Olympia
Bildrechte: imago/Sven Simon

Olympische Winter-Spiele 2030 Zurückhaltende Reaktionen auf Olympia-Vorstoß - Ramelow denkt an Scherz

Eher defensiv haben Sportfunktionäre auf den Vorstoß reagiert, die Winterspiele 2030 nach Thüringen und Sachsen zu holen. Wir haben Stimmen vom DOSB, aus Sachsen, Thüringen und von einem Wintersportverband gesammelt.

Olympia
Bildrechte: imago/Sven Simon

DOSB-Präsident Hörmann: Prüfen das Konzept

Alfons Hörmann hat als Präsident der Deutschen Olympischen Sportbundes die private Olympia-Idee von Winterspielen 2030 in Deutschland begrüßt, aber auch zur Besonnenheit gemahnt.

Alfons Hörmann, Praäsident des DOSB
Bildrechte: imago/Camera 4

"Grundsätzlich ist es erfreulich wenn traditionsreiche Sportorte Deutschlands Interesse an der Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen bekunden und auch die Voraussetzungen dafür schaffen", teilte Hörmann am Dienstag mit: "Doch der Weg zu einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung führt in eine völlig andere Dimension der Anforderungen. Seitens des DOSB werden wir aber auch dieses mögliche Konzept zu gegebener Zeit gerne sachgerecht prüfen und bewerten ob es ein chancenreiches sein kann." Die Thüringer Initatoren hoffen darauf, ihre Idee auf der Mitgliederversammlung des DOSB am 7. Dezember vorstellen zu dürfen.

Thüringens Ministerpräsident Ramelow: Ist der 1. April?

Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee: Thüringen kann nicht der Hauptort sein

Er ist eine Art "alter Hase" in Sachen Olympia-Bewerbung: Wolfgang Tiefensee. Der SPD-Politiker stand einst als Oberbürgermeister von Leipzig in der ersten Reihe, als sich die Messestadt von 2002 bis 2004 um die Austragung von Sommer-Olympia 2012 bemühte. Der heutige Wirtschaftsminister von Thüringen sagte dem MDR: "Ich habe das heute in der Zeitung gelesen. Bisher war die Landesregierung nicht eingebunden. Über gute Initiativen sollte man schon gründlich nachdenken, aber wir sind offenbar ganz am Anfang eines sehr, sehr langen Weges. Es ist wohl klar, dass Thüringen nicht Hauptaustragungsort sein kann, sondern nur für einige, wenige Sportarten zur Verfügung steht. Es braucht einen starken Partner. Wer soll das sein? Kommt der aus Bayern? Fühlt man sich dort in der Lage, eine Bewerbung in Angriff zu nehmen? Das ist der entscheidende Punkt: Gibt es jemanden, der Haupt-Austragungsort sein kann und an den sich Thüringen anschließen kann?"

LSB Thüringen: Gesamtdeutsche Angelegenheit

Stefan Hügel (Präsident des Landessportbundes Thüringen) sagte dem MDR: "Wir freuen uns auf die Austragung der Doppel-Weltmeisterschaften 2023 im Biathlon und Rennrodeln in Oberhof, die auch dank des Engagements der Thüringer Landesregierung möglich geworden sind. Solche Großereignisse im Freistaat sind ist eine große Chance für den Sport. Nicht nur für den Spitzensport, wir glauben fest daran, dass auch Impulse für den Sport in den Schulen, für Belange des Kinder- und Jugendsports in den Vereinen, für den Behindertensport, insgesamt für den Stellenwert des organisierten Sports ausgehen werden.

Prof. Dr. Stefan Hügel, Präsident Landessportbund (LSB) Thüringen.
Bildrechte: imago/foto2press

Die Bewertung der Chancen einer möglichen erfolgreichen Olympia-Bewerbung ist eine gesamtdeutsche und nicht allein eine Thüringer Angelegenheit. Insofern stimmen wir mit dem DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann überein, der eine solche Initiative begrüßt hat, aber die Erfolgschancen einer möglichen Olympia-Bewerbung von Bayern, Sachsen und Thüringen zu gegebener Zeit prüfen möchte."

LSB Sachsen: Keine Kenntnis von den Plänen

Der Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen, Christian Dahms, sagte dem MDR: "Da sich die Initiatoren im Vorfeld nicht mit uns in Verbindung gesetzt haben, hatten wir bisher keine Kenntnis von den Plänen. Daher sind wir momentan nur begrenzt auskunftsfähig und müssen uns erst damit vertraut machen, was im Detail geplant ist. Grundsätzlich sind wir stolz auf die traditionsreiche und vielfältige mitteldeutsche Sportlandschaft! Ob eine Olympia-Bewerbung erfolgreich sein kann, wird vom DOSB geprüft werden."

Christian Dahms,Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen.
Bildrechte: LSB Sachsen

Ex-Bundestrainer Frank Ullrich: Werden perfekte Gastgeber sein

Frank Ullrich, einst Langlauf- und Biathlon-Bundestrainer, glaubt an einen erfolgreichen Olympia-Auftritt 2030: "Der Wintersport hat in Thüringen und Sachsen eine lange Tradition und ich bin sicher, dass wir uns hier, an jenen Orten, die auf der Welt großes Ansehen genießen und die zurecht als Wiege großer sportlicher Erfolge gelten, als perfekte, faire und freundliche Gastgeber präsentieren werden."

Frank Ullrich
Bildrechte: MDR/Frank Ullrich

Sportminister Holter: Zweiter Schritt nicht vor dem ersten

Thüringens Sportminister Helmut Holter (Linke) hat beim Vorschlag für eine mögliche Olympia-Bewerbung vor Schnellschüssen gewarnt. Oberhof und Thüringen seien stolz auf die Austragung Doppel-WM im Biathlon und Rennrodeln im Jahr 2023, erklärte Holter am Dienstag. Der Wunsch, Gastgeber für weitere sportliche Großereignisse zu sein, sei verständlich. "Bei aller Euphorie sollten wir den zweiten Schritt nicht vor dem ersten gehen", erklärte Holter. Dies hätten die Bürgerentscheide über mögliche Olympiabewerbungen in Hamburg und München gezeigt.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Kommission Zukunft Schule steht Helmut Holter (Die Linke) am 21.06.2017 in der Staatskanzlei in Erfurt (Thüringen) vor Thüringens Landesfahne.
Sportminister Helmut Holter Bildrechte: dpa

Holter wies darauf hin, dass sich die Sportministerkonferenz Anfang November darauf verständigt habe, "dass Bund und Länder - gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Kommunalen Spitzenverbänden - Deutschland zu einem international bedeutsamen Standort für herausragende und nachhaltige Sportgroßveranstaltungen ausbauen und weiterentwickeln wollen." Der Minister nannte eine breite gesellschaftliche Debatte als grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche deutsche Olympiabewerbung.

Bob-Chef Schwab: Kann sich nicht jeder bewerben

Die private Initiative zu möglichen Winterspielen 2030 in Deutschland hat die Verbände kalt erwischt. "Dieser Vorstoß ist weder mit den Wintersportverbänden noch mit dem DOSB abgestimmt. Ich höre davon zum ersten Mal. Es kann nicht sein, dass sich jeder, wie er will, für Olympia bewirbt", sagte Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands Deutschland (BSD) der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Einer der Initiatoren schickte die Pläne bereits an das IOC. Die offizielle Bewerbungsfrist für die Spiele hat noch nicht begonnen.

Thomas Schwab (Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands Deutschland/Vizepräsident Internationaler Rodelverband)
Thomas Schwab (Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands Deutschland/Vizepräsident Internationaler Rodelverband) Bildrechte: imago images / Camera 4

SC Garmisch: Das ist lächerlich

Auch in Bayern sollen laut Plan Events stattfinden: die alpinen Skirennen in Garmisch-Partenkirchen und Eishockey-Spiele in Nürnberg. In beiden Städten aber wusste man nichts von dem Vorstoß. "Das ist doch lächerlich", sagte Vorstand Peter Fischer vom SC Garmisch, der für die Weltcupstrecken im Olympia-Ort von 1936 zuständig ist. Der Verein habe um kurz nach Mitternacht und damit etwa zeitgleich mit der Veröffentlichung im Internet eine E-Mail von Initiator Mike Helios erhalten. "Das ist doch aus der Hüfte geschossen. Mit uns hat keiner Rücksprache gehalten", berichtete Fischer. Auch die Verantwortlichen der Nürnberger Mehrzweckarena wurden nicht kontaktiert, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte.

Felix Neureuther
Ski alpin, hier der zurückgetretene Felix Neureuther, soll im bayrischen Garmisch-Partenkirchen stattfinden. Bildrechte: IMAGO

dpa/sid/red/cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. November 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 15:53 Uhr

9 Kommentare

part vor 3 Wochen

Was hat Thüringen schon zu bieten als ein Biathlon- Gelände, eine unterdurchschnittliche Rennrodelbahn und eine zu kleine Eissporthalle. Nebenher wäre das Bundesland in die Pflicht genommen diesen Spaß aus zu wenig Bundesmitteln dem Thüringer Steuerzahler aufzubürden. Ramelow hat Recht und dann haben wir ja schon die BUGA in Erfurt, ich denke das reicht fürs Erste.

MDR-Team vor 3 Wochen

Lieber MaP,
über die Zulassung von Kommentaren entscheidet jede Redaktion eigenständig. Das Prüfen der eingegangenen Kommentare und die Moderation unserer Kommentarspalten ist allerdings sehr arbeitsintensiv, deshalb können wir eine Kommentierung aller Artikel auf MDR.DE angesichts der Masse an Kommentaren, die uns erreichen, unmöglich leisten. Leider auch, weil uns einige Menschen im Schutz der Anonymität als Plattform für Hass und Hetze nutzen wollen. Das lassen wir nicht zu und entfernen konsequent alle Kommentare, die gegen unsere Netiquette (https://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) verstoßen. Wir konzentrieren uns auf die Themen, bei denen wir eine Diskussion für sinnvoll halten. Es bleiben Artikel für die Kommentierung geschlossen, bei denen erfahrungsgemäß ein Großteil der Kommentare diskriminierend, menschenverachtend oder gewaltverherrlichend bzw. verfassungs- und presserechtlich bedenkliche sind.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion

lausbub vor 3 Wochen

Wenn ernsthaft eine Bewerbung um die Olympischen Spiele erwogen werden sollte, wird es sicherlich wieder einen Volksentscheid darüber geben. Dann sollten aber bitte alle wahlberechtigten Bundesbürger darüber abstimmen dürfen. Über eine Bewerbung Hamburgs durften 2015 nur die Einwohner der beiden Hansestädte Hamburg und Kiel abstimmen, obwohl die Kosten zu mehr als 60 Prozent aus dem Bundeshaushalt finanziert werden sollten.