Björn Harmsen
Björn Harmsen Bildrechte: IMAGO

Basketball | 1. Bundesliga Björn Harmsen geht ohne Angst in die neue Saison

Björn Harmsen, Trainer von Basketball-Bundesligist (BBL) Science City Jena, ist vor dem Saisonstart zuversichtlich. Seine Mannschaft fuhr in der letzten Saison das beste Ergebnis der Vereins-Geschichte in der BBL ein. Im Interview mit dem MDR warnt Harmsen jedoch auch vor einer gestiegenen Erwartungshaltung und verweist auf den verhältnismäßig geringen Etat seiner Mannschaft. Zudem äußert er sich über den Abgang mehrerer Leistungsträger sowie über den Druck seitens der BBL, den Etat zu erhöhen.

Björn Harmsen
Björn Harmsen Bildrechte: IMAGO

Frage: In wenigen Tagen geht es los: Wie groß ist die Vorfreude?

Björn Harmsen: "Eigentlich sehr groß. Insbesondere durch die lange Sommerpause. Nach drei bis vier Monaten ohne Spiel brennt man darauf, sich endlich wieder im Wettbewerb zu beweisen."

Die abgelaufene Saison beendete Jena im Niemandsland der Tabelle. Wie zufrieden waren Sie mit der letzten Saison

"Überaus zufrieden! Es war die erfolgreichste Saison von Science City Jena jemals. Wir haben frühzeitig den Klassenerhalt gesichert, haben attraktiven Basketball gezeigt und die Zuschauer begeistert. Für uns ist ein solcher Saisonabschluss wie die Meisterschaft. Das Heißt aber auch: Es ist umso schwieriger, die Erwartungen für die kommende Saison zu erfüllen. Wir haben uns die Messlatte durch die letzte Saison sehr hoch gesetzt. Man darf nicht vergessen, dass viele andere Klubs sich sehr verstärkt haben. Viele haben ihren Etat mit Hinblick auf die geforderten drei Millionen Euro Mindestetat seitens der Liga schon in dieser Spielzeit erhöht. Das hat sich auch bei der Zusammenstellung der Kader für diese Saison bemerkbar gemacht."

Was ist das Ziel für die kommende Saison?

"Der Klassenerhalt bleibt definitiv unser großes Ziel."

Mit Kyle Weaver verließ einer der Go-To-Guys das Team. Dafür kam Jamar Abrams aus Gießen, der sich aber in der Vorbereitung verletzte. Wie schwer wiegt sein Verlust?

"Neben Weaver haben wir mit Bowlin und Ugrai noch zwei weitere Starter verloren. Alle drei waren schon finanziell für uns nicht zu halten. Sie zu ersetzen wird sehr schwierig. Bei diesen Spielern hatten wir das Glück, dass einerseits von Seiten des Vereins sehr gut gescoutet wurde und die geholten Spieler andererseits eine sehr gute Entwicklung in Jena nehmen konnten. Mit Jamar Abrams haben wir einen sehr athletischen Spieler geholt, der Tag für Tag eine großartige Einstellung mitbringt. Leider fällt er die ersten Spiele noch aus, da er sich einen Kapselriss im Sprunggelenk zugezogen hat."

Wann können Sie wieder mit ihm rechnen?

"Er macht momentan lockeres Training, aber man muss ihm sicherlich noch zwei bis drei Wochen geben. Vom Charakter her ist er ein Typ, der unbedingt schnellstmöglich zurückkommen will und alles dafür gibt."

Kann ein gesunder Abrams einen Spieler wie Weaver ersetzen?

"Durch die Verletzung von Abrams haben wir durchaus noch Bedarf gesehen, uns zu verstärken. Deshalb haben wir mit Dru Joyce noch eine Verpflichtung gemacht."

Jamar Abrams
Jamar Abrams. Bildrechte: imago/Christoph Worsch

Mit Dru Joyce konnte ein BBL-Veteran für zwei Monate verpflichtet werden. Soll er nur kurzfristig helfen oder käme auch eine langfristige Beschäftigung in Frage?

"In unseren Überlegungen hat auf jeden Fall eine große Rolle gespielt, dass der potenzielle Neuzugang sich in kürzester Zeit schnell integrieren kann. Dru Joyce hat bei seinen Stationen in der BBL schon mit einigen Spielern von Jena zusammengespielt. Er kannte also viele der Jungs schon im Vorfeld und hat sich dadurch extrem schnell bei uns eingelebt. Diese Verpflichtung hat demnach in der Kurzfristigkeit für uns viel Sinn ergeben. Wenn Abrams zurück ist müssen wir allerdings schauen, dass wir nicht mit der Ausländerregel kollidieren, da man nicht mehr als sechs ausländische Spieler im Kader haben darf und wir mit Joyce dann sieben hätten. Davon abgesehen bleibt er für uns ein Spieler, der gut zu uns passt und sich bei uns wohlfühlt. Wir haben die Option, den Vertrag von Joyce auf ein Jahr auszudehnen und können somit flexibel schauen, ob eine Weiterbeschäftigung Sinn ergibt."

Die letzten vier Vorbereitungsspiele gingen allesamt verloren. Wie kann man diese Ergebnisse einordnen?

"Wir haben uns bewusst starke Gegner für die Vorbereitung gesucht. Einer der Gründe dafür war, dass wir in den letzten Vorbereitungen eher schwächere Gegner hatten und somit nicht genügend gefordert wurden, um uns auf die Physis und Intensität der Wettkampf-Spiele adäquat vorzubereiten. Außerdem konnten wir gerade die jungen Spieler in den Vorbereitungsspielen auf einem hohen Niveau fordern. Nicht zuletzt ist die Wertigkeit von Testspielen gegen starke Gegner eine ganz andere. Der Fokus ist in solchen Spielen höher und die Verletzungsgefahr somit niedriger. Dafür mussten wir auf der anderen Seite dann in Kauf nehmen, auch mal Spiele zu verlieren. Die Mannschaft kann diese Ergebnisse aber auch einordnen. Zur neuen Saison werden die Uhren wieder auf null gestellt und die Ergebnisse der Vorbereitungsspiele spielen dann keine Rolle mehr."

Jena hatte in der letzten Saison zu Hause eine positive Bilanz, aber auswärts war Sand im Getriebe. Woran liegt die Auswärtsblockade?

"Das Lustige ist, dass es vor zwei Jahren genau anders herum war und wir auswärts mehr geholt haben. Allerdings ist mir die Heimstärke etwas lieber, da man sich zu Hause das nötige Vertrauen abholen kann. In der letzten Saison haben wir wichtige Siege zu Hause geholt, die wir auch holen mussten. Eine Auswärtsreise anzutreten und im Hinterkopf zu haben, dort gewinnen zu müssen, halte ich für sehr viel schwieriger. Außerdem haben unsere Zuschauer mehr davon, wenn wir zu Hause gewinnen. (lacht)."

Im Auftaktspiel der neuen Saison geht es zum Vizemeister ALBA Berlin. Letzte Saison ging man dort mit 100:67 baden. Befürchten Sie ein ähnliches Szenario am kommenden Samstag?

"Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Wir müssen aufgrund diverser Ausfälle in der Vorbereitung erst einmal eine Einheit als Team bilden. Das sieht momentan sehr gut aus. Mit Blick auf das Spiel bei ALBA Berlin werden wir uns wie vor jedem Spiel einen Spielplan zu Recht legen. Je nach Spielverlauf werden wir an unserem Spiel etwas verändern, oder, wenn es gut läuft, versuchen diesen durchzudrücken. Wir gehen ohne Angst in das Spiel."

Oliver Mackeldanz (Jena, No.50) Niels Giffey (Alba Berlin, No.05) blockt Bogdan Radosavljevic (Alba Berlin, No.15) Julius Wolf (Jena, No.16).
Im letzten Jahr gab es für Jena in Berlin nichts zu gewinnen. (Archiv) Bildrechte: imago/Camera 4

ALBA hat das jüngste Team der Liga. Halten Sie die Berliner dennoch für einen Titelkandidaten?

"Definitiv. ALBA war letztes Jahr Vizemeister, haben in diesem Jahr nochmals in den Kader investiert und an der Seitenlinie mit Aíto García Reneses eine Legende. Außerdem haben viele junge Spieler von Berlin letzte Saison schon Erfahrung sammeln können, was die Mannschaft nochmals stärken wird."

Berlin erhöhte den Spieleretat zuletzt um 20 %. Haben kleinere Vereine wie Science City Jena bei solch finanziellen Möglichkeiten der Konkurrenten überhaupt noch eine realistische Chance, mit den „Großen“ mitzuhalten?

"Tabellarisch mit Mannschaften wie ALBA mitzuhalten ist für uns natürlich nicht möglich. Aber die Möglichkeit, mal einen Sieg bei den Großen mitzunehmen, ist in jedem Spiel aufs Neue da. Gerade zu Hause ist ein Sieg, mit dem niemand rechnet, natürlich besonders schön. Aber wir werden jetzt auch in Berlin befreit aufspielen können und am Ende mal schauen, was bei raus kommt."

Der finanzielle Aspekt rückt durch die Anforderungen seitens der Liga verstärkt in den Vordergrund. Ab Sommer 2019 ist ein Mindestetat von drei Millionen Euro vorgegeben. Kann Jena das Geld aufbringen?

"Es ist auf jeden Fall eine riesige Herausforderung für uns als Standort. Wir haben in den letzten Jahren riesige Schritte nach vorne gemacht. Natürlich sind Budgets in solcher Größe für kleinere Vereine wie uns recht schwierig aufzubringen. Wir werden aber nicht jammern und definitiv versuchen, diesen Anforderungen gerecht zu werden."

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Tim Skrezka.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 30. September 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2018, 21:20 Uhr

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