Coronahilfen im Profisport Die Millionen-Krux mit den Coronahilfen Profisport – Halle und Zwickau kann die Pleite drohen

Die verlängerten "Coronahilfen Profisport 2021" haken. Vereine, die im ersten Paket 2020 die volle Summe für Ticketausfälle erhielten, gehen - Stand jetzt - im neuen Jahr leer aus. Ersten Klubs droht die Pleite.

Überwiesene Novemberhilfe auf einem Kontoauszug
Bildrechte: dpa

Ab Montag (1. März 2021) können Vereine Anträge auf staatliche Ersatzleistungen für ausgefallene Zuschauereinnahmen einreichen. Doch hierbei dürfte es zu Unsicherheiten kommen. Denn über die Maximalsumme, die ein Klub aus beiden Hilfspaketen zusammen höchstens bekommen darf, hat die Politik nicht final entschieden. Dabei geht es um bis zu eine Million Euro, die vor allem die mitteldeutschen Fußball-Drittligisten teils dringend benötigen.

Hintergrund: Zwar ist in der Richtlinie für 2021 wie beim ersten Paket 2020 von 800.000 Euro pro Verein als Grenze die Rede. Es heißt aber auch, dass Leistungen von 2020 angegeben werden müssen. Öffentlich war bislang also unklar, inwiefern Klubs erneut für entgangene Kartenverkäufe entschädigt werden. Auf "Sport im Osten"-Anfrage erklärt das Bundesverwaltungsamt nun: "Insgesamt ist hierbei die Höchstgrenze für die Billigkeitsleistungen auf 800.000 € für beide Zeiträume zusammen festgeschrieben."

HFC-Präsident Rauschenbach: "Wir können das nicht allein kompensieren!"

Die Antwort ist ein Schock für viele Profisportvereine. So kassierten der Hallesche FC, der FSV Zwickau, der 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden diese Summe allein bei den ersten Hilfsgeldern 2020 und würden 2021 damit keinen Cent sehen. HFC-Präsident Jens Rauschenbach erklärt dazu im Gespräch mit Sport im Osten: "Nunmehr ist jedoch absehbar, dass Zuschauereinnahmen auch zumindest in der laufenden Rückrunde weiter ausfallen. Dies können wir trotz aller möglichen Sparmaßnahmen wie unter anderem einem Gehaltsverzicht der Profimannschaft nicht allein kompensieren." Ähnlich sieht die Situation in Zwickau aus. Beide Drittliga-Vereine ständen vor der Pleite. Nur aufgrund ihrer hohen Eigenkapitale vor der Corona-Krise würden der FCM (5,7 Mio. Euro Ersparnisse zum Jahresende 2019) und Dynamo (11,65 Mio. Euro ebenfalls Ende 2019) überleben, allerdings unverschuldet riesige Teile des Ersparten verlieren.

Jens Rauschenbach, Präsident, Hallescher FC, vor einer Pressekonferenz
Jens Rauschenbach, Präsident Hallescher FC Bildrechte: imago images/VIADATA

Nunmehr ist jedoch absehbar, dass Zuschauereinnahmen auch zumindest in der laufenden Rückrunde weiter ausfallen. Dies können wir trotz aller möglichen Sparmaßnahmen wie unter anderem einem Gehaltsverzicht der Profimannschaft nicht allein kompensieren.

Jens Rauschenbach HFC-Präsident

Zweite Corona-Hilfssäule greift teils ins Leere

Obwohl bei den erweiterten Coronahilfen 2021 eine neue zweite Säule mit sonstigen Verlusten außer Ticketeinkünften vorgesehen ist und dafür pro Verein 3 Millionen Euro zur Verfügung stehen, greift diese für die Drittligisten nicht bzw. kaum. So können Halle und Zwickau bei sonstigen Ausfällen zum Beispiel im Sponsoring, beim Stadion-Catering oder im Fanshop nicht die geforderte Hilfsvoraussetzung von 30 Prozent Umsatzrückgang nachweisen.

Anders sieht es beim Eishockey aus. DEL2-Klub Lausitzer Füchse hat, die Ticketeinnahmen herausgerechnet, dennoch einen Einbruch von 400.000 Euro Umsatz. Deren Geschäftsführer Dirk Rohrbach erklärt: "Wir rechnen also schon damit, dass wir in dem Bereich sonstiger Verluste antragsberechtigt sind." Bei einer Ausgleichszahlung von rund 70 Prozent ständen Weißwasser rund 280.000 Euro zu. Rohrbach betont: "Generell sind wir froh, dass wir auch 2021 Hilfe beantragen können und so wirtschaftlich mit einem blauen Auge davonkommen. Ein wichtiger Schritt wäre aber, dass die Höchstgrenze für die Ticketentschädigung auf über 800.000 Euro angehoben wird. Für viele Vereine ist das überlebensnotwendig." So haben die Füchse im ersten Paket 2020 dafür knapp 500.000 Euro erhalten und würden grundsätzlich im zweiten Zeitraum einen Antrag über fehlende Kartenverkäufe von 350.000 bis 400.000 Euro geltend machen wollen.

Weißwassers Trainer Dirk Rohrbach
Dirk Rohrbach Bildrechte: imago/Robert Michael

Es gibt Hoffnung für die Vereine

Nach MDR-Informationen haben sich zahlreiche Klubs, darunter die mitteldeutschen Drittligisten, schon vor Wochen an die Ministerpräsidenten ihrer Länder gewandt und auf die Bedeutung einer erhöhten Entschädigungszahlung für Ticketeinkünfte hingewiesen. Und es gibt ein positives Signal: Denn die EU hat die Obergrenze für sogenannte Kleinbeihilfen ihrer Mitgliedsstaaten an Unternehmen Ende Januar von 800.000 Euro auf 1,8 Millionen Euro erhöht. An dieser Maßgabe war die Maximalsumme bisher festgesetzt worden. Das heißt für die Ost-Drittligisten: Sie könnten nun eine Million Euro mehr Hilfsgelder im Ticketbereich bekommen, wenn das Bundesinnenministerium diese Zahl nun in die "Coronahilfen Profisport" übernimmt. Das Ministerium teilt auf "Sport im Osten"-Nachfrage mit: "Ob es zu einer Anpassung der Billigkeitsrichtlinie "Coronahilfen Profisport" an die geänderten beihilferechtlichen Vorschriften kommt, wird derzeit im politischen Raum erörtert."   

Halle droht Gewinnausfall von 1,86 Millionen Euro

Indes ordnet HFC-Boss Rauschenbach eine Aufstockung der Ticketentschädigungen wie folgt ein: "Dies kann zwar nur einen Teil der Verluste abfedern, in Kombination mit unseren eigenen konsequenten Sparmaßnahmen würde es zumindest einen Fortbestand der Vereine und eine Absicherung ermöglichen, für die wir dankbar sind."

Transparent mit dem Schriftzug Geisterspiele abschaffen beim Drittliga-Spiel Halle gegen Viktoria Köln.
Die HFC-Fans fordern schon seit längerem die Abschaffung der Geisterspiele. (Archiv) Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Tatsächlich hat Halle bei Geisterspielen bis Juni 2021 Einnahmeverluste von 24 Heimspielen, was bei einem Zuschauerschnitt von 7.732 Fans vor Corona einen Gewinnausfall von grob 1,86 Millionen Euro ausmacht – ohne sonstige Folgeschäden im Catering, Merchandising oder Sponsoring.

Fakt ist: Für beide Jahre wurde vom Bund jeweils ein 200-Millionen-Euro-Topf für den Profisport bereitgestellt. Alle Sportvereine außerhalb der 1. und 2. Fußball-Bundesliga dürfen Unterstützung beantragen. Jetzt ist die Politik gefragt, dass diese auch ankommen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 28. Februar 2021 | 19:30 Uhr

14 Kommentare

oldie68 vor 39 Wochen

Wieso sollte jemand das unterstützen! Helfe dir selbst ist die Devise! Bei dieser grossen Fangemeinde bei beiden dürfte das doch kein Problem sein 1- 2 Millionen zusammen zukriegen ! Den Rest der fehlt könnte der Verein drauflegen .Jetzt fällt die nicht vollzogene Ausgliederung der 1.Mannschaft auf die Füsse !
Viel Spaß beim sammeln.

Der FUssBALLFAN vor 39 Wochen

@Hannchen na da könnt ihr ja Stolz sein. In übrigen hat Rasen Ball auch nichts zu verschenken. Die bekommen das Geld auch nur geliehen und müssen es zurück Zahlen, rein theoretisch zumindest. Na da sag ich mal herzlich wilkommen in der 3. Liga. Ist nur noch euer Problem mit dem 3.Liga tauglichen Stadion und ein ausweichstadion. Mmhh RB hat euch ja abgelehnt. Aber ihr habt ja sssooooo viel Geld, also wilkommen.

Brutus vor 39 Wochen

Bei dem nicht enden wollenden Fanandrang dieser großen Traditionsmannschaften, müssten doch mit einer kleinen Spendenaktion sämtliche Finanzprobleme vom Tisch sein!
Also, auf geht's !!!!