Geisterspiele Wissenschaftler erstellen Konzept für schrittweise Zuschauer-Rückkehr

Leere Hallen und Stadien könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn es nach 20 renommierten Experten und Wissenschaftlern geht, die ein Konzept für die schrittweise Rückkehr von Zuschauern erstellt haben. Bei den Niners Chemnitz ist man vorsichtig optimistisch.

Blick auf die Fans und Zuschauer mit Mundschutz
Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

Wann dürfen die Zuschauer wieder in die Hallen oder Stadien? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Vereine. 20 renommierte Experten und Wissenschaftler haben unterschiedliche Hygienekonzepte, die Restart-Studie der Universitätsmedizin Halle (Saale) und eine Aerosolstudie des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institutes am Konzerthaus Dortmund ausgewertet und ein gemeinsames modulares Konzept mit Blick auf eine kontrollierte Rückkehr von Zuschauern und Gästen zu Veranstaltungen entwickelt. Beteiligt waren auch über 40 Kultur- und Sportinstitutionen, so dass es erstmals einen branchenübergreifenden, datenbasierten Ansatz für einen Weg aus dem Lockdown gibt. Mit dem Konzept soll eine kontrollierte Öffnung unter strengen Hygiene-Auflagen möglich sein.  

Basiskonzept mit bis zu 40 Prozent Auslastung

Doch was bedeutet das konkret für Hallen und Freiluftveranstaltungen?

Indoor: Eckpunkte für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen umfassen die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes. Die Auslastung beträgt bis zu 30 Prozent. Neben allgemeinen Abstandregeln werden personalbezogene Tickets vergeben, um Kontakte nachzuvollziehen. Zudem herrscht eine Maskenpflicht und es soll ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen geben. Alkoholische Getränke werden ab 1.000 Besuchern nicht ausgeschenkt.

Outdoor: Für Freiluftveranstaltungen ist bei gleichen Maßnahmen eine Auslastung von bis zu 40 Prozent der Kapazität möglich. Im Amateur- und Breitensport schlagen die Autoren eine "Bagatelluntergrenze" vor, die bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen eine Sonderregelung vorsieht. In diesem Fall könnten personenbezogene Tickets in diesem Bereich damit überflüssig werden.

 Zuschauer mit Abstand und Maske im Stadion
Zuschauer mit Abstand und Maske im Stadion der SG Dynamo Dresden Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Sowohl für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen als auch für Freiluftveranstaltungen sieht das Basiskonzept zudem bestimmte Sitzplatzschemata vor, die die Einhaltung der Mindestabstände gewährleisten.

Weitere Öffnungen bis hin zum "Maximalmodell"

An Indoor-Veranstaltungsorten mit großen Räumen und moderner Lüftungstechnik sowie ebenso bei Outdoor-Veranstaltungen ist – über das Basiskonzept hinaus – auch eine höhere Zuschauerzahl machbar. Für eine weitere Erhöhung der Auslastung empfehlen die Autoren ein fachärztliches Hygienekonzept als einheitlichen Standard.

Das "Maximalmodell" – eine wieder volle Auslastung in Hallen und Stadien – sieht vor, dass Zuschauer und Gäste am Veranstaltungsort u.a. einen Antigentest machen können.

"Vorsichtiger Optimismus" bei den Niners

Bei Basketball-Bundesligist Niners Chemnitz sieht man das Konzept der "20" grundsätzlich positiv. "Das gibt etwas mehr Hoffnung auf Zuschauer, wir sind vorsichtig optimistisch", sagte Pressesprecher Matthias Pattloch. Die Hygiene-Maßnahmen seien ebenso umsetzbar wie die Vergabe von personalisierten Tickets. Ob aber in der laufenden Saison noch einmal Zuschauer in die Hallen kommen, entscheide allein die Politik. "Wir würden auch ohne Fans durchkommen, auch dank der Sponsoren, die uns die Treue gehalten haben. Wir haben vor der Saison zudem die Finanzierung entsprechend angepasst. Sollte sich aber die Möglichkeit ergeben, wieder Zuschauer in die Halle zu bekommen, werden wir alles unternehmen, damit wir vor Fans spielen können", so Pattloch.

Leere Halle Geisterspiel waehrend der Begegnung Saison 2020-2021 Herren in der EasyCredit Bundesliga zwischen Syntainics MBC und MHP Riesen Ludwigsburg in der Stadthalle Weissenfels
Gehören Geisterspiele bald der Vergangenheit an? Bildrechte: IMAGO / Hartmut Bösener

Zustimmung vom Dresdner SC

Die Managerin des Dresdner SC begrüßte den Vorstoß. „Die Sehnsucht nach der Rückkehr zur Normalität wächst. Der steigende finanzielle Druck aufgrund der Einnahmenausfälle ist enorm. Ich bin überzeugt, dass wir alle auch den Mut haben sollten, angemessen die vorliegenden Pläne für eine Wiederzulassung von Zuschauern zu beraten und deren Umsetzung voranzutreiben. Wir brauchen eine Perspektive“, sagte Sandra Zimmermann.

pm/rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. Februar 2021 | 17:45 Uhr

3 Kommentare

hanseiser vor 1 Wochen

Das scheint ja mal in die richtige Richtung zu gehen und es tut sich was am Horizont. Viele Vereine sind auch auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Allein fehlt mir der Glaube, dass die Expertenmeinung vor unserer Regierung samt Oberkapazität Lauterbach gefragt ist, geschweige denn überhaupt diskutiert wird. Trotzdem gut gemacht.

SGDHarzer66 vor 1 Wochen

Schon meine Oma hat mir gelehrt: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht"!

Sehr richtig erkannt Sachse14442.

Sachse14442 vor 1 Wochen

Hinhaltetaktik, Euch glaube ich rein gar nichts mehr!