Doping-Razzia Vorwurf Blutdoping - der Erfurter Arzt Mark S. ist kein unbeschriebenes Blatt

Im Rahmen der Operation "Aderlass" haben Zollbeamte am Mittwoch den Erfurter Sportarzt Mark S. abgeführt. Der einstige Mannschaftsarzt aus dem Radsport ist in Dopingkreisen kein Unbekannter. Er wurde schon mehrfach belastet. Am Donnerstag (28.02.2019) ist ein Haftbefehl erlassen worden. Der Arzt werde nach einem Termin beim Ermittlungsrichter in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, sagte ein Sprecher des Erfurter Amtsgerichtes.

Ein Mann in gelbem T-Shirt vor einem Computer
Bildrechte: dpa

Als Arzt arbeitete der heute 40-jährige S. nach der Jahrtausendwende für das Radsport-Team Gerolsteiner. Dies bestand von 1997 bis 2008 und war nach dem Team Telekom so etwas wie die zweite deutsche Kraft im Radsport. Wie das Team Telekom, das zum Zeitpunkt des Abschieds als "Team T-Mobile" firmierte, löste sich auch Gerolsteiner nach mehreren Dopingfällen auf.

  • Sprinter Danilo Hondo (Cottbus) wurde nach einer Dopingkontrolle 2005 für zwei Jahre gesperrt.

  • Bergspezialist Hannes Hempel (Österreich) wurde 2009 positiv getestet und rückwirkend ab 2008 für vier Jahre gesperrt. Die Sperre wurde um vier Monate verkürzt, weil er mit den Behörden kooperierte.

  • Bergfahrer Bernhard Kohl (Österreich) wurde nach Doping im Jahr 2008 für zwei Jahre gesperrt. 2009 trat der 27-Jährige vom Radsport zurück und gab zu, seit dem 20. Lebensjahr gedopt zu haben. Er wolle nicht wieder Teil eines Dopingsystems sein.

Kohl und Schumacher belasteten S.

Kronzeuge Kohl belastete S. 2009. Nachdem er positiv auf ein Epo-Mittel getestet worden war, räumte er auch Blutdoping ein. Er beschuldigte S., dass dieser in Blutdoping-Praktiken involviert gewesen sei. Der Thüringer konterte, dass er nie gegen Dopingregeln verstoßen hätte. Vier Jahre später belastete der frühere Gerolsteiner-Fahrer Stefan Schumacher dann S. vor dem Landgericht Stuttgart. Schumacher bezichtigte ihn und Ernst J., sie hätten ihm beim Dopen geholfen. Ernst J. kommt aus der Freiburger Sportmedizin, die auch bei Telekom schon eine maßgebliche Rolle gespielt hatte. S. bestätigte aber nur die Einnahme des bekannten Potenzmittels Viagra. Dies sei aber gängig, da es die Atmung verbessere.

Bernhard Kohl
Bernhard Kohl stand 2008 bei einer Etappe der Tour de France auf dem Podium. Bildrechte: imago/Belga

Regelmäßig betreute der Erfurter Mark S. Athleten. Der Landessportbund Thüringen listete seine Praxis, die er zusammen mit seiner Mutter, einer ehemaligen Leistungsschwimmerin, führt, als "lizenzierte sportmedizinische Untersuchungsstelle" auf. Das ist eine von Steuergeldern finanzierte Anlaufstelle für Sportler. Diese Lizenz wurde dem 40-Jährigen am Donnerstag entzogen.

Das Haus des im Rahmen einer Dopingermittlung verdächtigen Arztes in Erfurt.
Die Praxis von Mark. S. Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach

Zudem zitierte ihn das Deutsche Ärzteblatt im Juli 2016: "Wir betreuen hier etwa 50 bis 60 Sportler regelmäßig: vor allem Schwimmer, Radsportler, Fußballer, Handballer und Leichtathleten." S. war in seiner Jugend alpiner Skifahrer und besuchte die Erfurter Sportschule. Er studierte ab 1996 in Gießen Medizin und promovierte in der Leistungsdiagnostik. Mark S. gehörte zu den ersten Stipendiaten der "Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen".

Entzug der Approbation droht

Nach der Festnahme des Arztes in Erfurt droht dem Mediziner neben strafrechtlichen Konsequenzen auch ein berufsrechtliches Verfahren durch die Landesärztekammer Thüringen."Sollten sich die Vorwürfe gegen den Arzt bestätigen, wird die Kammer mit aller Härte vorgehen", sagte eine Kammersprecherin am Donnerstag. Das könne für den Arzt den Verlust der ärztlichen Zulassung (Approbation) bedeuten. Die Sprecherin erklärte: "Wir sind sehr betroffen über das, was bekannt geworden ist."

mkö/cke/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 28. Februar 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 16:55 Uhr

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15 Kommentare

01.03.2019 12:30 Erfurter 15

Jetzt ist die Entrüstung wieder groß und Dopingsünder diese Bösen.
Es gibt überhaupt garkein echtes Interesse Doping so zu bekämpfen, dass es einen "sauberen" Sport gibt.
Die Sportler haben daran kein Interesse, die Funktionäre haben daran kein Interesse, die Medien haben daran kein Interesse und die Milliardenschwere Medikamenten-Industrie hat daran erstrecht kein Interesse. Jetzt hat man wieder einen Buhmann gefunden, den man öffentlichkeitswirksam aburteilen kann...bis Hajo Seppelt wieder ne neue Sau gefunden hat, die er durchs Dorf treiben kann

01.03.2019 12:28 kleinerfrontkämpfer 14

Was solls? Doitschland ist nicht das Land der Glückseeligen. Da wird genauso gepokert und getrixt wie auf der ganzen bunten Welt.

01.03.2019 12:10 insider 13

Verstehe den Hype nicht. Warum wird wohl gedopt. Aus dem gleichen Grund warum Journalisten unwahre Artikel schreiben. Für Preise , Geld und Anerkennung.
@6 hat es zu 100% getroffen. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Einfach mal Jochen Spilker und Doping bei google eingeben und man wird überrascht sein.

01.03.2019 10:40 Erzgebirge 12

Die armen Dopingsünder, gebranntmarkt mit Hohn, Spott und Verachtung gestraft. Hier wird jetzt nach lebenslangen Sperren, für die Sünder gerufen und Höchststrafen gefordert. Hätten Sie doch einfach mehr trainiert, diese mir völlig unbekannten „Stars“. Sie waren wohl chancenlos gegen die sauberen Sportler, die inzwischen alle Rekorde im Alter von 21 knacken und ständig auf dem Treppchen stehen. Vielleicht dopen die deutschen Langläufer wirklich nicht, deshalb haben wir jedes Jahr einen neuen Bundestrainer( wegen Erfolglosigkeit gefeuert)und erfreuen uns an Platz 30. Ulles zweite Plätze waren ja auch irgendwie Scheiße. Schönes Wochenende und treibt einfach selbst Freizeitsport. Glück Auf

01.03.2019 09:43 Uwe H 11

Der Kommentar von superalf deckt sich mit meiner Meinung zu 100 Prozent. Warum dopen die erfolglosen Sportler wenn sie gegen saubere sowieso keine Chance haben. Wer das glaubt ist für mein Geschmack sehr naiv. Es geht um viel Geld da ist der Mensch egal. Ob die mit 15 oder 25 kmh den Berg hochfahren ist mir egal, doch wie im wahren Leben es muss immer extremer werden. Eigentlich traurig.

28.02.2019 22:55 superalf1111 10

Die Fans des sauberen Sports sind empört und heucheln hier umher, dass einem schlecht wird. Die jetzt erwischten Sportler und Helfer sind dabei nur die kleinen, dümmeren Fische. Keiner von ihnen hat bisher Titel gewonnen. Das wirft doch Fragen auf: Was nehmen die Erstplatzierten oder sollte es ihnen tatsächlich gelingen, dopingfrei erfolgreich zu sein. Wohl kaum. Sie verfügen über professionelle und finanzstarke Unterstützung, um weiterhin erfolgreich zu sein. Erfolgreich, auch dabei, ihr Dopen zu verschleiern.

28.02.2019 21:20 martin 9

@7 wo: Zutreffend beschrieben.

28.02.2019 21:02 Max W. 8

("Sollten sich die Vorwürfe gegen den Arzt bestätigen, wird die Kammer mit aller Härte vorgehen", sagte eine Kammersprecherin am Donnerstag.)

Davon sind wir alle zutiefst überzeugt!
Könnte es denn im uns bekannten Teil des Universums eine unbestechlichere Instanz geben, als eine deutsche Ärztekammer?

Ja, könnte es - und zwar im Dutzend.
Dottore Mark S. praktiziert ja schon eine ganze Weile und solange der Staatsanwalt sich nicht dafür interessiert hat war die Kammer natürlich anhungslos. Wie eigentlich jedesmal und auch im Fall der Sportmedizin Freiburg, die uns Ulle "betreut" hat - in Form zweiter medizinischer Experten, die über den Klee gelobt wurden und sich vor Drittmitteln nicht zu retten wussten. Nicht wahr.

28.02.2019 20:55 Wo ist das Lobbyregister? 7

@28.02.2019 17:20 Mike

(Wir wollen einen sauberen Sport.)

Wer immer "wir" ist: Dann wollen "wir" garkeinen Profisport - es gibt nämlich keinen "sauberen". Und es gab ihn auch noch nie. Nicht mal im Ansatz. Profisport und/oder "politischer Sport" verzeichnen den Betrug als Wesensmerkmal - denn ohne Sieg kein Geschäft und kein politisches Prestige. So sieht's aus und kein Jota anders. Nirgends. Selbst im Golf"sport" schlucken Spieler Beta-Blocker, um das Loch nicht zu verfehlen. Denn ohne "Markterfolg" ist alles nichts. Mark S. ist nur der Dealer - der Markt für den Stoff entsteht anderswo. Z. B. bei ihnen und ihren Erwartungen. Man nennt das ein rückkoppelndes System.

28.02.2019 20:52 Michael 6

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Sportler haben nur eine kurze Zeit und Geld zu verdienen. Und nur die Besten bekommen Anerkennung.
Das macht doch jeder von uns auch. Fast jeder hat dich schon Medikamente genommen und seinen Job ausüben zu können. Ist das kein Doping? Oder die Eltern, die nervösen Kindern vor einer Klassenarbeit eine Tablette geben. Da regt sich keiner drüber auf. Lasst die Sportler machen und gut. Allerdings würde ich sie ein Leben lang aus allen Krankenkassen ausschließen, damit sie nicht die Allgemeinheit belasten.

Blutdoping

Blutdoping

Beim Eigenblutdoping wird mit Transfusionen kurz vor einem Wettbewerb die Fähigkeit des Blutes zur Aufnahme von Sauerstoff erhöht. Beim Athleten steigt die Ausdauerleistung. Die Methode ist seit 1988 verboten. In Innsbruck berichteten österreichische Ermittler man gehe davon aus, das Netzwerk sei seit Jahren aktiv. Die Nutznießer des Systems seien Sportler aus Österreich, Kasachstan, Estland und wahrscheinlich weiteren Ländern.