DDR-Oberliga - Die Wendesaison FCK verspielt in Aue die Chance zur Tabellenführung

4. Mai 1990 | 23. Spieltag

Will der FC Karl-Marx-Stadt überhaupt Meister werden? Die Nerven dazu haben die "Himmelblauen" offenbar nicht. Gegen den Tabellenvorletzten jedenfalls wurde nur ein Punkt geholt – mit viel Glück. Deutlich abgeklärter dagegen sind die Jenaer und Brandenburger. Die einen kamen einem EC-Platz wieder näher, die anderen haben den Klassenerhalt nun so gut wie in der Tasche.

Wismut Aue – FC Karl-Marx-Stadt 1:1 (1:0)

Zehn Tabellenplätze und 17 Punkte betrug der Abstand zwischen beiden Teams. Kampf um den Klassenerhalt gegen Titelchance. Auf dem Platz war von diesen völlig verschiedenen Welten nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Die "Veilchen" waren sogar das bessere Team, erwiesen sich aber als höfliche Gastgeber und beschenkten den FCK mit einem Eigentor: Uwe Bauer beförderte den Ball nach einer Flanke von Rico Steinmann aus elf Metern in den eigenen Kasten. Allerdings hatte auch beim 1:0 der Gegner mitgeholfen – FCK-Keeper Jens Schmidt wehrte einen 18-m-Schuss von Steffen Krauß zu kurz ab.

Bischofswerda – FC Carl Zeiss Jena 1:4 (1:1)

Effizienz ist ein Zauberwort, das die Fortschritt-Elf derzeit nicht über die Lippen bringt. Ganz anders die Jenaer: Sie machten aus fünf Chancen vier Tore und kamen so mit überschaubarem Aufwand zu zwei Punkten. Die könnten noch Gold wert sein, denn der begehrte EC-Startplatz ist nur noch zwei Punkte entfernt. Bischofswerdas Abstieg in die Liga hingegen dürfte kaum noch aufzuhalten sein. Als Buhmann des Tages wurde Schiri Reinhard Purz ausgemacht, der den Strafstoß zum 1:3 verhängte. Der Elfer machte zumindest vergessen, dass Fortschritts Keeper Jens Ramme großen Anteil am 1:2 hatte.

Rot-Weiß Erfurt – Hallescher FC 1:1 (1:0)

Effizienz, Teil 2: Auch der FC Rot-Weiß hat ein Problem, seine Chancen in Tore umzuwandeln. Gerade mal ein Treffer sprang trotz zahlreicher Möglichkeiten heraus. Schütze war mit Uwe Weidemann der mit Abstand beste Spieler auf dem Platz. Der immerhin bemühte HFC war übrigens nicht wirklich effizienter. Denn der glückliche Ausgleich war ein Eigentor von RWE-Torhüter Rainer Hoffmeister, der den von Lutz Schülbe aus spitzem Winkel geschossenen Ball mit den Fingerspitzen in den eigenen Kasten gelenkt hatte.

Eisenhüttenstadt – FC Berlin 1:1 (0:0)

Die Stahl-Elf steckt genau wie Erfurt noch immer im Abstiegskampf. Aber dieses 1:1 gegen die Berliner um Thomas Doll ist aller Ehren wert. Vielleicht wäre auch mehr drin gewesen, hätten die Gastgeber ihre Doppelchance in der 31. Minute genutzt. Da hatte der agile Timo Löhnert nur den Pfosten getroffen, danach scheiterte Heiko Lahn an FCB-Torwart Oskar Kosche. Mehr Glück hatte Stahl nach der Pause, als Karsten Schulz eine fast schon vergebene Großchance doch noch in ein Tor ummünzte. Die Freude wehrte aber nur kurz, denn wenig später konnte der antrittsschnelle Doll nur per Foul gestoppt werden. Der Nationalspieler verwandelte den fälligen Elfer selbst. Und damit wären auch schon fast alle Höhepunkte des Spiels beschrieben.

1. FC Lok Leipzig – Hansa Rostock 2:2 (1:1)

Was ist nur in Leipzig los? Beim EC-Finalisten von 1987 verloren sich nur noch 2.000 Zuschauer im Plache-Stadion. Die sahen dann ein qualitativ bescheidenes Spiel mit immerhin vier Toren und vielen Fouls. Ein Foul, das eher gar keines war, brachte zusätzliches Gift rein: Florian Weicherts Schwalbe nach sieben Minuten bescherte Hansa eine frühe Führung. Das späte 2:2 durch Joker Jürgen Rische war nicht unverdient. Wirklich wichtig war es aber auch nicht, denn tabellarisch sind beide Teams im gesicherten Niemandsland.

Brandenburg – Energie Cottbus 2:0 (1:0)

Angesichts des Zuschauerschwunds in Leipzig sind die 5.000 Besucher der Partie in Brandenburg durchaus bemerkenswert. Die Stahl-Elf hätte den Sack schon in der ersten Halbzeit zumachen können. Weil diverse Chancen vergeben wurden, musste zumindest etwas gezittert werden. Am deutlichsten lag der Ausgleich in der 51. Minute in der Luft, als Jörg Schwanke an die Latte köpfte. Timo Langes 2:0 nach Vorarbeit des wieder sehr passsicheren Eberhard Janotta war dann die Vorentscheidung – und wahrscheinlich auch der Klassenerhalt.

1. FC Magdeburg – Dynamo Dresden

Das sehnsüchtig erwartete Spitzenspiel FCM gegen Dynamo findet erst morgen statt (5. Mai, 17 Uhr). Gelingt Magdeburg eine Vorentscheidung im Titelkampf? Oder wendet Dresden einmal mehr das Blatt?

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. Mai 2020 | 16:30 Uhr

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