Historie Vor 25 Jahren - Jens Weißflog holt vierten Sieg bei der Vierschanzentournee

Was den deutschen Skiadlern seit 2002 nicht gelingt, schaffte der "Floh vom Fichtelberg" vier Mal: Jens Weißflog. Heute vor 25 Jahren feierte er den letzten großen Triumph. Heute kämpft der 56-Jährige an anderen Fronten.

Jens Weißflog weiß, wie es sich anfühlt, die Vierschanzentournee zu gewinnen. Vier Mal holte sich der "Floh vom Fichtelberg" den Gesamtsieg der prestigeträchtigen Veranstaltung, der letzte Sieg liegt genau 25 Jahre zurück. Dass seine Nachfolger nach dem Sieg von Sven Hannawald 2002 die Tour nicht mehr gewinnen konnten, ist für den 56-Jährigen schwer erklärbar: "Da liegt irgendwie momentan ein Fluch drauf", meint Weißflog und sagt mit einem Lachen: "Wir wären eigentlich dran." Doch nach dem Springen auf dem Bergisel in Innsbruck sind die Chancen für Karl Geiger und Markus Eisenbichler auch in diesem Jahr eigentlich wieder dahin.

Jens Weißflog - der "Floh vom Fichtelberg"

Jens Weissflog (DDR) jubelt 1984 als Sieger in Garmisch Partenkirchen auf dem Treppchen.
1984 war der große Durchbruch von Jens Weißflog. Er gewann die Vierschanzentournee (hier beim Neujahresspringen in Garmisch-Partenkirchen) und später bei den Olympischen Spielen in Sarajevo Gold und Silber. Bildrechte: imago images / WEREK
Jens Weissflog (DDR) jubelt 1984 als Sieger in Garmisch Partenkirchen auf dem Treppchen.
1984 war der große Durchbruch von Jens Weißflog. Er gewann die Vierschanzentournee (hier beim Neujahresspringen in Garmisch-Partenkirchen) und später bei den Olympischen Spielen in Sarajevo Gold und Silber. Bildrechte: imago images / WEREK
Jens Weißflog, 1985
1985 wiederholte Weißflog seinen Erfolg auf den vier Schanzen. Nach dem Sieg beim Neujahrsspringen reichte es am Ende knapp vor dem finnischen Dauerrivalen Matti Nykänen. Bildrechte: imago/WEREK
Jens Weißflog, 1991
Was für ein Nervendrama 1990/91: Nach zwei Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen wurde es zum Abschluss der Tour doch noch eng. Andreas Felder aus Österreich siegte, Weißflog wurde nur Zehnter, behauptete aber einen 14-Punkte-Vorsprung. Bildrechte: imago images / WEREK
Olympiasieger 1994 Jens Weißflog (Deutschland) genießt die Siegerehrung.
Was für ein Triumph: zehn Jahre nach dem Sieg bei den Olympischen Spielen in Sarajevo gelingt Jens Weißflog das Kunststück, mit dem neuen V-Stil auch bei den Spielen in Lillehammer Gold im Einzel und mit dem Team zu gewinnen. Bildrechte: imago images / Sven Simon
Jens Weißflog, 2020
Heute ist Jens Weißflog Geschäftsmann, führt ein Hotel und Restaurant und kämpft seit Corona auch mit den finanziellen Folgen. Bildrechte: imago images / Bernd März
Jens Weissflog (DDR) jubelt bei der Vierschanzentournee 1995/1996 in Oberstdorf.
Zum Abschluss einer großen Karriere zeigte es Jens Weißflog in der Saison 1995/96 noch einmal allen. Bei der Vierschanzentournee holte der Sachse bei allen vier Springen Podestplätze, krönte seine Leistung mit dem überlegen Sieg in Bischofshofen. Bildrechte: imago images / WEREK
Thea Minyan Björseth, Marita Kramer, Lara Malsiner mit Jens Weißflog
Weißflog lebt und arbeitet immer noch in Oberwiesenthal - und ist sehr heimatverbunden. Bei der Junioren-WM im März 2020 war er Schirmherr - hier gratuliert Weißflog (re.) den Skisprung-Medaillengewinnerinnen der JWM, Thea Minyan Björseth, Marita Kramer, Lara Malsiner (v.l.n.r.). Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
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"Vier Gesamtsiege heute kaum zu schaffen"

Weißflog aber ist und bleibt ein Phänomen auf der Schanze. Was der Oberwiesenthaler in seiner aktiven Zeit schaffte, ist unerreicht. In zwei Stilrichtungen, im Parallel- und V-Stil, feierte er große Erfolge. Wurde Olympiasieger 1984 in Sarajevo und zehn Jahre später noch einmal mit der neuen Skisprungtechnik in Lillehammer. Die vier Erfolge bei der Vierschanzentournee (1984, 1985, 1991 und 1996) seien aber heute kaum noch vorstellbar. "Es wird schwer, dass nochmal jemand viermal die Tournee gewinnt“, sagt er. "Es gibt keinen alleinigen Dominator mehr." Der Sport entwickelt sich rasant weiter.

Hotel und Restaurant stehen still

Die Gegenwart für Weißflog heißt seit Jahren nicht mehr die Skisprungschanze, sondern sein Hotel und Restaurant in Oberwiesenthal. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Springern hat sich Weißflog gegen eine Trainerkarriere entschieden. "Er lebt das Skispringen in seinem Hotel", sagte sein früherer Teamkollege Dieter Thoma einmal. Doch seit dem 2. November stehen dort auch die Räder still. "Dezember, Januar und Februar, auch der März: Das ist die Zeit für uns", sagt der dreimalige Olympiasieger. "Das ist, wie wenn an der Ostsee an den Seebädern der komplette Sommer wegfallen würde." Man werde den Lockdown überleben, aber nicht ohne Kredite.

Jens Weißflog
Jens Weißflog an der Rezeption seines Hotels Bildrechte: imago images / Picture Point

Corona-Lob an die Skispringer

Jammern will er deshalb nicht. Und lobt die Skispringer für die Einhaltung der Hygienvorschriften während der Tour. "Die Springer gehen oben bis an den Balken ran mit einer Maske. Sie gehen unten aus dem Gate raus und kriegen eine Maske gereicht. Da sieht man, dass man dort willens ist, vieles so zu machen, wie es zurzeit sein muss."

 red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR+ | "SpiO"-Talk | 06. Januar 2021 | 12:00 Uhr

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