Basketball | 1. Bundesliga "Mentale Kernschmelze" – Große Sorgen bei BBL-Überraschungsteam Niners Chemnitz

Steffen Herhold schlägt Alarm. Der Geschäftsführer der Niners Chemnitz befürchtet durch den Zuschauer-Ausschluss in Sachsen in den kommenden Wochen massive finanzielle Verluste. Die Hauptaufgabe sei aber eine gesellschaftliche: Die Impflücke müsse geschlossen werden.

SpiO-Frühstück 40 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sabrina Bramowski sprach beim "SpiO"-Frühstück mit Dynamo-Spieler Chris Löwe und dem Geschäftsführer von Basketball-Bundesligist Niners Chemnitz, Steffen Herhold.

Mo 22.11.2021 10:16Uhr 39:59 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-spio-fruehstueck-chris-loewe-steffen-herhold-100.html

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Sabrina Bramowski sprach beim "SpiO"-Frühstück mit Dynamo-Spieler Chris Löwe und dem Geschäftsführer von Basketball-Bundesligist Niners Chemnitz, Steffen Herhold.

Mo 22.11.2021 10:16Uhr 39:59 min

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Sportlich schwebt Basketball-Bundesligist Niners Chemnitz gerade auf Wolke sieben. Die Sachsen sind das Überraschungsteam der BBL, haben vor einer Woche im Pokal den großen FC Bayern geschlagen und kletterten am Sonntag (21.11.2021) mit einem Sieg gegen Heidelberg sogar auf Rang drei der Bundesliga.

"Herausfordernde Zeiten"

Trotz dieses sportlichen Höhenfluges stehen Niners-Geschäfsführer Steffen Herhold die Sorgen ins Gesicht geschrieben. "Es sind herausfordernde Zeiten", sagt der 43-Jährige am Montag (21.11.2021) im "SpiO-Frühstück". Wirtschaftlich und auch sportlich.

Top-Spieler Weidemann fehlt lange

Sportlich schmerzt die Niners der Ausfall von Top-Spieler Nelson Weidemann, der mit einem Armbruch bis etwa Ende Januar und damit für etwa zwölf Spiele nicht zur Verfügung stehen wird. "Unsere relative kurze Rotation wird noch kürzer werden. Das ist eine große Herausforderung."

Fehlen der Zuschauer "finanziell harter Schlag"

NINERS-Geschäftsführers Steffen Herhold
Steffen Herhold Bildrechte: NINERS Chemnitz GmbH

Wirtschaftlich drohen dem sächsischen Klub durch die seit Montag in Kraft getretene Corona-Notverordnung in Sachsen in den kommenden Wochen große Verluste. Zuschauer dürfen nämlich ab sofort nicht mehr zu den Heimspielen der Chemnitzer kommen. "Finanziell ist das ein harter Schlag. Die Zuschauereinnahmen machen bei und 25 bis 30 Prozent des kompletten Budgets aus." Bei einem Gesamt-Etat von rund 3,8 Millionen Euro sind das laut Herhold enorme Summen, die dem Verein damit fehlen.

"Scherbenhaufen im Frühsommer"

Und auch die 60 Prozent aus Sponsoring-Einnahmen könnten betroffen sein. "Der Sponsor möchte nicht nur seine Marke im Fernsehen sehen, er möchte sich auch den Zuschauern präsentieren", sagt der Diplomkaufmann und erklärt: "Mir graust es davor, mich im März mit Sponsoren zusammenzusetzen. Dann werden sie fragen, wie es nächsten Winter wird. Und dann werde ich zum dritten Mal in Folge erzählen, dass alles super werden wird …", erklärt Herhold mit Sarkasmus in der Stimme. Die Befürchtung des gebürtigen Chemnitzers, der seit 2016 hauptamtlicher Geschäftsführer der Niners ist: "Wir werden im Frühsommer vor einem Scherbenhaufen stehen."

"Kannten die Lage in den Hospitälern"

Für die Entscheidung der Politik hat Herhold trotzdem Verständnis. "Wir sind in ständigem Austausch, wir wussten über die Lage in Sachsen Bescheid, kannten die Lage in den Hospitälern. Es hat sich angedeutet." Als die Entscheidung zum Zuschauer-Ausschluss kam, sei er dennoch schockiert gewesen: "Dann kam die mentale Kernschmelze." Und trotzdem sei er auch dankbar, denn "Gottseidank werden wir uns als Gesellschaft nicht dazu durchringen, zu sagen, wir opfern die Gesundheit der Bürger für Sport, Kultur oder Kunst."

Niners 1 min
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MDR aktuell 19:30 Uhr Mo 22.11.2021 19:30Uhr 01:18 min

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"Maximale Anstrengung, Impflücke zu schließen"

Mit Blick auf die rund 300.000 Menschen über 60 Jahren, die allein in Sachsen noch nicht gegen das Corona-Virus geimpft sind, sieht der Niners-Geschäftsführer auch die Sportvereine in der Pflicht. "Es ist eine maximale Anstrengung vonnöten, die Impflücke zu schließen. Sonst gibt es kein Licht am Ende des Tunnels."

Die in der Initiative "Teamsport Sachsen" vereinten Klubs von RB Leipzig, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, FSV Zwickau über die Handballer des SC DHfK Leipzig bis zu den sächsischen Eishockey-Zweitligisten oder auch BBL-Klub Chemnitz hätten nun eine besondere Verantwortung: "Wenn man alle Vereine und alle Fans zusammennimmt, sind wir ja schon fast bei 100 Prozent", sagt Herhold lächelnd und fügt ernst hinzu: "Wir stehen bereit. Wir haben medizinisches Personal, wir haben die Infrastruktur. Aber wir können es nicht allein, wir brauchen die Verwaltung und die Exekutive."

"Werden niemand beneiden"

Finanzielle Unterstützung wie beim letzten Zuschauer-Ausschluss vor einem Jahr sei den Vereinen noch nicht in Aussicht gestellt worden. Trotz aller Sorgen schaut Herhold aber mit Freude auf die anderen BBL-Klub, die noch Zuschauer in die Hallen lassen dürfen. "Ich drücke jeden Tag allen anderen Klubs in allen anderen Bundesländern die Daumen, dass sie weitermachen können." Denn: "Wir brauchen das Licht, macht weiter so. Wir machen die Geisterspiele und werden niemanden beneiden, dass zum Beispiel in Oldenburg 5.000 Leute sitzen."

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 22. November 2021 | 17:45 Uhr

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