Sport | Corona-Pandemie Voting: Mehr als die Hälfte der SpiO-User für eine Fortsetzung des Spielbetriebs

Die Corona-Pandemie hat den Sport erneut mit voller Härte getroffen. Allein in Mitteldeutschland mussten in den vergangenen Tagen über 40 Partien in den verschiedensten Sportarten abgesagt oder verlegt werden. Doch wie soll es im organisierten Sport weitergehen? Im Sport-im-Osten-Voting sprach sich zwar eine Mehrheit für eine Fortsetzung des Spielbetriebs aus, die Thematik wird aber kontrovers diskutiert.

Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Spielfeld
Wie geht es weiter im organisierten Mannschaftssport? Bildrechte: imago images/Philipp Szyza

Ob Fußball-Drittligist FSV Zwickau, Handball-Zweitligist EHV Aue oder die Basketballer des Syntainics MBC. Sie alle hätten in den letzten Tagen auf dem Rasen oder in der Halle stehen sollen - und sie alle mussten eine zwangsbedingte Pause einlegen. Die Corona-Pandemie sorgt, wie bereits im Frühjahr, allerorts für Spielausfälle und -verlegungen. So stehen erneut zahlreiche Vereine, Sportlerinnen und Sportler vor ungewissen Wochen und Monaten.

Voting: Mehr als die Hälfte für eine Fortsetzung

Doch was soll mit dem Spielbetrieb der Mannschaftssportarten in der aktuellen Corona-Lage passieren? "Sport im Osten" ging dieser Frage mit einem Voting nach. Dabei zeigte sich ein klarer Trend: Während sich 2.220 Personen (51 Prozent) dafür aussprachen, dass der Spielbetrieb – mit begrenzter Zahl an Zuschauern – wie bisher durchgezogen werden sollte, stimmte mehr als ein Drittel der User (1.471 Stimmen/34 Prozent) dagegen. 15 Prozent (631 Stimmen) der Umfrage-Teilnehmer sprachen sich für eine Fortsetzung der Saison – allerdings mit "Geisterspielen" vor leeren Rängen – aus. Insgesamt nahmen mehr als 4.300 Teilnehmer an dem Voting teil.

Corona Voting
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Meinungen gehen auseinander

Wie schwer eine Beurteilung der derzeitigen Lage ist, zeigen auch die Kommentare auf den offiziellen Social-Media-Accounts von Sport im Osten. "Ich bin für Abbruch ohne jegliche Wiederaufnahme! Das, was sich jetzt entwickeln wird, verbietet neben Wirtschaft, Kultur auch Sport!", schrieb beispielweise Frank Wolf auf Facebook. "Bei so vielen Absagen zur Zeit, wäre ein Abbruch das Sinnvollste", schloss sich Mike Carlo an.

Gegenstimmen blieben ebenso wenig aus: "Bei sämtlichen Saison-Abbrüchen wird es wohl einige Insolvenzen geben..! Um keine Mannschaft zu verlieren, müssen wir es so weit wie möglich ziehen! Gerade die Traditionsmannschaften […] dürfen nicht kaputt gehen!", mahnte John Rössel an. "Erstmal abwarten […]. Solange es noch freie Wochenenden gibt sollte man es ziehen. Spätestens dann sollte aber eine Entscheidung getroffen werden", kommentierte Frank Keßler.

Vereine vor ungewisser Zukunft

Auch bei den Vereinen macht sich Sorge breit. Beim EHV Aue wurde der Spielbetrieb nach zwei positiven Corona-Fällen einstweilen lahm gelegt. Die Lage ist angespannt, wie Rüdiger Jurke im "SpiO"-Talk berichtete. "Wenn noch mehr Spiele ausfallen, wird es immer komplizierter. Für die Spieler wird es eine extreme Belastung", so der EHV-Geschäftsführer. Ein Saisonabbruch wie ihn viele Sportarten und Ligen im Frühjahr erlitten, rückt wieder bedrohlich in den Fokus. Einen solchen würden hingegen "viele Vereine nicht überleben", betonte Jurke.

Geschäftsführer Rüdiger Jurke (Aue), gestikulierend
EHV-Geschäftsführer Rüdiger Jurke. Bildrechte: imago/Kruczynski

FSV-Vorstand Leege: "Die Einschläge kommen näher"

Ebenso betroffen ist der FSV Zwickau, nachdem die für Freitagabend angesetzte Partie aufgrund von positiven Corona-Fällen beim Gegner Türkgücü München kurzfristig abgesagt werden musste. "Die Einschläge in Deutschland kommen näher. Ich finde die Sache nicht überraschend", erklärte FSV-Vorstandssprecher Tobias Leege im Gespräch mit dem MDR. Ein Saisonabbruch in der 3. Liga wurde bereits im Frühjahr heiß diskutiert, am Ende entschied man sich, unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterzuspielen. Gut möglich, dass die Debatte bald erneut geführt werden muss. "Wenn die Zahlen weiter steigen, kommt es auch zu weiteren Absagen. Dann müssen sich die Drittligisten zusammensetzen und beraten", unterstrich Leege.

Tobias Leege 14 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Fr 23.10.2020 16:45Uhr 14:20 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tobias Leege 14 min
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Sport im Osten Fr 23.10.2020 16:45Uhr 14:20 min

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Politik schnürt Hilfspaket

Doch wer ist nun zum Handeln aufgefordert, um die Vereine vor den finanziellen Auswirkungen der Krise zu schützen? Die Politik hat bereits ein Hilfspaket von 200 Millionen Euro bewilligt. Das Land Sachsen-Anhalt stellt eine Million Euro Soforthilfe für Sportvereine und –Verbände zur Verfügung. Bei den Basketball-Bundesligisten Syntainics MBC und Niners Chemnitz wurden die Mittel bereits beantragt bzw. werden geprüft. Dies sei allerdings stets an hohe bürokratische Hürden gebunden, da die Klubs durch die Fördermittel keine Gewinne machen dürfen, sagte MBC-Geschäftsführer Martin Geissler dem MDR.

Ringen-Ligen bereits abgesagt

Dass viele Vereine und Verbände vor richtungsweisenden Wochen und Monaten stehen, ist nicht von der Hand zu weisen. Im Ringen wurden bereits sämtliche Kämpfe in der Regionalliga Mitteldeutschland und der Landesliga Sachsen abgesagt. Ob der Spielbetrieb im Fußball, Handball, Basketball und Co. bei weiter steigenden Fallzahlen aufrechterhalten werden kann, bleibt offen.

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jsc  

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. Oktober 2020 | 16:30 Uhr

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