DDR-Oberliga - Die Wendesaison Dynamo-Spektakel, FCM-Nerven und ein Maxe-Jubiläum

28. April 1990 | 22. Spieltag

Die Oberliga-Saison 1989/90 ist auf der Zielgeraden. Noch liegt der 1. FC Magdeburg in Führung, geriet aber erneut ins Stolpern. Dynamo Dresden dagegen schoss Verfolger Berlin fast schon sensationell aus der Bahn. In einer Woche kommt es nun zum Showdown FCM gegen Dynamo. Am unteren Ende der Tabelle veränderte sich derweil nichts.

28. April 1990, Dynamo Dresden gegen FC Berlin (6:1), Dresdens Andreas Wagenhaus beim Kopfball
Dynamos Andreas Wagenhaus beim Kopfball Bildrechte: Frank Kruczynski

Dynamo Dresden – FC Berlin 6:1 (3:1)

Nach sage und schreibe fünf Spielen ohne Sieg (zwei Niederlagen, drei Remis) hat Dynamo Dresden endlich wieder einen Erfolg feiern dürfen.

28. April 1990, Dynamo Dresden gegen FC Berlin (6:1), Torsten Gütschow bejubelt den ersten seiner drei Treffer 3 min
Bildrechte: MDR/DRA

Und was für ein Erfolg das war: Der amtierende DDR-Meister kassierte gegen den FC Berlin erst den 0:1-Rückstand (Thomas Doll mit Durchsetzungsvermögen) und spielte dann die Gäste regelrecht an die Wand! Ein Fehler von FCB-Libero Frank Rohde leitete die Wende ein. Es folgten fünf weitere Dresdner Tore, drei davon durch Torsten Gütschow, der die Torschützenliste nun mit 15 Treffern souverän anführt. Das schönste Tor schoss diesmal aber Hans-Uwe Pilz.

1. FC Magdeburg - Stahl Brandenburg 1:1 (0:1)

28. April 1990, 1. FC Magdeburg - Stahl Brandenburg, Magdeburgs Peter Köhler hat das 1:1 erzielt 3 min
Bildrechte: MDR/DRA

Es war ein Jubiläum mit fadem Beigeschmack: Wolfgang „Maxe“ Steinbach (siehe Video) machte heute sein 333. Oberliga-Spiel, einen Sieg konnte er aber nicht feiern. Das Unheil nahm bereits nach zwei Minuten seinen Lauf, als ein Abschlag von FCM-Keeper Dirk Heyne direkt bei Eberhard Janotta landete, der den Ball aus knapp 40 Metern an den Pfosten setzte, und Frank Jeske konsequent zum 1:0 für Brandenburg nachsetzte. Die Führung war auch zur Pause verdient. Erst danach erhöhte Magdeburg den Druck und schaffte durch Peter Köhler den Ausgleich. Danach vergab Stahl wiederum zwei Chancen zum Siegtreffer. Der FCM rettete einen Punkt und damit die Tabellenführung. Aber nun wird es wirklich knapp!

FC Karl-Marx-Stadt – Bischofswerda 2:1 (1:0)

Magdeburgs zweiter Konkurrent neben Dynamo ist und bleibt der mit Dresden punktgleiche FC Karl-Marx-Stadt. Gegen das immer noch nicht entmutigte Schlusslicht spielte der FCK allerdings sehr verkrampft. Mann des Spiels war Steffen Heidrich, der mit einem Abstauber und einem Direktschuss für drei Punkte sorgte. Bischofswerda spielte gar nicht mal so schlecht, kam in der Schlussminute aber nur zum Anschlusstreffer. Vielleicht wäre sogar ein Punkt drin gewesen, hätte Roci Schiemann in der 87. Minute fünf Meter vor dem Kasten den Ball nicht verstolpert.

FC Carl Zeiss Jena – 1. FC Lok Leipzig 0:0

Verstolpert wurde der Ball auch im Duell Jena gegen Lok mehrmals. In der Regel war das bei den Gästen der Fall. Zehn Minuten vor Schluss verdaddelte der FCL sogar einen 3:1-Überzahl-Konter. Der Siegtreffer wäre auch verdient gewesen, denn die Leipziger hatten mehr und bessere Chancen als die Jenaer, die sehr defensiv auftraten und sich aufs Spielzerstören konzentrierten. Ein Hingucker war die Partie dadurch nun wirklich nicht.

Hansa Rostock – Eisenhüttenstadt 1:0 (0:0)

Sonderlich attraktiv war auch das Spiel im Rostocker Ostseestadion nicht. Beide Teams agierten weitgehend auf Augenhöhe. Überraschenderweise kamen die Gäste zu durchaus gleichwertigen Chancen. Der große Unterschied zwischen Hansa und Stahl heißt Rainer Jarohs: Der 32-Jährige spielte sehenswerte Pässe und zeigte in der 60. Minute seine Abschlussstärke, die am heutigen Tag auch noch spielentscheidend war.

HFC Chemie – Wismut Aue 3:1 (0:1)

Mit 15 Minuten Verspätung wurde die Partie angepfiffen: Aue hatte bei der Anreise am Hermsdorfer Kreuz im Stau festgehangen. Danach legten die zu spät gekommenen Gäste los wie die Feuerwehr. Stefan Persigehl erzielte die völlig verdiente Führung für die dominanten Auer. Dass diese am Ende nicht als Sieger vom Platz gingen, lag auch an Wismut-Keeper Jörg Weißflog, der nach einem harmlosen Schuss für Lutz Schülbe zum Ausgleich auflegte. Danach gelang Aue gar nichts mehr, und der HFC war obenauf. Zwei Torvorlagen von Dariusz Wosz wendeten auch ergebnistechnisch das Blatt.

Energie Cottbus – Rot-Weiß Erfurt 4:2 (1:1)

Das Beste kommt zum Schluss: Im Stadion der Freundschaft fand die packendste Partie des 22. Spieltages statt. Dabei war Cottbus vor allem mit Standards erfolgreich. Jörg Burows 2:1 war ein so sehenswerter wie unhaltbarer 20-m-Freistoß mit Effet. Bei Frank Lehmans Freistoßtor zum 3:2 half RWE-Keeper Hoffmeister mit. Das Tor des Tages allerdings erzielte der Erfurter Uwe Weidemann, der die komplette Cottbusser Abwehr überlief, dann einen Schuss andeutete und anschließend erfolgreich abschloss. Leider waren keine TV-Kameras im Stadion.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 02. Mai 2020 | 15:30 Uhr

1 Kommentar

Riesenberger vor 24 Wochen

Steffen Heidrich hat damals nur für zwei Punkte gesorgt, nicht für drei. Das war damals noch alles anders. (Tolle Zeiten: Wir werden am Ende Vizemeister - und der Schacht steigt ab. Würde gerne nochmal 30 Jahre jünger sein.)

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