Kopfball Spielszene mit mehreren Spielern
Bildrechte: Frank Kruczynski

Europapokal 1989 Drei Siege und eine bittere Hansa-Pleite

13. September 1989 | 1. Runde

Die Europapokal-Wettbewerbe sind gestartet. Für drei der vier DDR-Vertreter lief es recht gut: Dynamo Dresden und FC Karl-Marx-Stadt gewannen ihre Hinspiele ohne Gegentor, der BFC setzte sich auf Island durch. Hängende Köpfe gab es nur in Rostock, wo der FC Hansa eine 2:0-Führung verschenkte und verlor. Da muss im Rückspiel ein Wunder her.

Kopfball Spielszene mit mehreren Spielern
Bildrechte: Frank Kruczynski

Cup der Landesmeister
Dynamo Dresden – AEK Athen 1:0 (0:0)

Freistoß für Dresden, der zum Siegtor führt
Der entscheidende Freistoß Bildrechte: MDR/DRA

Die SG Dynamo hatte vor 33.000 Zuschauern im Dynamo-Stadion ordentlich zu tun. Erst musste der Ausfall von sechs Leistungsträgern (Kirsten, Pilz und Gütschow gesperrt, Trautmann, Hauptmann und Kirchner verletzt) kompensiert werden, was vorn herein ein Ding der Unmöglichkeit war. Dann kamen unfair attackierende und schauspielernde Griechen hinzu. Zu guter Letzt war da der Schiedsrichter, der die ganzen Unzulänglichkeiten der Gäste auch noch durchgehen ließ – um in der 74. Minute plötzlich eine ganz seltene Entscheidung zu treffen: Der portugiesische Referee pfiff einen Freistoß, weil Torhüter Ikonomopoulus beim Abschlag den Strafraum verlassen hatte. Frank Lieberam nutzte trickreich die Chance und machte das Tor des Abends für die fußballerisch diesmal limitierten, aber nie aufgebenden Dresdner.

Dresden: Teuber - Lieberam, Wagenhaus, Döschner, Diebitz, Schößler, Maucksch, Sammer, Stübner, Minge, Jähnig (61. Milde)

Athen: Ikonomopoulos - Papaionnou, Stamatis, Manolas, Koutoulas, Vasiloupoulos, Savevski, Savvidis, Okonski, Patikas (80. Peppes), Christodoulou (89. Batalis)

Tor: 1:0 Lieberam (75.)

Zuschauer: 33.000

Cup der Pokalsieger
Valur Reykjavik – BFC Dynamo 1:2 (1:0)

Sport

Rainer Ernst vom BFC Dynamo 3 min
Bildrechte: MDR/DRA

Eine Woche nach dem Länderspiel in Island (3:0) stand in Reykjavik nun wieder eine DDR-Mannschaft auf dem Rasen. Die Startprobleme des BFC waren allerdings ungleich größer als die der Auswahl. Nach vorn ging bei den Berlinern in der ersten Hälfte jedenfalls nur sehr wenig. Die Hintermannschaft um Libero Reich gestattete den recht defensiv eingestellten Gastgebern zwar nur eine Torchance, aber die bedeutete gleich mal das 0:1. In Hälfte zwei lief es dann deutlich besser. Dem kleinen Bonan gelang per Kopf (!) der Ausgleich, der von den Isländern im Vorfeld so gefürchtete Thom besorgte mit einem Schuss aus 20 m den Siegtreffer.

Reykjavik: Sigurdsson - Thrainsson, S. Jonsson, Petursson, Tomasson, Askelsson, Baldursson, I. Gudmundsson, Adolsson, L. Gudmundsson (75. Kirstjansson), Bragason

BFC: Rudwaleit - Reich, Ksienzyk, Herzog, Schulz, Köller, Fügner (60. Küttner), Ernst, Bonan, Doll, Thom

Tore: 1:0 Askelsson (36.)
1:1 Bonan (70.)
1:2 Thom (75.)

Zuschauer: 1.000

UEFA-Pokal
FC Karl-Marx-Stadt – Boavista Porto 1:0 (1:0)

Jubel über Sven Köhlers Siegtor
Freude über Sven Köhlers Tor Bildrechte: MDR/DRA

22 Jahre nach seinem bislang einzigen Europapokal-Abenteuer (1:3/1:2 gegen den RSC Anderlecht im Cup der Landesmeister) zeigte der FCK eine ansprechende Leistung. Von Nervosität war im Ernst-Thälmann-Stadion  nichts zu spüren. Eine gute Stunde lang waren die Karl-Marx-Städter das bessere Team und lagen durch das Tor von Sven Köhler verdient in Führung. Dass diese nicht ausgebaut wurde - Chancen dafür gab es mehrere -  hätte sich beinahe gerächt. Denn die oft sehr rüde agierenden Gäste bekamen am Ende gegen den kräftemäßig abbauenden FCK Oberwasser. In der Schlussminute hatte der Brasilianer Andrade die Großchance zum Ausgleich, der allerdings insgesamt unverdient gewesen wäre.

FCK: Schmidt - Müller, Bittermann, Seifert (29. Laudeley), Illing, Keller (69. Richter), Steinmann, Ziffert, Köhler, Mitzscherling, Heidrich

Porto: Pardao - Frederico, Jaime, Valdir, Garrido, Agatao (64. Parento), Isaias, Walker, Casaca, Carioca (77. Joao Pinto), Andrade

Tor: 1:0 Köhler (18.)

Zuschauer: 20.000

UEFA-Pokal
Hansa Rostock – Banik Ostrava 2:3 (2:0)

Foulelfmeter für Hansa Rostock
Foulelfmeter für Hansa Rostock Bildrechte: MDR/DRA

Eine ganz bittere Pleite erlebte der FC Hansa, der durch zwei Tore von Wahl mit einem komfortablem 2:0-Vorsprung in die Kabine gegangen war. Allerdings hatte der tschechoslowakische Vizemeister bereits in der ersten Halbzeit ab und zu seine Klasse gezeigt, dabei aber nur Latte und Pfosten getroffen. Nach dem Wechsel spielten die Gäste deutlich offensiver. Rostocks Abwehr geriet dabei immer mehr ins Schwimmen, wurde elegant ausgespielt oder überlaufen. Spielverlauf und das Ergebnis machen den Gedanken an eine zweite Europapokal-Runde absolut unrealistisch.

Rostock: Kunath - März, Rietentiet, Alms, Schulz (85. Leonhardt), Wahl, Schlünz, Weilandt, Babendererde, Jarohs (70. Fuchs), Röhrich

Ostrava: Miklosko - Kula, Skarabela, Stas, Vrto, Zalesky, Basta, Hyravy, Necas, Chylek (90. Fryc), Horvath (89. Fabri)

Tore: 1:0 Wahl (27.)
2:0 Wahl (37./Foulstrafstoß)
2:1 Kula (58.)
2:2 Hyravy (66.)
2:3 Horvath (75.)

Zuschauer: 20.000

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 14. September 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 16:20 Uhr

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