Boxen Neue Vorwürfe vom Krasniqi-Lager gegen SES und BDB-Präsident Pütz

Nächste Runde im Nachspiel des WM-Kampfes zwischen Robin Krasniqi und Dominic Bösel. Die Seite des unterlegenen Ex-Weltmeisters wirft dem Kampfgericht und dem Bund Deutscher Berufsboxer einmal mehr Befangenheit vor. Als Beleg dafür wird eine Textnachricht aus einer privaten Chat-Gruppe angeführt. Das Krasniqi-Lager fordert weiterhin eine Neubewertung des Kampfes.

Robin Krasniqi GER mit Promoter Ulf Steinforth - IBO Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht
Robin Krasniqi diskutiert mit Promoter Ulf Steinforth über das Ergebnis (Archiv) Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

In einer am Dienstag (16.11.2021) verschickten Pressemitteilung hat die Seite von Robin Krasniqi einmal mehr ihre Unzufriedenheit mit dem am 9. Oktober in Magdeburg ergangenen Punkturteil zum Nachteil Krasniqis zum Ausdruck gebracht. Ende Oktober hatten sie offiziell Protest gegen das Kampfrichterurteil eingelegt.

Krasniqis Anwalt René-Dirk Hundertmark sieht seinen Mandaten durch eine Änderung des Kampfgerichtes benachteiligt. Als Beleg dafür soll das Bildschirmfoto einer Textnachricht dienen. In diesem soll Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), seine Tochter Karoline darüber informieren, dass sie bei dem WM-Duell als Punktrichter eingesetzt wird.

Hundertmark: "Befangenheit und beabsichtigte Einflussnahme"

"Die Nachricht des Präsidenten des BDB e.V., die wir neben weiteren Angriffspunkten auch zur Grundlage unseres Protests gemacht haben, beweist, dass ein zuvor bereits eingesetztes Kampfgericht, bestehend aus internationalen Kampfrichtern, von dem Präsidenten des BDB e.V., Herrn Thomas Pütz, in ein wohl passenderes Kampfgericht 'geändert' wurde", erklärt Hundertmark.

"Dass das Ganze noch mit lachenden Smileys garniert wird, legt nicht nur zumindest den Verdacht der Befangenheit und einer beabsichtigten Einflussnahme auf das Kampfergebnis durch Herrn Pütz nahe, sondern zeigt auch eine generelle Haltung des Präsidenten des BDB, die mein Mandant, vorsichtig formuliert, als unappetitlich qualifiziert", so Hundertmark.

Neben Karoline Pütz sein noch der "dem Team des Herausforderers Dominic Bösel und dem Veranstalter SES BOXING nahestehenden Punktrichter Hr. Marco Morales" eingesetzt worden, sagt der Rechtsbeistand weiter.

BDB-Präsident Thomas Pütz
BDB-Präsident Thomas Pütz Bildrechte: imago images/Torsten Helmke

Krasniqi hatte im Vorfeld Gelegenheit zum Einspruch

Den Austausch der ausländischen Punktrichter durch nationale, sei im Vorfeld beiden Boxern mitgeteilt worden. Dabei hätten Krasniqi und sein Team die Möglichkeit gehabt, Einspruch einzulegen, dies aber nicht gemacht, hatte Pütz bereits vor einem Monat dem MDR erklärt. Am Donnerstag begründete er im Sportinformations-Dienst (SID) noch einmal den Wechsel zu einem rein deutschen Kampfgericht: "Wir haben Coronamaßnahmen. Bei allen Kämpfen werden keine internationalen, sondern nationale Kampfrichter eingesetzt, weil man möglichst wenig reisen soll", so Pütz. Bereits beim ersten Aufeinandertreffen im Oktober 2020 gab es bei Krasniqis Sieg drei deutsche Punktrichter.

Pütz, der "nichts Böses" an dem Chat finde, erklärte: "Ich sage damit doch nur aus, dass das Kampfgericht getauscht wird. Da wird nur versucht, irgendwas zu konstruieren, um irgendwas für sich herauszuholen". Die Echtheit des Chats wollte er ausdrücklich nicht bestätigten: "Es kann sein, dass es echt ist oder auch, dass es gefaked ist. Aber mir geht es darum, dass es ein Unding ist, sowas zu veröffentlichen. Da werde ich mir auch strafrechtliche Konsequenzen vorbehalten."

Parteinahme durch Promoter Steinforth?

Ein weiterer Vorwurf vom Krasniqi-Lager geht an den Veranstalter. Es habe zum Zeitpunkt der Kämpfe keinen Vertrag zwischen Robin Krasniqi und SES Boxing gegeben, dieser sei im Juni 2020 ausgelaufen und nicht verlängert worden. "Robin Krasniqi war in beiden Titel-Kämpfen gegen Dominic Bösel als Gastboxer im Einsatz und nicht als gleichwertiger SES Boxer, wie es von Hr. Ulf Steinforth fälschlicherweise dargestellt worden ist. Nun müsste für jeden klar sein wie es zum Skandalurteil gegen Robin Krasniqi gekommen ist", erklärt Luan Dreshaj, der Manager von Robin Krasniqi.

SES-Chef Ulf Steinfort widersprach dem auf MDR-Anfrage: "Die Vorwürfe sind nicht korrekt. Natürlich hat es einen Kampfvertrag mir Robin Krasniqi gegeben. Eine ungleichwertige Betrachtung beider Boxer hat nicht vorgelegen."

Boxen - Pressekonferenz Robin Krasniqi (2.v.l.) vs. Dominic Bösel (2.v.r.). Die beiden Kämpfer mit ihren Trainer Magomed Schaburow (l.) und Georg Bramowski (r.) und Promoter Ulf Steinforth (m.)
Uf Steinforth (mi.) vor dem Kampf mit beiden Boxern und ihren Trainern. Bildrechte: MDR/Honndorf, Raphael

Krasniqi-Manager fordert eine Neubewertung

Für Dreshaj gibt es dennoch nur eine Möglichkeit zur Streitbeilegung, "in dem der BDB und Thomas Pütz als lizenzierter Ausrichter und gleichzeitig Supervisor vom Weltverband IBO eine Neubewertung des Kampfes durch fünf unabhängige Punktrichter umgehend durchführen lassen."

Dafür wird vom Krasniqi-Lager ein "Präzedenzfall" des BDB angeführt, der im Vorjahr einen Kampf nachträglich durch ein neues Kampfgericht hat bewerten lassen. Allerdings ist der Kampf Krasniqi gegen Bösel unter dem Dach des Weltverbandes IBO durchgeführt worden. Seitens des Verbandes gibt es noch keine Reaktion auf die Vorwürfe.

---
red/sid/dpa

Video-Beiträge rund ums Boxen

Ein Boxer mit seinem Trainer im Ring
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (78)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 16. November 2021 | 15:40 Uhr

3 Kommentare

Steffen Kayser vor 27 Wochen

Genau so sollte man, wenn man nichts zu verbergen hat, die Sache Lösen. Man sollte andere, internationalen Richtern die Kampfaufnahmen vorlegen und bewerten lassen. Mal sehen was raus kommt.

Gerald vor 27 Wochen

Im Boxen gab es schon immer strittige(höflich ausgesprochen) Ringrichter-Urteile! Egal ob im Profiboxen oder beim Amateurboxen! Darum ist das nichts Neues im Boxen! Und ob das sich mal ändert, da habe ich große Zweifel!

Breakpoint vor 27 Wochen

Die Vorwürfe sind berechtigt. Thomas Pütz und Ulf Steinfort wollten den Dominic Bösel in Magdeburg als "Punktsieger" haben. Das ist auch den dort anwesenden Kommentatoren und sogenannten Experten jederzeit klar gewesen. Auch wenn das zum Teil mit sprachlichen Verrenkungen (ganz übel: Henry Maske) kaschiert wurde. --- Fakt ist: Robin Krasniqi war einfach besser. Mindestens 115:114, so wie in der Wertung von Punktrichter Frank Michael Maaß dargestellt. --- Dagegen erschien die krasse 116:112 Wertung von Punktrichter Marco Morales, nach welcher Dominic Bösel 8 (!) Runden gewonnen haben müsste, völlig absurd. Zumal die vielen regelwidrigen Hinterkopfschläge Bösels gar nicht beachtet wurden. --- Ein ganz peinlicher Beschiss! --- Wenn nun wirklich fünf unabhängige Punktrichter den Kampf nachträglich bewerten dürfen, wird Robin Krasniqi den IBO-Gürtel zweifellos zurückbekommen. 😎