WM-Qualifikation DDR gegen Sowjetunion - Oleg Protassow (SU, links) im Zweikampf mit Andreas Lindner
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DDR-Oberliga - Die Wendesaison DDR-Auswahl: Nach Sieg über die UdSSR ruft "Italia '90"

6. September 1989 | WM-Qualifikation

Dieser Auftritt war wirklich aller Ehren wert: Einen Tag nach dem umstrittenen FDJ-Fackelzug zum 40. DDR-Geburtstag in Berlin hat die Fußball-Nationalmannschaft den Top-Favoriten Sowjetunion bezwungen. Mit dem beeindruckenden 2:1-Erfolg vergrößerte die DDR-Auswahl zugleich die Hoffnungen auf ein WM-Ticket für "Italia ‘90". Die Entscheidung darüber fällt nun am 15. November im Duell mit Österreich.

WM-Qualifikation DDR gegen Sowjetunion - Oleg Protassow (SU, links) im Zweikampf mit Andreas Lindner
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Die Mannschaft von Trainer Eduard Geyer war als klarer Außenseiter ins Spiel gegangen, streifte die ihr zugewiesene Rolle aber schnell ab. In der chancenarmen ersten Halbzeit zeigte die Elf um Kapitän Ronald Kreer ihr kämpferisches, in der zweiten Hälfte dann auch ihr fußballerisches Potenzial. Zuerst aber war Moral gefragt, denn die UdSSR ging nach einem Konter über rechts und einem sensationellen Volleyschuss von Litowtschenko aus 16 Metern in Führung (74.).

Szenen aus dem WM-Qualifikationsspiel DDR gegen die UdSSR am 08.10.1089 2 min
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Moral und Kampfgeist bewies die DDR-Nationalmannschaft im Spiel gegen den Ersten der WM-Quali-Gruppe, die Sowjetunion

02:18 min

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Hängende Köpfe nach dem Gegentreffer? Keine Spur! Die DDR-Auswahl schien von dem Spielstand geradezu angestachelt worden zu sein, kombinierte, machte großen Druck. Der umjubelte Ausgleich fiel nach einer Ecke und einem Kopfball von Ulf Kirsten. Andreas Thom war es, der die Kugel letztlich über die Linie drückte (81.). Der BFC-Stürmer war auch unmittelbar danach am 2:1 beteiligt: Thom legte mit Brust zu Matthias Sammer ab, der dann aus 18 Metern erfolgreich war (82.). Kurz vor Schluss lag sogar das 3:1 in der Luft, doch Thomas Doll scheiterte am zuvor häufig unsicheren Gäste-Torhüter Tschanow (87.).

WM-Qualifikation DDR gegen Sowjetunion - Ulf Kirsten (DDR, links) im Zweikampf mit  Sergey Aleynikov (Sowjetunion)
Ulf Kirsten im Zweikampf mit Sergej Alejnikow Bildrechte: Frank Kruczynski

DDR - Sowjetunion 2:1 (0:0)

Tore:
0:1 Litowtschenko (74.)
1:1 Thom (81.)
2:1 Sammer (82.)

DDR: Heyne – Stahmann, Kreer, Lindner, Döschner, Stübner, Sammer, Ernst (75. Doll), Steinmann (88. Weidemann), Kirsten, Thom

Sowjetunion: Tschanow – Chidijatullin, Bessonow, Kusnezow, Gorlukowitsch, Litowtschenko, Michailitschenko, Sawarow, Alejnikow, Protassow, Dobrowolski

Zuschauer: 15.900

Die bisherigen Spiele der DDR-Auswahl
19. Oktober 1988 DDR - Island 2:0
30. November1988 Türkei - DDR 3:1
12. April 1989 DDR - Türkei 0:2
26. April 1989 UdSSR - DDR 3:0
20. Mai 1989 DDR - Österreich 1:1
06. September 1989 Island - DDR 0:3
08. Oktober 1989 DDR - Sowjetunion 2:1
Die Tabelle
  Spiele Tore Punkte
1. UdSSR 7 9:4 9:5
2. Österreich 6 6:6 7:5
3. DDR 7 9:10 7:7
4. Island 8 6:11 6:10
5. Türkei 6 9:8 5:7

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 14. September 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 16:45 Uhr

2 Kommentare

Kiel_oben vor 5 Tagen

meinst vor 30 Jahrn

YAZID vor 5 Tagen

olle 30+ Spiele - damals war Lautern und HSV noch stark und an Jürgen Croy kam kaum jemand vorbei

Die Wende: Was in den letzten Tagen geschah

1. Oktober 1989

1. Oktober 1989

In verriegelten Zügen reisen Tausende Flüchtlinge aus Prag über die DDR in die BRD aus. +++ In der DDR wollen die Gründer des Neuen Forums gegen die Nichtzulassung vorgehen. Sie sind überrascht vom großen Interesse.

2. Oktober 1989

2. Oktober 1989

In Leipzig demonstrieren 20.000 Menschen. Die Losungen drehen sich um Freiheit, Hierbleiben und das Neue Forum. Erstmals wird "Wir sind das Volk!" gerufen - zur Polizei gerichtet. Es gibt Verletzte bei deren Eingreifen.

3. Oktober 1989

3. Oktober 1989

Die DDR schließt faktisch ihre Grenzen, indem sie den visafreien Reiseverkehr in die ČSSR aussetzt.

4. Oktober 1989

4. Oktober 1989

Weitere 7.000 DDR-Bürger in der BRD-Botschaft in Prag dürfen ausreisen. In Dresden wollen rund 10.000 Menschen auf die Flüchtlingszüge aufspringen. Es kommt zu einer Straßenschlacht.

6. Oktober 1989

6. Oktober 1989

In der "Leipziger Volkszeitung" lässt die Kampfgruppe mit Blick auf die bevorstehende Montagsdemo wissen, dass sie bereit sei, konterrevolutionäre Aktionen auch mit der Waffe in der Hand zu unterbinden.

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Bei den Feiern zum 40. Jahrestag der DDR kommt es in Berlin zu "Gorbi, hilf uns!"-Rufen. Nach Gesprächen mit Honecker sagte Gorbatschow sinngemäß: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"

7. Oktober 1989

7. Oktober 1989

In Plauen versammeln sich am Nachmittag des "Republik-Geburtstages" mind. 10.000 Menschen. Sie widerstehen der Polizeigewalt.

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In Berlin demonstrieren Jugendliche vor dem Palast der Republik. Es kommt wie in anderen Städten und am nächsten Tag zu schweren Übergriffen der Volkspolizei und Massenfestnahmen.