Eishockey | DEL2 Für Dresden, Crimmitschau und Weißwasser wird es wieder heiß auf dem Eis

Am Freitag (01.10.) startet die zweithöchste deutsche Eishockey-Liga in die neue Saison. 14 Teams kämpfen dann um die begehrten Playoff-Plätze und den Ligabverbleib. Welche Rolle können die mitteldeutschen Mannschaften dabei spielen? "Sport im Osten" hat sich die Dresdner Eislöwen, die Eispiraten Crimmitschau und die Lausitzer Füchse vor Saisonbeginn einmal angeschaut.

Logos der Vereine Dresdner Eislöwen, Lausitzer Füchse und Crimmitzschauer Eispiraten vor Eishockey-Hintergrund
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Dresdner Eislöwen: Playoffs-Viertelfinale als klares Saisonziel

Mehr als eineinhalb Jahre sind vergangen, seit die Dresdner Eislöwen ein Punktspiel vor Fans bestritten haben. Am Freitag starten die ambitionierten Sachsen mit dem Sachsenderby gegen die Lausitzer Füchse in die Saison - und zwar in einer zur Hälfte ausgelasteten Halle in Weißwasser.

Kader komplett umgekrempelt

Das Saisonziel formuliert man klar in Dresden: Der Einzug in die Playoffs muss her. Im Vergleich zur letzten Spielzeit wäre das ein enormer Sprung, denn 2020/21 kamen die Eislöwen nicht über einen enttäuschenden vorletzten Tabellenplatz hinaus. Das Manko damals: Der Puck landete deutlich häufiger im eigenen als im gegnerischen Tor. Das soll besser werden und der Kader wurde dafür vom neuen Sportdirektor Matthias Roos gewaltig umgekrempelt. 18 der 26 Spieler sind neu, darunter auch die beiden Rückkehrer Timo Walther und Arturs Kruminsch.

Schwedisch als neue Zweitsprache in Dresden

Große Hoffnungen setzt Trainer Andreas Brockmann auf seine neuen Schweden-Verteidiger David Suvanto und Simon Karlsson, die für mehr Stabilität in der zuletzt so löchrigen Abwehr sorgen sollen. Im Angriff, der in der vergangenen Spielzeit immer wieder Ladehemmung hatte, sollen die schwedischen Neuzugänge David Rundqvist und Johan Porsberger für mehr Durchschlagskraft sorgen. Gemeinsam mit Vladislav Filin könnten sie eine Reihe bilden, die gegnerische Torhüter regelmäßig zur Verzweiflung bringt.

Junge Eislöwen auf dem Weg in die Playoffs

Das Team ist mit einem Altersschnitt von knapp über 24 Jahren insgesamt deutlich jünger geworden, was dem Anforderungsprofil des Trainers entspricht: "Ich will attraktives, laufstarkes, aktives, aggressives und druckvolles Eishockey spielen. Alles muss in Bewegung sein, wir wollen viel forechecken. Bei mir beginnt die Defensive in der Offensive", so Coach Brockmann im "Sportbuzzer". Das ein komplette neu zusammengestelltes Team auch Zeit braucht, um sich zu finden, weiß man in Dresden aber auch. Dabei helfen wird auf jeden Fall Routinier Jordan Knackstedt, der wie schon in den Spielzeiten zuvor das "C" als Kapitän tragen wird.

DEL-Aufstieg in weiter Ferne - Antrag fehlt

Am besten wäre aus Dresdner Sicht direkt ein Auftaktsieg gegen die Lausitzer Füchse, um so schnell wie möglich in Richtung Playoffs und dort mindestens ins Viertelfinale zu marschieren. Denn alles andere "wäre eine Enttäuschung", so Sportdirektor Roos im "Sportbuzzer". In dieser Saison will man also in den Playoffs ein Wörtchen mitreden, perspektivisch schielen die Sachsen aber noch weiter nach oben. Nach Angaben von Geschäftsführer Maik Walsdorf hat das Ziel Aufstieg in die DEL "oberste Priorität", wie er "Sport im Osten" sagte. In dieser Saison könnte das auch im Fall der Meisterschaft aber eng werden, denn es wurde offenbar vergessen, einen entsprechenden Antrag an die DEL zu schicken. Ob man gegen die Zulassungs-Entscheidung der Liga vorgehen will, ist offen.

Eispiraten Crimmitschau: Mit NHL-Skills in Richtung Meisterrunde?

Die vergangene Saison war enttäuschend für die Eispiraten und das, obwohl der sächsische Traditionsverein spielerisch durchaus überzeugte. Das Problem: Die Saison wurde wegen der Corona-Pandemie abgebrochen und Crimmitschau verpasste über die Quotientenregel das Erreichen der Playoffs. Das soll in dieser Saison anders werden, auch wenn das mit anderem Personal hinter Bande passieren muss. Trainer Mario Richer hat den Verein verlassen, auch wenn er am Saisonende noch beteuerte, das nicht tun zu wollen.

"Idol" Sulzer im Trainerstab

Der neue Coach Marian Bazany hat viel Erfahrung und war zuletzt beim HC Slovan Bratislava aktiv. Deutschland-Erfahrung sammelte er bei den Eisbären Berlin und den Krefeld Pinguinen als Co-Trainer. Das größte Achtungszeichen im Trainer-Team ist sicherlich Alexander Sulzer, der als Skills-Coach engagiert wurde. Sulzer hat als Aktiver in der NHL gespielt und wird neben seinen eigentlichen Aufgaben sicher vor allem in einer Vorbildfunktion für die jungen Eispiraten-Spieler auftreten.

Schlüsselspieler Lemay weiter an Bord

Die wichtigste Personalie im Kader der Eispiraten ist sicher Stürmer Mathieu Lemay, der als absoluter Schlüsselspieler im Angriff überraschend gehalten werden konnte. Zusammen mit Scott Timmins bildet der Kanadier ein eingespieltes Offensiv-Duo, das in ersten Angriffsreihe für Wirbel sorgen kann. Dasselbe gilt für Patrick Pohl und Kapitän Vincent Schlenker. Hinzu kommt der talentierte Neuzugang Scott Feser, der allerdings seine erste Auslandsstation absolviert und damit noch eine Wundertüte ist - genau wie Luca Gläser, der ebenfalls großes Offensivpotential hat, aber noch eine Schippe drauflegen muss. Ob diese Spieler die Abgänge der soliden Scorer Daniel Weiß, Travis Ewanyk, Timo Gams, Petr Pohl und Lukas Vantuch kompensieren können, bleibt abzuwarten.

Summers-Verletzung als herber Rückschlag

In der Abwehr mussten die Eispiraten einen herben Rückschlag verdauen. Abwehrchef Kelly Summers hat sich in der Vorbereitung schwer verletzt und fällt nach Vereinsangaben mehrere Monate aus. Mit Gregory Kreutzer wurde in der Defensive zwar Verstärkung geholt, doch der 21-Jährige ist aus Bremerhaven ausgeliehen, wird dort aktuell gebraucht und kann somit nicht für Crimmitschau auflaufen. Im Tor wurde die stetige Baustelle mit Luka Gracnar geschlossen. Der slowenische Nationalkeeper besetzt eine Kontingentstelle und konnte in der Vergangenheit in der ICEHL, der höchsten österreichischen Spielklasse, durch gute Werte überzeugen.

Playoffs als Eispiraten-Ziel

Greifen die Mechanismen und kann Coach Bazany seine Philosophie umsetzen, sind für Crimmitschau die Playoffs sicherlich drin. Das sieht auch Eispiraten-Verteidiger Felix Thomas so: "Die Playoffs sind ganz klar unser Saisonziel. Ganz realistisch würde ich uns im vorderen Drittel zwischen Platz fünf und acht einschätzen."

Lausitzer Füchse: Alte Tugenden für die neue Saison

Auf die vergangene Saison blickt man in Weißwasser eher mit trostlosem Blick zurück. Mit einer runderneuerten Mannschaft sollte die Meisterrunde erreicht werden, doch wie schon im Jahr zuvor wurde dieses Ziel klar verpasst. Trainer Corey Nelson musste seinen Hut nehmen und wurde von seinem Assistenten Chris Straube beerbt. Gemeinsam mit André Mücke bildete er das neue Trainer-Gespann und beide dürfen sich auch in dieser Saison beweisen.

Weißwasser will "Weißwasser-Eishockey" spielen

Die Spielweise soll dabei wieder mehr an "Weißwasser-Eishockey" von früher erinnern und dementsprechend wurde auch die Mannschaft zusammengestellt. Ein Blick auf den Kader macht deutlich, dass Geschäftsführer Dirk Rohrbach viel Wert auf Spieler legt, die eine Vergangenheit in Weißwasser haben. Die Region lebe vom Eishockey, und das sollen auch die Spieler mittragen, so Rohrbach im "Sportbuzzer".

Routinier Baxmann soll für Stabilität sorgen

Das größte Achtungszeichen ist sicher die Verpflichtung von Verteidiger Jens Baxmann, der mit seiner Erfahrung für Stabilität im sehr jungen Team sorgen soll. Der 36-Jährige hat mehr als 900 DEL-Spiele auf dem Buckel und feierte mit den Eisbären Berlin insgesamt sieben deutsche Meisterschaften. Zuletzt lief der frühere Nationalspieler für die Iserlohn Roosters in der DEL auf. Mit Jan Bednar und Steve Hanusch, die sich zu Jakub Kania gesellen, können die Füchse voraussichtlich eine solide Defensive aufbieten. Auch wenn, und das muss man deutlich sagen, in der Vorbereitung noch nicht viel zusammenlief.

Finnen- und Kanadier-Power im Angriff

Im Angriff darf man auf ein neues finnisches Duo gespannt sein. Roope Mäkitalo und Arttu Rämö kommen aus der zweiten finnischen Liga und haben dort im vergangenen Jahr mit 20 bzw. 19 Toren offensiv überzeugt. Die beiden neuen Kanadier Peter Quenneville und Hunter Garlent kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in der nordamerikanischen ECHL und sollen ebenfalls für Torgefahr sorgen. Mit Clarke Breitkreuz kehrte zudem der frühere Füchse-Kapitän nach einer Saison bei den Kassel Huskies in die Lausitz zurück.

Eisbären-Leihspieler hüten das Füchse-Tor

Im Tor ließ man den starken Goalie Mac Carruth ziehen und setzt fortan auf die beiden Leihspieler der Eisbären Berlin, Leon Hungerecker und Tobias Ancicka. In der Saisonvorbereitung konnte vor allem Hungerecker unter Beweis stellen, dass er das Zeug zu einer echten Nummer eins in der DEL2 hat. Greifen alle Zahnrädchen ineinander, also Neuzugänge, Routiniers und die Youngsters, könnten die Füchse ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Vergabe der Playoff-Plätze geht. Ein 1:5 gegen die Eislöwen im letzten Testspiel offenbarte aber, dass dafür noch einiges an Justierung nötig ist.

(ten)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 02. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

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