Fußball | Ehrentag Alles Gute - der "Schwarze Peter" wird 80

Er war der beste Stürmer der DDR, wirbelte 18 Jahre für den FC Carl Zeiss Jena und in der Nationalmannschaft. Er wurde Meister, Pokalsieger, Olympia-Dritter und nahm an der WM 1974 teil. Und am Donnerstag (14.10.2021) wird Peter Ducke, der "Schwarze Peter", 80.

Peter Ducke 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dabei schaut der Peter immer noch nicht aus wie einer, der 1941 geboren wurde. "Viele sagen, er ist wirklich durchgedreht. Aber ist bin 41 geboren", so Ducke im Gespräch mit "Sport im Osten". Und trotz seines gesegneten Alters ist Ducke immer noch aktiv auf dem Fußballplatz. Der Jubilar stand bis zuletzt mit jungen Talenten auf dem satten Grün beim Fußballcamp in Deutschbaselitz.

Beim Probetraining zunächst durchgefallen

Dabei wurde das Stürmertalent zunächst nicht wirklich entdeckt. Als sein Bruder Roland bereits in Jena spielte, sollte der damals 16-jährige Peter nachgeholt werden. Doch beim Probetraining fiel er bei Trainer Georg Buschner durch. "Roland hatte in Jena gesagt, ich habe einen Bruder, der noch besser ist. Buschner hat mich dann angeschaut und gesagt, davon haben wir fünf bis sechs."

Peter Duckes Karriere in Bildern

Peter Ducke
Sie nannten ihn Sturkopf und Rebell, Individualist und Selbstdarsteller - für die meisten aber war er nur der "Schwarze Peter": Peter Ducke, der Ballstreichler, der schwarzhaarige Wunderstürmer vom FC Carl Zeiss Jena. Am 14. Oktober ist er 80 Jahre alt geworden. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Peter Ducke am Ball
Mit den Thüringern holte Peter Ducke 1963, 1968 und 1970 den DDR-Meistertitel, hinzu kamen drei FDGB-Pokalsiege und die Torjägerkanone 1963. Bildrechte: imago/Werner Schulze
MAnnschaftsfoto FC Carl Zeiss Jena, 1970
Die Meistermannschaft von 1970 mit Peter Ducke (5. v.l. hintere Reihe) und Roland Ducke (1 v.r. mittlere Reihe). Bildrechte: IMAGO / Werner Schulze
Peter Ducke mit Ehefrau Ute, Tochter Nicole und seinem Sohn.
Peter Ducke mit Frau, Tochter und Sohn. Harmonie war ihm beim Fußball nicht wichtig. Er eckte oft an und nahm sich seine Freiheiten: "Ich wollte immer künstlerisch tätig sein." In Georg Buschner, langjähriger Trainer des FC Carl Zeiss und der DDR-Nationalmannschaft, hatte er allerdings auch einen mächtigen Fürsprecher. Trotz seiner Probleme im SED-Staat wäre eine Flucht nie für ihn in Frage gekommen. Bildrechte: IMAGO / Werner Schulze
Peter Ducke vom Carl Zeiss Jena
Mit dem Ende der Spielzeit 1976/77 endete auch die aktive Karriere von Peter Ducke. Inzwischen lebt er in Großschwabhausen bei Apolda und kümmert sich bis heute um den Fußballnachwuchs. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Peter Ducke
Sie nannten ihn Sturkopf und Rebell, Individualist und Selbstdarsteller - für die meisten aber war er nur der "Schwarze Peter": Peter Ducke, der Ballstreichler, der schwarzhaarige Wunderstürmer vom FC Carl Zeiss Jena. Am 14. Oktober ist er 80 Jahre alt geworden. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Peter Ducke steht vor seinem ehemaligen Wohnhaus in Schoenebeck.
Hier wurde der kleine Peter groß, in Schönebeck. Hier begann auch die Fußballerkarriere, die ihn dann ab 1959 auch nach Jena führen sollte. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter
Olympische Spiele 1972: Spiel um Platz 3 zw. UdSSR - DDR, Peter Ducke, dahinter Torwart Jürgen Croy macht Shakehands mit einem sowjetischen Spieler.
Der größte Erfolg im Nationalmannschaftstrikot für Peter Ducke: Bronze bei den Olympischen Spielen in München 1972. Im Spiel um Platz 3 gab es gegen die Sowjetunion ein 2:2 nach Verlängerung. Ein Elfmeterschießen war nicht vorgesehen, also erhielten beide Mannschaften die Bronzemedaille. Bildrechte: IMAGO / Sven Simon
Schuß von Peter Ducke
Gebremst durch eine Verletzung, verpasste Peter Ducke den legendären 1:0-Sieg der DDR gegen die BRD bei der WM 1974. Hier zieht er beim 1:1 gegen Argentinien ab. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Peter Ducke und Hans Bert Matoul
Die WM wurde zu einer großen Enttäuschung. Nach Verletzungsproblemen drückte er meist die Bank. "Es war kein schöner Abgang." Bildrechte: imago/Werner Schulze
Peter Ducke im Kinder-Fußball-Camp
Peter Ducke ist auch weiter am Ball, arbeitet jedes Jahr mit jungen Talenten bei Fußballcamps zusammen. Hier in Schönebeck. Bildrechte: imago sportfotodienst
Peter Ducke jongliert mit dem Ball im Ernst Abbe Sportfeld.
Zur Lage bei Carl Zeiss Jena sagt er vor ein paar Jahren: "Ob sie 1. 2., 3., oder 4. Liga spielen, darum geht's mir nicht. Wieso und warum sie dort spielen, das ist für mich ein Grund, ernsthaft nachzudenken. Es gibt viele andere Leute, die sagen, wir denken schon ernsthaft nach. Aber nach vier, fünf, sechs, zehn Jahren hat sich immer noch nichts verändert. Das ist ja das Schlimme." Bildrechte: IMAGO / Bild13
Alle (11) Bilder anzeigen

Durchbruch im Pokalfinale

Zwei Jahre später kam der Durchbruch in Jena, beim Finale im FDGB-Pokal. Gegen den SC Empor Rostock schoss Ducke Jena nach 0:2-Rückstand mit zwei Toren in die Verlängerung. Schließlich siegten die Thüringer und holten den ersten großen Titel. Es folgten weitere Titel (je drei Mal Meister und Pokalsieger), 1972 die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in München. Die WM 1974 wurde aber zu einer Enttäuschung, Ducke saß nach zuvor einigen Verletzungsproblemen meist auf der Bank. "Das war so schlimm. Ich wollte immer zur WM, wurde sporadisch eingewechselt und war unzufrieden. Es war kein schöner Abgang." 1977 war dann nach 466 Spielen und 207 Toren für Jena Schluss.

Peter Ducke und Hans Bert Matoul
Peter Ducke und Hans Bert Matoul Bildrechte: imago/Werner Schulze

"Den Scheißpokal können Sie behalten"

Es hätten noch mehr Spiele werden können, wenn der Peter Ducke durch seine Impulsivität nicht immer mal Probleme mit den Unparteiischen gehabt hätte. So wurde er nach dem Pokalfinale 1965 für zehn Partien gesperrt, nachdem er dem Schiedsrichter bei der Pokalübergabe sagte: "Den Scheißpokal können Sie behalten!" Magdeburg hatte durch einen umstrittenen Elfmeter kurz vor Schluss mit 2:1 gewonnen. "Wahnsinnig übersteigertes Temperament. Immer aufbrausend. Ungerechtigkeiten haben mich kaputt gemacht", sagt Ducke über den Spieler Ducke.

Westauto führt zur Entlassung

Nach der aktiven Karriere kümmerte sich Ducke zunächst um den Nachwuchs in Jena. Doch weil er mit dem Auto der Westverwandtschaft auf dem Trainingsgelände parkte, wurde er im Januar 1980 vom Verein entlassen. Er studierte Lehramt und wurde für viele Jahre Sportlehrer. Und kümmerte sich weiter um junge Talente, arbeitet seit 2007 im Fußballcamp in Kamenz.

Peter Ducke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine große Anerkennung für seine Leistungen auf dem Fußballplatz gab es im Jahr 1999. Bei der Wahl zum deutschen Fußballer des Jahrhunderts landete Ducke auf dem neunten Platz, als einziger Spieler der DDR.

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 16. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

10 Kommentare

Burgfalke vor 5 Tagen

Könnte das vielleicht daran liegen, daß wir uns hier auf der speziellen "Thüringer MDR- Seite" befinden und man die "eigenen" Leute gezielt zu würdigen weis?
Peter war stets ein Rebell, andere ... Dinge gehören hier nicht bei diesem Anlaß hier her, auch wenn sie den Fans nicht gefallenhaben.
Auch ich habe und schätze Jürgen sehr und gratuliere ihn bei dieser Gelegenheit und wünsche ihm alles Gute!
Fehlt eine ähnliche Würdigung weil er vielleicht (???) zu system nah oder schien war? Das ist leider nicht auszuschließen.

Es ist Unsinn Hennig Frenzel mit Peter Ducke nur ansatzweise zu vergleichen. Schon gar nicht bei diesem Anlaß hier!
Und daß Fans so reagieren, das wundert niemanden mehr (siehe Dresden beim Wiederaufstieg) und kann und darf niemals Maßstab sein!

oldie68 vor 5 Tagen

MDR ,in eigener Sache wenn sie schon Peter Ducke zum 80 gratulieren was ehrenhaft ist.
Haben Sie den heutigen 75.Geburtstag von Jürgen Croy vergessen !? Wenn man einen Haudegen gratuliert ,sollte man einen wir Jürgen Croy nicht vergessen .
Sportliche Grüße aus Chemnitz

eberhard38 vor 5 Tagen

Hallo Peter,
wir haben uns nach der WM 1974 persönlich in Cainsdorf kennengelernt und interessante Gespräche geführt.
Du warst der beste Mittelstürmer, den die DDR je hatte und Dein Markenzeichen waren die unvorhersehbaren Aktionen im Spiel.
Ich wünsche Dir vor allem Gesundheit und grüße Dich ganz herzlich aus Zwickau.