Boxen Nach Einstellung des Verfahrens: Urteil gegen Boxer Tom Schwarz schlägt hohe Wellen

Ex-Boxprofi Tom Schwarz aus Magdeburg kommt nach einem Faustschlag gegen seine Ex-Freundin um eine drohende Haftstrafe herum. Nach einem Verhandlungstag wurde der Prozess eingestellt.

Sabrina Bramowski 14 min
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Di 09.11.2021 14:46Uhr 13:35 min

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Das Verfahren um den früheren Box-Profi Tom Schwarz vor dem Amtsgericht in Burg (Sachsen-Anhalt) ist vorläufig eingestellt worden. Der 26-Jährige, der seiner Ex-Freundin mit einem Faustschlag den Unterkiefer dreifach gebrochen hatte, kommt mit einer Geldstrafe davon. Er muss bis Ende des Jahres 2.500 Euro an die Staatskasse überweisen. Sobald das Geld eingegangen ist, gilt das Verfahren als beendet.

Ex-Freundin Tessa S. schilderte die Geschehnisse

Zu Beginn des Prozesses schilderte Opfer Tessa S. die Geschehnisse, die sich am 31. Mai 2020 in einer Pizzeria abspielt haben sollen. Ausgangspunkt der Handgreiflichkeiten seien Streitigkeiten mit der Mutter der jetzigen Frau von Tom Schwarz gewesen sein. Diese hätten sich hochgeschaukelt. Schwarz habe sie schließlich geschubst. Sie sei gestürzt und ihm anschließend nachgelaufen. Danach habe sie einen Schlag abbekommen. Sie habe gespürt, dass "alle Zähne weg sind. Mir fehlen ein paar Sekunden".

Bei dem Schlag zog sich die Frau laut Anklage multiple Frakturen am Unterkiefer und Blutungen im Mundraum zu. Tessa S. wurden u.a. vier Platten eingesetzt. Bei der letzten Operation wurden ihr 16 Schrauben entfernt. Sie habe komplett neue Zähne im Unterkiefer bekommen, erklärte sie.

Tom Schwarz und Tessa
Tom Schwarz und Tessa - beide waren drei Jahre ein Paar. Bildrechte: imago/Köhn

Keine gefährliche Körperverletzung

Staatsanwaltschaft und Richter sahen es als erwiesen an, dass es sich nicht um gefährliche Körperverletzung handle, da nicht deutlich geklärt werden konnte, ob Tessa S. nach dem Schlag tatsächlich bewusstlos war. Laut Richter Leopold hätte Schwarz den Schlag als Profiboxer aber anders dosieren müssen. Allerdings habe sich auch das Opfer an dem Abend "nicht mit Ruhm bekleckert", so der Richter.

Tom Schwarz, Ex-Juniorenweltmeister im Boxen
Tom Schwarz (re.) vor dem Amtsgericht Burg Bildrechte: dpa



Schwarz sei durch sein Berufsverbot bei SES schon kaltgestellt. Er sehe es nicht, den Angeklagten schlechter zu behandeln, nur weil er Profiboxer sei. Ein Fehlverhalten sehe er auch beim Opfer. Tessa S. soll Zeugenaussagen zufolge alkoholisiert gewesen sein und habe Schwarz an dem Abend in der Gaststätte immer wieder bedrängt. Vor dem Faustschlag soll sie Schwarz selbst attackiert haben.

Erster Verhandlungstag im April nach Eklat geplatzt

Eigentlich sollte schon im April verhandelt werden. Der Prügel-Prozess musste dann aber nach sieben Minuten wegen Corona-Chaos im Gerichtssaal verschoben werden. Damals wollten mehr Journalisten den Prozess verfolgen, als vorgesehen war. Als sich ein Medienvertreter weigerte, den Raum zu verlassen, brach der Richter ab.

Schwarz bald wieder vor Gericht

Schwarz muss sich am 18. November schon wieder vor Gericht verantworten. Dann geht es um einen Autounfall, der sich am 23. Juni auf der Sudenburger Straße ereignet hat. Schwarz soll nach dem Unfall erst verbal laut und dann handgreiflich geworden sein.

Bei SES sofort suspendiert

Sein früherer Arbeitgeber, der SES-Boxstall, hatte Schwarz Anfang Juni 2020 suspendiert. SES-Promoter Ulf Steinforth unterstrich damals: "Wir lehnen jede Form von Gewalt ab, da gibt es null Toleranz."

Schwarz war einst im siebten Himmel

Der Schwergewichtsboxer stand im Juni 2019 im Rampenlicht, als er gegen Tyson Fury im MGM Grand Garden in Las Vegas boxen durfte. Schwarz unterlag klar durch TKO in der zweiten Runde. In seiner Profi-Karriere bestritt Schwarz bisher 27 Kämpfe, gewann davon 26. Seinen letzten Kampf bestritt der 26-Jährige am 28. September 2019, schlug da Ilja Mezencev.

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sst

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsen-Anhalt Heute | 09. November 2021 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Blumenfreund vor 28 Wochen

Kommt mir sehr milde vor dieses "Urteil" !
2500 € Geldstrafe für Unterkiefer dreifach gebrochen, Blutungen im Mundraum, vier Platten eingesetzt, 16 Schrauben entfernt und komplett neue Zähne im Unterkiefer. Ein Irrsin !

Peter Riesler vor 28 Wochen

Eine weitere Schandtat der sachsen-anhaltinischen Justiz.

Jeder Zweikampfsportler weiss, dass er die durch den Sport erworbenen Fähigkeiten nur dann im öffentlichen Leben einsetzen darf (Karatetritte, Boxschläge etc.), um eine Gefahr abzuwenden. Und dann auch nur in dem Maße, wie es unbedingt notwendig ist. Einer zwei Köpfe kleineren Frau den Kiefer zu zertrümmern, fällt nicht darunter. Egal was vorher passiert ist. Intelligente Menschen klären Sachverhalte mit Verstand, die Möglichkeiten hat Herr Schwarz offenbar nicht.

Als Richter hätte ich diese Schandtat nach § 224 StGB (Gefährliche Körperverletzung) eingestuft. Die Fäuste eines 2-m-Profiboxers dürften ganz sicher zur Erfüllung des Tatbestandes als Waffe eingestuft werden.

Ein Strafmaß unter 2 Jahren (ohne Bewährung) wären angemessen gewesen.

Da der Herr ganz offenbar lernresistent ist, wird ihn sein Schicksal aber ganz bestimmt noch einholen ...

Dresdner2 vor 28 Wochen

Da kommt dieser Schwarz wieder davon?? Seine Jubelarien nach dem Prozessabbruch sagen doch alles. Schon als "Sportler" sehr grenzwertig, er hat ja mehr gedroschen als geboxt.