Basketball | Bundesliga BBL-Schiedsrichter Steve Bittner: Finalturnier "eine gelungene Weltpremiere"

Am Sonntag fand der Schlusspunkt einer Weltpremiere statt. Ohne Zuschauer und unter strengen Hygieneregeln kürte sich Alba Berlin zum deutschen Basketball-Meister der Saison 2019/20. Das dreiwöchige Finalturnier in München war jedoch nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Unparteiischen eine völlig neue Erfahrung. Wir sprachen mit Steve Bittner, der das Finale als Schiedsrichter begleitete.

Basketball Schiedsrichter Steve Bittner
Basketball-Schiedsrichter Steve Bittner (li.) beim BBL-Finalturnier mit Alba-Berlin-Trainer Aito Garcia Reneses (re.). Bildrechte: imago images/BBL-Foto

Ein Hotel, eine Sporthalle, 250 Menschen und 35 Spiele. Unter noch nie dagewesenen Bedingungen hat die deutsche Basketball-Liga (BBL) ihre Saison in Form eines Meisterschafts-Turniers beendet. Ein bislang einmaliges Experiment: Spieler, Betreuer und Schiedsrichter lebten drei Wochen lang dicht an dicht in einem Münchner Hotel, nahe des Olympiaparks, zusammen.

Gute Stimmung und ein harmonisches Verhältnis

Hautnah dabei war auch Steve Bittner. Als einer von elf Schiedsrichtern war er für die Regeldurchsetzung während des Turniers zuständig. "Eine abgefahrene Situation", erzählte er im Gespräch mit dem MDR. Trotz der strengen Auflagen sowie der stetigen Sorge ein einziger positiver Corona-Test könne das gesamte Konzept zum Einsturz bringen, war die Stimmung durchweg positiv. "Alles ist sehr freundschaftlich abgelaufen. Es war eine Ausnahmesituation, da Spieler, Trainer und Schiedsrichter die ganze Zeit beisammen waren. Dadurch hat man ein ganz anderes Verhältnis zueinander aufgebaut."

Ob beim Frühstück am Morgen oder während des Buffetts am Abend – die einmalige Situation ermöglichte einen völlig neuen und vor allem "konstruktiven" Austausch zwischen Spielern und Unparteiischen. "Ich war wirklich überrascht. Auch wenn während der Spiele nichts Großartiges vorgefallen ist, worüber sich die Spieler im Hotel hätten aufregen können, war es ein sehr harmonisches Verhältnis zwischen uns Schiedsrichtern, den Spielern und den Trainern. Trotz der Professionalität auf dem Feld."

Weniger Druck durch fehlende Zuschauer

Ungewohnt gestaltete sich natürlich auch die Situation auf dem Parkett, Fans waren schließlich nicht mit von der Partie. "Man geht als Schiedsrichter schon entspannter in die Halle", hob Bittner den Unterschied hervor: "Unter der Saison gibt es Standorte, die einem Hexenkessel gleichen. Daher war auch weniger Druck da. Das war ein Vorteil, da man sich mehr auf seine Arbeit konzentrieren konnte und nicht so viel ausblenden musste." Für ausreichend Stimmung sorgten zudem die Bankspieler, erklärte der 29-Jährige.

Der gebürtige Zwickauer war vom ersten bis zum letzten Tag dabei, pfiff unter anderem auch das Finale zwischen Alba Berlin und Ludwigsburg. Sein Fazit nach drei Wochen: "Eine gelungene Weltpremiere. Es gab keine Zwischenfälle und alle Ausnahmesituationen wurden gemeistert. Die Betreuung vor Ort war super. Auch sportlich war es sehenswert und auf einem hohen Niveau. Es war insgesamt wichtig, dass man die Sportart Basketball gut verkauft hat. Da haben wir als Schiedsrichter natürlich auch unseren Teil dazu beigetragen."

Basketball Schiedsrichter Steve Bittner
Immmer auf Ballhöhe: Steve Bittner beim BBL-Finalturnier. Bildrechte: imago images/BBL-Foto

"Die soziale Komponente ist extrem wichtig"

Bittner selbst erwarb bereits mit 15 Jahren die Schiedsrichter-Lizenz des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Mittlerweile pfeift er auch Partien im internationalen Wettbewerb. "Ein harter Weg mit vielen Stolpersteinen", so der studierte Politikwissenschaftler: "Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, Entscheidungen zu treffen. Natürlich muss man die Regeln kennen und körperlich fit sein, aber vor allem ist die soziale Komponente extrem wichtig. Kann man gut mit Spielern und Trainern umgehen und seine Ausstrahlung auf das Feld bringen? Ist man selbstkritisch und sozial intelligent?" All diese Komponenten helfen "auf dem Weg nach oben".

Der Job als Basketball-Schiedsrichter fühle sich manchmal an wie eine "Halbtagsstelle", erzählte Bittner lachend: "Je mehr Spiele man hat, umso höher ist der Aufwand. Man bereitet sich auf die Partien vor, hat weitere Anreisewege, Videoanalysen nach dem Spiel und muss sich fit halten." Der direkte Kontakt zu den Sportlern auf dem Parkett entschädigt letztlich aber für den Aufwand. "Wir sind immer nah dran am Geschehen und kommunizieren auf kurzen Distanzen. Der Respekt uns gegenüber ist groß – auch in niedrigeren Ligen."

Webinar-Reihe #RefEd informiert

Einen Einblick in die Tätigkeit ermöglicht beispielsweise auch die Webinar-Reihe #RefEd, die von den Landesverbänden Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern während der Corona-Pause initiiert wurde. Dabei berichten verschiedene Referenten, wie Bundesliga-Schiedsrichter, Nationaltrainer oder auch Sportpsychologen in interaktiven Webinaren über diverse Themen rund um das Schiedsrichterwesen. Die kostenlose Reihe läuft noch drei Wochen und erfreut sich größter Beliebtheit: "Wir hatten teilweise über 200 Webinar-Besucher. Die Anmeldungen kamen auch aus den Niederlanden, Österreich und Dänemark. So konnten wir die Corona-Zeit für Schiedsrichter gut überbrücken."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 11. Juni 2020 | 10:40 Uhr

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