leipzig

In der Stallgasse bildet sich eine lange Schlange und zwischen Abreiteplatz und Aktionsring machen Reiter und Pfleger die Pferde zur medizinischen Kontrolle bereit. Bei der Partner Pferd steht der sogenannte Vet-Check an. Dieser ist für alle Starter in internationalen Prüfungen Pflicht.

Vet-Check bei der Partner Pferd
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Identitätscheck und Prüfung des Impfschutzes

FEI-Veterinär Dr. Michael Köhler und sein Team haben fast zwei Stunden Dauerstress. Wie am Fließband gehen die Mitarbeiter bei den Springpferden vor. Einer ermittelt mit dem Mikrochipscanner die 15-stellige Nummer, die am linken Pferdehals eingelesen wird und gleicht sie mit dem Pferdepass ab. Dann wird der Impfstatus überprüft, vor allem ob der Influenza-Schutz aktuell ist. Diese Krankheit ist leicht übertragbar und sorgte jüngst dafür, dass Ludger Beerbaum dieses Jahr ohne Vierbeiner anreist. Stuten, Wallache und Hengste müssen geführt an Trense oder Longe vortraben. Hier will jeder bestehen. Immerhin sind viele angereist, um sich im Parcours sportlich zu messen und das eine oder andere Preisgeld zu gewinnen.

Vet-Check am Pferd bei der Partner Pferd.
Eine 15-stellige Nummer wird ausgelesen und mit dem Pass abgeglichen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vortraben bitte - notfalls mehrfach

Lahmt ein Pferd und schont eins seiner Beine? Die Bewegung wird von ein bis zwei Personen begutachtet. Im Idealfall sind es 14 Trabschritte in eine Richtung. Dann geht es im Schritt um eine aufgestellte Spänepackung und trabend zurück, damit die Tierärzte das Pferd noch einmal von vorn sehen. Keine 25 Sekunden bleiben den Profis, um zu entscheiden, ob ein Tier verletzt ist. Bei temperamentvollen Pferden gestaltet sich das schwierig: Sie steigen oder galoppieren Volten, sodass manchmal nur sechs Trabschritte drin sind.

Eine Liste bei der Partner Pferd
"Passed" - diese Pferde haben bestanden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Bitte noch einmal", heißt es dann manchmal. Eine Frau, die versucht ihr Pferd zu drosseln, zeigt auf die Zuschauer und bemüht sich um eine Rechtfertigung: "Die schnalzen da hinten." Eine andere Frau bekommt zu ihrem Pferd zu hören: "Nimm sie ab, beim nächsten Mal." Gemeint sind die Glocken an den Vorderhufen. Dr. Henrike Lagershausen, Leiterin der Abteilung Veterinärmedizin der Reiterlichen Vereinigung, war nicht beim Vet-Check vor Ort. Der MDR bat sie dennoch um eine Einschätzung: "Das ist sicherlich ein Einzelfall. Normalerweise darf das Pferd beim Vet-Check keinen Beinschutz tragen, da sonst z. B. keine freie Einsicht auf die Abzeichen an den Gliedmaßen des Pferdes möglich ist. Ich persönlich würde es lieber einsehen wollen." Sie äußerte eine Vermutung, weshalb das Pferd Hufglocken an den Vorderbeinen trug: "Die Glocken waren eventuell noch vom Transport oder Training."

Zur Verwirrung führten dieses Mal die Pferde von Kevin Staut. Sein Helfer hatte an der Trense die falsche Startnummer befestigt. Er selbst klärte das auf, als er das zweite Tier zum Vet-Check brachte. Vorher hat es offenbar keiner bemerkt.

Pferdesport
Einblick in einen Pferdepass Bildrechte: Sport im Osten

Veterinär Dr. Köhler: "Das ist eine feste Unterlage"

Anders als bei vielen Turnieren üblich, erfolgt das Traben nicht auf Asphalt sondern auf einem recht gut federnden Boden. FEI-Veterinär Köhler erklärt: "Es muss ein trittsicherer Boden sein. Das ist hier eine akzeptable und relativ feste Unterlage. Draußen ist das mit den Witterungsbedingungen manchmal schwierig möglich." Fast alle Pferde bestehen den Test. Köhler sagt auf Nachfrage: "Bei den Amateuren mussten wir ein Pferd nachkontrollieren und ein Reiter, dessen Pferd grenzwertig war, hat selbst gesagt, dass er verzichtet. Er war so vernünftig."

Zwei Männer bei der Partner Pferd.
FEI-Veterinär Dr. Michael Köhler und Chef-Stuart Michael Wassmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Chef-Stuart Wassmann: Bisher keine Bestechungsversuche

Eine Reinspektion, eine erneute Begutachtung, ist innerhalb von 24 Stunden möglich. Chef-Stuart Michael Wassmann sagt: "Wenn es da auch nicht fit ist, darf es auf dem Turnier nicht starten." Köhler und Wassmann sind seit 2005 bzw. 2017 regelmäßig bei der Partner Pferd im Einsatz. Vorababsprachen wären möglich. Lädt das ein zu Bestechungsversuchen? Wassmann erzählt: "Bei uns haben wir das noch nicht erlebt. Im Prinzip müssten wir das im Bericht erwähnen."

Auf der Masterliste wird abschließend geprüft, ob alle da waren. Wenn Reiter mit ihren Vierbeinern im Stau stehen, rufen sie an. Alle Pferde-Pässe werden nach dem Vet-Check verwahrt und erst wieder ausgehändigt, wenn die Kosten für Boxen und VIP-Karten beglichen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 18. Januar 2020 | 14:00 Uhr

0 Kommentare

Pferdesport | "Partner Pferd" Die besten Springreiter im Weltcup

Der Belgier Pieter Devos ist im aktuellen Weltcup der Springreiter das Maß aller Dinge. Vor der "Partner Pferd" gibt es aber auch viele deutsche Starter, die schon ordentlich gepunktet haben.

Pieter Devos auf Espoir
Der Belgier Pieter Devos ging bei seinen fünf Starts im aktuellen Weltcup bisher nur einmal leer aus – ausgerechnet beim Heim-Turnier in Mechelen (mit Apart). Unschlagbar war er mit Apart in Stuttgart, wo er mit Wallach Apart vor Steve Guerdat (SUI) und Scott Brash (GBR) siegte. Auch auf Wallach Espoir und Stute Claire Z ritt Devos schon zu Weltcup-Punkten. Hier die besten deutschen Springreiter: Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Pieter Devos auf Espoir
Der Belgier Pieter Devos ging bei seinen fünf Starts im aktuellen Weltcup bisher nur einmal leer aus – ausgerechnet beim Heim-Turnier in Mechelen (mit Apart). Unschlagbar war er mit Apart in Stuttgart, wo er mit Wallach Apart vor Steve Guerdat (SUI) und Scott Brash (GBR) siegte. Auch auf Wallach Espoir und Stute Claire Z ritt Devos schon zu Weltcup-Punkten. Hier die besten deutschen Springreiter: Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Philipp Weishaupt auf Che Fantastica
Philipp Weishaupt ist aus dem Stall von Ludger Beerbaum, der seinem Chef im Parcours inzwischen ordentlich Konkurrenz macht. Sein Vater ist ein erfolgreicher Pferdezüchter und sein Bruder Maximilian ist ebenfalls Springreiter. Bildrechte: imago images/Stefan Lafrentz
Christian Ahlmann auf Solid Gold Z
Christian Ahlmann hat schon siebenmal das Weltcup-Springen in Leipzig gewonnen. Er startet als Titelverteidiger, da er 2019 mit „Caribis Z“ die schnellste Nullrunde im Stechen hinlegte. Als Junge hat ihn Fußball anfangs mehr gereizt als der Reitsport. Mit elf Jahren nahm er seine erste Reitstunde. Als Zwölfjähriger gewann er sein erstes S-Springen. Weitere zwei Jahre später erhielt Ahlmann das Goldene Reitabzeichen als jüngster Reiter der Geschichte. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Marcus Ehning auf Firth Of Lorne
Marcus Ehning war sieben Jahre jung, als er mit dem Reiten begann. Wie er auf seiner Webseite berichtet, erhielt er einmal einen Sonderpreis, weil er trotz dreier Stürze eine Prüfung beendete. Als 16-Jähriger stieg er endgültig auf Großpferde um. Mit der Mannschaft gewann er 2000 Olympia-Gold und 2010 WM-Gold. In seiner Freizeit spielt Ehning Fußball. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Christian Kukuk auf Mumbai
Vor knapp acht Jahren heuerte Christian Kukuk im Beerbaum-Stall in Riesenbeck als Bereiter an. 2016 erfüllte er sich den Traum vom Start beim CHIO Aachen, der aber durch einen Sturz am Wassergraben jäh endete. Kukuk brach sie die Schulter dreifach. Während der Rehabilitation musste er sich in Geduld üben, ehe er wieder an einem Turnier teilnahm. Aktuell präsentiert er sich in einer blendenden Form. Bildrechte: imago images/Hartenfelser
Daniel Deußer auf der Stute Happiness van’t Paradijs
2014 gewann Daniel Deußer mit Cornet D’Armour das Weltcup-Finale in Lyon. Darauf und auf andere Highlights arbeitete der Springreiter lange hin. Im Alter von nur zwei Jahren begann er im Stall seines Onkels mit dem Reitsport. Als 15-Jähriger gewann er sein erstes S-Springen. 2012 zog es ihn in die Stephex Stables in Mechelen, wo er mehrere Spitzenpferde fand. Harte Zeiten machte Deußer mit dem Fuchswallach First Class durch. Das Pferd, mit dem er in Rio de Janeiro zu Team-Bronze ritt, starb nach einer Kolik-Operation. Bildrechte: imago/Stefan Lafrentz
Ludger Beerbaum
Eine Auflistung sämtlicher Erfolge Ludger Beerbaums würde diese Seite sprengen. Der 56-Jährige hat schon viel erlebt: 1992 musste er bei den Olympischen Spielen von einer in Panik umher galoppierenden Classic Touch abspringen, nachdem der Zügel gerissen war.  Am Folgetag gewann er in Barcelona Einzel-Gold. Zudem gewann Beerbaum dreimal Mannschaftsgold (1988, 1996, 2000). Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Michael Jung
Michael Jung feierte seine größten Erfolge in der Vielseitigkeit: zweimal gewann er Gold in der Einzelwertung (2012, 2016). Im Weltcup, in dem die sieben besten Ergebnisse zählen, startete der 37-Jährige in dieser Saison bisher viermal. In Helsinki holte er mit "fischerChelsea" sieben Punkte. Jung wuchs auf der Reitanlage seiner Familie auf, wo er eine grundsolide Ausbildung in Dressur, Springen und Vielseitigkeit erhielt. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Alle (8) Bilder anzeigen

Pferdesport | "Partner Pferd" Millimeterarbeit - Vierspänner im FEI-Weltcup

Mit vier Pferden und einer Kutsche möglichst schnell und fehlerfrei ans Ziel zu kommen ist ihre Paradedisziplin. Diese Weltcup-Teilnehmer sind mit ihren Vierspännern eine Wucht.

Boyd Exell
Boyd Exell ist fünffacher Weltmeister und achtfacher Weltcup-Sieger. Das kommt bei dem "Champion of Champions" nicht von ungefähr. Aus dem Fahrsport ist der Australier nicht wegzudenken. Schon als Sechsjähriger war er von Pferden fasziniert.  Über das gegenseitige Vertrauen mit den Tieren sagte er: "Ich habe eine Verbindung zu den Pferden, wenn ich mit ihnen trainiere. Ich fühle über die Zügel, ob sie angespannt sind oder ob sie ausdrucksstark sind und angeben wollen." Bildrechte: imago images/Stefan Lafrentz
Boyd Exell
Boyd Exell ist fünffacher Weltmeister und achtfacher Weltcup-Sieger. Das kommt bei dem "Champion of Champions" nicht von ungefähr. Aus dem Fahrsport ist der Australier nicht wegzudenken. Schon als Sechsjähriger war er von Pferden fasziniert.  Über das gegenseitige Vertrauen mit den Tieren sagte er: "Ich habe eine Verbindung zu den Pferden, wenn ich mit ihnen trainiere. Ich fühle über die Zügel, ob sie angespannt sind oder ob sie ausdrucksstark sind und angeben wollen." Bildrechte: imago images/Stefan Lafrentz
Ijsbrand Chardon mit seinem Vierspänner.
Exells ärgste Konkurrenten sind drei Fahrer aus den Niederlanden. Ijsbrand Chardon holte Einzel-Gold bei den Weltreiterspielen 2002 und gewann die FEI-Weltcups 2005 und 2006. Die Pferden Feles, Casper Kendi und Maestoso XLV-7 bilden ein durchaus konkurrenzfähiges Quartett. Bildrechte: imago/Stefan Lafrentz
Bram Chardon mit seinem Vierspänner
Bram Chardon schickt hingegen die Wallache Dreef Kapitany, Dreef Inca und Favory XXXI mit Stute Favory Farao vor seiner Kutsche ins Rennen. Mit Dreien davon ist er in dieser Saison neu am Start. Mit Platz zwei glänzte Chardon in Budapest. Nach Platz acht vor einem Jahr hat er in Leipzig noch einiges gutzumachen. Bildrechte: imago images/Stefan Lafrentz
Koos de Ronde mit seinem Vierspänner
Koos de Ronde setzt zur aktuellen Weltcup-Saison nicht mehr auf Wallach Ikar, stattdessen ist Wallach Siglavy Capriola dabei. In Stockholm und London fuhr der 43-Jährige Ende 2019 zweimal auf den zweiten Rang. Das Fahren eines Vierspänners auf Niederländisch heißt übrigens „Vierspanrijden“. Bildrechte: imago images / Rene Schulz
József Dobrovitz mit seinem Vierspänner
Der Ungar József Dobrovitz bildet in Vecsés Pferde für den Fahrsport aus. Starke Vierbeiner verkaufte er schon an Topstars wie Boyd Exell und IJsbrand Chardon. Unterstützung erhält Dobrovitz von seinen Neffen Mark und Kristóf Osztertág. Bildrechte: IMAGO/Stefan Lafrentz
Glenn Geerts
Glenn Geerts bekam im Alter von sechs Jahren sein erstes Pony. Zunächst fuhr der Belgier auch mit Ponys. Erst 2010 stieg er auf große Pferde um. Seine Leidenschaft für das Fahren von Kutschen stammt von seinem Großvater Achille Snoeys. Als dieser seine Karriere beendet hatte, entschloss er sich diesen Sport intensiver zu betreiben. Bildrechte: imago/Stefan Lafrentz
Wertungsprüfung für den FEI Driving World Cup
Chester Weber war in dieser Saison vor allem in Stuttgart gut drauf. Der Mann aus Florida schrieb 2008 Geschichte, als er als erster US-Amerikaner eine Silbermedaille bei den FEI-Weltmeisterschaften der Vierspänner im Einzel gewann. Mehrfach siegte er bei der Royal Windsor Horse Show, wo ihm Königin Elizabeth II gratulierte. Bildrechte: imago images/Stefan Lafrentz
Zeit-Hindernisfahren für Vierspänner
Benjamin Aillaud betreibt im Süden Frankreichs seine Internationale Pferdeakademie. Seit einem Jahr ist er nun auch offiziell Trainer der französischen Jugendfahrer. Seine Leidenschaft für den Reitsport begann, als er sich als Sechsjähriger von seinem Taschengeld ein Pferd kaufte. Bildrechte: imago images/Stefan Lafrentz
Georg von Stein German Masters 2018
Georg von Stein ist der einzige deutsche Starter in Leipzig. Über die Auswahl seines Vierspänners sagte er dem MDR: "Wir suchen kleinere, kompaktere, gut galoppierende Pferde. Die Pferde laufen auf eine Bande zu, das gibt es Outdoor nicht. In der Halle trainieren wir das kontinuierlich, genauso wie einen schnellen Antritt aus einer Wendung heraus." Bildrechte: imago images / Stefan Lafrentz
Alle (9) Bilder anzeigen