Eishockey | DEL2 "So voll wie möglich, so sicher wie nötig" – ohne Fans droht der DEL2 das Aus

Die DEL2 und ihre 14 Klubs bangen um die Existenz. Ohne Fans wird das Unterhaus des deutschen Profi-Eishockeys nicht in die bereits auf November verschobene Saison starten, kündigte Liga-Geschäftsführer René Rudorisch an. Aber es gibt Hoffnung – vor allem aus Sachsen.

SpiO Talk mit René Rudorisch 24 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Do 10.09.2020 11:00Uhr 23:39 min

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Normalerweise hätte die DEL2 an diesem September-Wochenende ihre neue Saison angepfiffen. Aber jener eigentlich avisierte Starttermin für das Unterhaus des deutschen Profi-Eishockeys musste aufgrund der Coronavirus-Pandemie schon vor Wochen zum zweiten Mal verschoben werden – auf den 6. November.

Dieser Beginn "ist noch mal darstellbar", sagte DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch am Donnerstagmittag (10. September) im "SpiO"-Talk des MDR. Jede weitere Verschiebung, eine damit einhergehende Modusveränderung oder sogar das Aussetzen der Spielzeit hätte existenzbedrohende wirtschaftliche Einbußen für die Vereine zur Folge. "Wenn wir nicht wirtschaftlich vernünftig starten können, sind Insolvenzen nicht auszuschließen", warnte der 42-Jährige.

85 Prozent der Klubetats durch Spieltagseinnahmen

Weißwasser bejubelt den Derbysieg
Oktober 2019: Die Lausitzer Füchse bejubeln ihren Derbysieg in Dresden. Bildrechte: imago images / Hentschel

Wirtschaftlich vernünftig heißt in dem Fall: Das Wohl der Liga und ihrer derzeit 14 Klubs aus vier Bundesländern – darunter die drei sächsischen Vertreter Eispiraten Crimmitschau, Dresdner Eislöwen und Weißwassers Lausitzer Füchse – steht und fällt mit der Erlaubnis, die Eisarenen wieder für die Fans zu öffnen. Wenigstens für einen Teil.

"Wir reden da nicht allein über Ticketerlöse, wir reden da auch über Sponsoring und Cateringerlöse", so Rudorisch, der mit Nachdruck unterstrich: "Die Klubs brauchen dringend und zwingend diese Einnahmen. Die machen circa 85 Prozent ihrer Etats aus." Die Vermarktung und Werbeleistungen von Sponsoren – nicht zuletzt auch durch TV- und Streamingreichweiten – werden "nur funktionieren, wenn wir Fans in die Hallen bekommen", mahnte der Geschäftsführer.

14 Teams aus vier Bundesländern

Einlauf der Eislöwen, vorn: Goalie Marco Eisenhut, hinten: die Choreografie der Fans zum 110. Vereinsjubiläum, Dresdner Eislöwen gegen EC Bad Nauheim.
Choreo vor vollem Haus zum 110-jährigen Jubiläum des Dresdner Eissportclubs Ende Dezember 2019. Bildrechte: imago images/Hentschel

Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, als zuletzt ein DEL2-Spiel in Sachsen stattgefunden hat. Damals – am 8. März – fertigten die Dresdner Eislöwen vor über 3.000 Zuschauern den EC Bad Nauheim mit 8:3 in den Pre-Playoffs ab. Kurz darauf wurde die Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie vorzeitig abgebrochen.

Seitdem planen DEL2 und ihre Klubs fieberhaft die neue Saison, basteln an schlüssigen und durchsetzbaren Hygienekonzepten. Vor allem die unterschiedlichen Verordnungen und Infektionsgeschehen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen – jenen vier Bundesländern mit DEL2-Standorten – verkomplizieren erheblich die Organisation "einer nationalen Liga".

52 Spieltage bis Mitte April geplant

Löwen Frankfurt - Eispiraten Crimmitschau
Szene aus dem Auswärtsspiel der Eispiraten Crimmitschau bei den Löwen Frankfurt Ende Februar 2020. Bildrechte: imago images/Kessler-Sportfotografie

Die Verantwortlichen bauen auf 52 Hauptrundenspieltage von November bis Mitte April, anschließend sollen im verkürzten "Best-of-Five"-Modus die Playdowns und Playoffs ausgetragen werden. Mögliche Vorgehen – wie etwa Quarantäne bei Infektionsfällen – würden noch endgültig geklärt.

Alle würden darum kämpfen, "die Struktur und Liquidität zu erhalten", berichtete Rudorisch. Und es werde "in einer extrem schwierigen und unplanbaren Situation sehr gut" gearbeitet. Aber am Ende sei das "irgendwann endlich. Sie haben nicht so viel Rücklagen, um das auszusitzen."

"Vorreiterrolle" der Sachsen

Mitte: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer beim Bully, Dresdner Eislöwen gegen Lausitzer Füchse
Lob von der DEL2 gibt es für Sachsens Landesregierung um Ministerpräsident Michael Kretschmer. Bildrechte: imago images/Hentschel

Eine hoffnungsstiftende "Voreiterrolle" sieht Rudorisch, einst Geschäftsführer der Eispiraten in Crimmitschau, bei den sächsischen Vereinen sowie dem dortigen Austausch mit der Landesregierung. Das sei "nicht überall so", kritisierte er. Der Liga-Chef berichtete von bereits "positiven Rückmeldungen der Gesundheitsämter der sächsischen Standorte" in punkto Hygienekonzept, das unter anderem auch das Tragen von FFP2-Masken der Zuschauer in Erwägung zieht.

Darin sieht er eine positive Wirkung, um auch andere Bundesländer – wie nicht zuletzt Bayern und Baden-Württemberg – vom Hygienekonzept zu überzeugen: "Die Klubs haben sehr gute Vorlagen, um Aktive und Fans zu sichern." Man gehe "da in den Austausch mit den Behörden, um die Stadien so voll wie möglich und so sicher wie nötig zu machen". Und zwar ab dem 6. November.

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mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 10. September 2020 | 17:45 Uhr

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