Alexander Reil
Alexander Reil Bildrechte: imago/Pressefoto Baumann

Basketball | Bundesliga Die Entwicklung des Basketballs steht über allem

Die beschlossene Erhöhung des Mindestetats in der Basketball-Bundesliga (BBL) wird kontrovers diskutiert. BBL-Präsident Alexander Reil verteidigt die Pläne gegenüber MDR.DE. Der Basketball soll langfristig Ballsportart Nummer 2 in Deutschland werden. Dafür müssten auch Opfer gebracht werden. Bei den mitteldeutschen Erstligisten fürchten die Verantwortlichen schwierige bis unlösbare Aufgaben. Die kritischsten Stimmen gegen das Vorhaben kommen aus Thüringen.

Alexander Reil
Alexander Reil Bildrechte: imago/Pressefoto Baumann

Das Ziel von BBL-Präsident Alexander Reil ist klar definiert: Das Produkt Basketball-Bundesliga muss fortentwickelt werden. Neben der Anerkennung in Deutschland geht es ihm dabei besonders um die Vormachtstellung in Europa. Vor ein paar Jahren wurde das ambitionierte Ziel der BBL formuliert, bis 2020 die stärkste Liga auf dem Kontinent zu sein. Dort sieht sich die Liga auf einem guten Weg. Auch die kleinen Vereine müssten dafür investieren. Ab der Saison 2019/20 steigt der Mindestetat der Erstligisten auf drei Millionen Euro. Dabei orientiert sich die BBL an den Standards in anderen europäischen Ligen.

Attraktivität gegenüber Sponsoren steigern

Diese Anhebung bezeichnet Reil als "ein Fortschreiten der Entwicklung über die gesamte Liga hinweg." Und da müssten die kleinen Klubs ihren Teil zur Entwicklung beitragen. Zwar nicht auf dem Niveau von Bayern oder Bamberg, aber sie dürften nicht stagnieren. Der Mindestetat der BBL ist im Laufe der Zeit stetig gestiegen. Nun folge eben der nächste Schritt, argumentiert Reil.

Dabei geht es natürlich auch um die Attraktivität gegenüber Sponsoren und anderen Partner. So wurde auf der Liga-Sitzung am vergangenen Montag auch die Zusammenarbeit mit der Telekom verlängert. Das Telekommunikationsunternehmen strahlt alle Spiele der Liga im Internet aus. "Wir wollten ja auch nicht weniger Geld haben, also muss man sein Auftreten entsprechend anpassen. Man muss den Sponsoren zeigen, dass man sich entwickelt", erklärt der studierte Betriebswirt.

Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir den Basketball weiter entwickeln können und welchen Beitrag jeder einzelne Standort oder Klub leisten muss, um bei den besten Teams in Deutschland dabei zu sein.

Alexander Reil (Präsident der BBL)

Reil nimmt Politik und Wirtschaft vor Ort in die Pflicht

Der Geschäftsführer von Science City Jena, Lars Eberlein, hatte gegenüber Sport im Osten erklärt, dass die Etaterhöhung "für alle drei Ostvereine ein herber Rückschlag ist". Dass wegen der Erhöhung im Basketball-Osten die Lichter ausgehen werden, so weit will Reil nicht gehen. "Ich glaube nicht, dass alle drei mitteldeutschen Vereine wegen dieses Kriteriums auf der Strecke bleiben werden." Wer sich anstrenge, werde auch weiter im Basketball-Oberhaus vertreten sein, so seine Meinung. Kollateralschäden werde es dennoch geben.  

Man müsse sich vor Ort Gedanken machen, wo die Perspektive liegt in den kommenden fünf Jahren und der Standort ein Bundesligaverein sein kann. Oder ob man sich dort eingestehen muss, dass es eben nur für die zweite Liga reiche. Dabei nimmt der BBL-Präsident auch die Politik und Wirtschaft vor Ort in die Pflicht: "Wenn eine Stadt oder Kommune nicht zur Unterstützung des Vereins bereit ist, dann kann es an diesem Standort keine Bundesliga geben." Aktuell befinde sich die Liga aber mit allen besonders betroffenen Teams ins guten Gesprächen. "Ich glaube trotzdem, dass die Verantwortlichen vor Ort in der Lage sind, diese Hürde zu überspringen", so Reil.

Wenn du ein Produkt weiterentwickeln willst, dann kann man einen Klub, der die wesentlichen Kernvoraussetzungen nicht erfüllt, nicht in die höchste Spielklasse aufnehmen.

Alexander Reil (Präsident der BBL)

Kritische Stimmen aus Thüringen

Das sieht man in den betroffenen Gebieten aber anders. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) übte deutliche Kritik an der Basketball-Bundesliga: "Diese Entscheidung ist nicht akzeptabel und muss revidiert werden", sagte er gegenüber MDR THÜRINGEN. "Diese Regionen haben nicht die Wirtschaftskraft, um die vom Ligaverband geforderte Etaterhöhung aufzufangen", so Tiefensee weiter. Der Oberbürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter (SPD), stieß ins gleiche Horn: "Der Beschluss des Verbandes diskriminiert ostdeutsche Städte. Die neue Regelung muss zurückgenommen werden."

Wolfgang Tiefensee SPD Wirtschaftsminister Thüringen
Wolfgang Tiefensee, Wirtschaftsminister Thüringen Bildrechte: IMAGO

Lars Eberlein von Science City Jena legte ebenfalls noch einmal nach. Zweitligisten aus dem Osten würde so der Zugang zur höchsten deutschen Spielklasse verwehrt werden, sagte er. Es gebe völlig unterschiedliche Sponsorenumfelder in Ost und West. Der Ligaverband versuche mit seiner Entscheidung, die Bundesliga auf einfache Weise zu verkleinern, indem der Zugang über Geld erschwert werde.

Drei Millionen in München sind nicht dasselbe wie drei Millionen in Erfurt oder Jena.

Lars Eberlein (Geschäftsführer Science City Jena)

BBL wird um seine Standards beneidet

Kritische  Stimmen, wonach die Liga durch den neuen Mindestetat elitärer werden würde, wischt Liga-Präsident Reil weg. "Wenn wir über Profisport reden, gibt es immer zwei Segmente. Den Sport und die Wirtschaftlichkeit." Auch als vor zwölf Jahren der Beschluss gefasst wurde, mindestens 3.000 Plätze in einer Halle zu haben, wähnten sich viele Klubs vor dem Aus. "Aber am Ende hat es jeder erreicht. Viele Kommunen hätten nicht neu gebaut, wenn es nicht eine Voraussetzung für die Teilnahme in der Bundesliga gewesen wäre. Da kann der Mindestetat durchaus eine Rolle spielen, den nächsten Schritt zu machen", so Reil. Dass die Liga in Zukunft mit weniger Mannschaften spielen werde, glaubt auch der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, Dr. Stefan Holz, nicht: "Mögliche Konsequenzen in Bezug auf die Ligagröße waren nicht Absicht dieses Beschlusses", erklärte er am Mikrofon von MDR aktuell - das Nachrichtenradio.

Die Etaterhöhung ist laut Reil eine Folge aus den zahlreichen Standards, welche die Liga in den vergangenen Jahren beschlossen hat. Dazu zählen unter anderem die Hallengröße oder die hauptamtliche Anstellung von Personal. "Wenn alle Standards erfüllt werden und man bundesligataugliche Mannschaft haben will, dann wird man auf Sicht nicht mit einem 2 Millionen Etat schaffen." Um diese Standards werde die BBL nach Aussage von Reil von Verantwortlichen etwa aus dem Eishockey oder Handball beneidet.

Immer weiter, die nächste Erhöhung schwebt schon über den Köpfen

Sollten es die zahlreichen betroffenen Teams schaffen, ihren Etat ab 2019 auf die geforderten drei Millionen Euro zu erhöhen, dürfen sie sich aber nicht ausruhen. Denn eine weitere Erhöhung des Mindestetats ist schon im Gespräch. Zur Saison 2021 sollen es dann 3,5 Millionen Euro werden. Beschlossen ist das jedoch nicht. Für die Entwicklung des Produkts und der angestrebten Ziele wird es aber möglicherweise notwendig sein, wenn man Reils Worten Glauben schenkt. Denn die Entwicklung des Produkts steht über allem. Auch über dem sportlichen Wettkampf.

Meine Philosophie als Präsident ist: Ich vertrete den Tabellen-Ersten genauso wie den 18. Aber wir müssen uns als Liga weiterentwickeln, wenn wir das Produkt voranbringen wollen, um dann gemeinschaftlich davon zu profitieren.

Alexander Reil (Präsident der BBL)

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. April 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2018, 21:54 Uhr

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7 Kommentare

27.04.2018 18:54 Andi53 7

Werter Herr Reil, was ist so schlimm an einem Verein, der mit wenig Geld erfolgreich mitspielen kann? Ist es besser, wenn hochverschuldete Clubs wie beim Fußball zur Hälfte der Saison Insolvenz anmelden? Oder nur noch wenige, potente Vereine die Meisterschaft bestimmen? Es lebe der Kommerz!

27.04.2018 12:22 martin 6

Die ganze Nummer ist in meinen Augen doch total verlogen. Wenn ein Verein mit einem geringen Etat leistungsmäßig in der 1. Liga mithalten kann, ist das doch für die Zuschauer (und Bezahler) alle mal attraktiver, als wenn ein Verein mitmacht, der zwar mehr Geld hat, aber auf dem Feld weniger bietet.

Der sportliche Wettkampf ist dann nur noch das Feigenblatt. Dann schon lieber die Harlem-Globetrotters. Das ist auch Kommerz und Show - der aber Spaß beim Zuschauen macht.

26.04.2018 23:56 lunatic 5

Übrigens: Wenn die Entwicklung des PRODUKTS BBL über allem, also auch dem sportlichen Wettkampf steht, es also nur um das Geschäft des Profi-Basketball geht, dann gehts ihm nicht wirklich um die Entwicklung des deutschen Basketballsports, wie es in der Überschrift steht. Das ist verlogen, weil sportlicher Wettkampf (der eigentliche Sport) hat immer auch ein bisschen mit einer gewissen Chancengleichheit zu tun, zumindest was die Durchlässigkeit der Ligen anbelangt (eine richtige Chancengleichheit herrscht ja bereits jetzt nicht, vergleicht man die Etatgrößen der Bundesligisten). Die Entwicklung geht also auch bei meinem geliebten Basketball weiter (wie bei anderen Ballsportarten auch) weg vom richtigen Sport, noch mehr hin zu mehr Geschäft, Produktvertrieb, Eventangebot. Ob das den deutschen Basketball, insbesondere die Durchlässigkeit der BBL für gute deutsche Talente von der ProA in die BBL voranbringt, darf bezweifelt werden. Mit bissl Glück werden es nur die Allerbesten schaffen.

26.04.2018 22:38 Korrekter 4

Aha, es geht also um ein Produkt und nicht um Sport. Die Großen und Reichen wollen also unter sich bleiben. Herr Reil, dass hätten Sie doch auch so formulieren können.

Schöne Grüße vom Saalestrand!

26.04.2018 18:34 Gerald 3

Ist die einzige Mannschaftssportart was ist nicht gern im TV anschaue! Total körperloses Spiel! Früher war es noch harmloser und körperloser! Und deutsche Spieler sind in dieser Liga sehr rar! Sehe ich echt kaum welche!
Darum interessiert mich das auch nicht, was der Verband macht!

26.04.2018 18:23 Marcel 2

Da haben wir demnächst Zustände wie in der Fußball Bundesliga...ein paar megareiche Clubs die immer reicher werden. Und Vereine aus der 2. oder 3.Liga, speziell auch aus dem Osten, die nie die Chance haben werden, im Oberhaus zu spielen - 2 Klassen Gesellschaft. Danke Kommerz für den moralischen Untergang des fairen Sports.

26.04.2018 17:55 Fritz-Paul 1

Das hat mit nachhaltiger Sportentwicklung nichts zu tun!
Es geht nur noch um Marktbereinigung und Geldscheffeln.Der Osten muss anscheinend weg.
Der Breiten- und Wettkampfsport interessiert im Basketball wie in anderen Sportarten keinen Fachverband mehr. Damit werden auch keine deutschen Talente mehr gefördert und in der 1. Liga ankommen. Alles gewollt?! Alles amerikanisch! Und niveaulos! Denn um den Sport geht es auch im Basketball schon lange nicht mehr.

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