DDR-Oberliga - Die Wendesaison Drei Spiele Sperre für Lok-Trainer Thomale

27. Oktober 1989 | Sportgericht

Die Rote Karte für Trainer Hans-Ulrich Thomale am 8. Oberliga-Spieltag hat ernste Folgen: Die Rechtskommission des Deutschen Fußballverbandes (DFV) sperrte den Coach des 1. FC Lok Leipzig für drei Spiele. Thomale aber bleibt dabei, nichts getan zu haben.

Lok-Trainer Hans-Ulrich Thomale sah gegen den FCK die Rote Karte 5 min
Bildrechte: MDR/DRA

Der Auslöser des Streits war das 1:0 des FC Karl-Marx-Stadt gegen Lok durch Lutz Wienhold – möglicherweise aus einer Abseitsposition heraus. FIFA-Schiedsrichter Klaus Peschel jedenfalls gab das Tor, was Lok-Coach Thomale auf die Palme brachte. Was danach passierte, darüber gingen und gehen die Meinungen auseinander. Peschel erklärte hinterher, tätlich attackiert worden zu sein, und schickte Thomale mit einer Roten Karte aus dem Innenraum.

Widerspruch per Zeitungsinterview

Klaus Peschel
Schiri Klaus Peschel mit widersprüchlichen Aussagen Bildrechte: MDR/DRA

Thomale wehrte sich in einem Interview mit der FDJ-Zeitung "Junge Welt", sprach von "Verleumdungen" und beteuerte, er habe sich "zu keinerlei Tätlichkeiten hinreißen lassen". Peschel wiederum machte widersprüchliche Angaben. Dem "Sportecho" erklärte er, "zweimal vor die Brust" gestoßen worden zu sein, im DDR-Fernsehen sprach er davon, Thomale habe ihn "zwei Mal in den Rücken gestoßen".

Keine Gnade vom DFV

Hans-Ulrich Thomale
Thomale beteuert seine Unschuld Bildrechte: MDR/DRA

Die DFV-Rechtskommission sprach in ihrem Urteil letztlich nicht mehr von einer Tätlichkeit, sondern von einem "Wortwechsel verbunden mit Gestikulieren, der körperliche Berührungen mit dem Schiedsrichter zur Folge hatte". Das Urteil: ein Verweis und drei Pflichtspiele Sperre für Uli Thomale, sowie eine Geldstrafe für Lok von 500 Mark. Nichtsdestotrotz bleibt Thomale bei seiner Darstellung: Er sei Peschel weder angegangen, noch habe er ihn bedroht. Er habe auf das "klare Abseitstor" zwar "ungemein impulsiv" reagiert, "nicht jedoch ausfällig".

[Kommentar von Hans-Ulrich Thomale am 28.10.2019 bei Facebook: "Heute kann ich über den damaligen Vorgang schmunzeln. Wer mich näher kennt, weiß , dass ich zu dem stehe ,was ich persönlich zu verantworten habe . Wo ich absolut allergisch reagiere ,ist die Tatsache, wenn mir jemand was „unterjubeln„ möchte. Dies war in diesem Falle „Fakt“! Die Verhandlung mit dem anschließenden Urteil war etwas für das „Kuriositätenkabinett„.]

Dr. Karl-Heinz Benedix, Vorsitzender der Rechtskommission des Deutschen Fußballverbandes verliest das Urteil im Fall Uli Thomale
Verlesung des Urteils durch Dr. Karl-Heinz Benedix, Vorsitzender der DFV-Rechtskommission Bildrechte: MDR/DRA

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 05. Oktober 2019 | 16:30 Uhr

0 Kommentare