DDR-Oberliga - Die Wendesaison Jena, FCK und FC Berlin legen nach – Randale bei Hansa

03. März 1990 | 15. Spieltag

Zweiter Spieltag nach der Winterpause: Drei Mannschaften sind noch ohne Verlustpunkt. Dass Jena dazugehört, hat sicher nicht jeder erwartet. Eine kleine Überraschung ist auch, dass Herbstmeister FCM immer noch ohne Sieg ist – und mit dem FC Berlin im Nacken.

DDR-Oberliga 1989/90: Szene aus dem Spiel FCK gegen HFC, Torhüter Jens Adler wirft sich Steffen Heidrich entgegen.
Steffen Heidrich (FCK) im Duell mit Torhüter Jens Adler (HFC) Bildrechte: Frank Kruczynski

FC Karl-Marx-Stadt – HFC Chemie 4:0 (4:0)

In Torlaune ist derzeit der FCK. Den drei Toren vor einer Woche gegen Cottbus folgten nun vier gegen Halle.

DDR-Oberliga 1989/90: Szene aus dem Spiel FCK gegen HFC 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gefeierter Held war diesmal Steffen Heidrich, dem ein echter Hattrick gelang. Den vierten (bzw. ersten) Treffer besorgte Rico Steinmann, der offensiv wie defensiv wieder alles gab. Karl-Marx-Stadt spielte in der ersten Halbzeit wie aus einem Guss, schaltete zur Pause einen Gang zurück. Echte Großchancen ließ man gegen den HFC trotzdem nicht mehr zu.

FC Carl Zeiss Jena – Energie Cottbus 1:0 (0:0)

Die 3.200 Zuschauer in Jena sahen ein spannendes Spiel, das in der ersten Halbzeit völlig ausgeglichen war. Das entscheidende Tor fiel erst in Hälfte zwei: Jürgen Raab köpfte den Ball nach einer Flanke aus spitzem Winkel in den Kasten. Da der 31-Jährige und auch sein Teamkamerad Olaf Holetschek anschließend weitere gute Möglichkeiten vergaben, musste Jena bis zum Schluss um den Sieg zittern.

FC Berlin – Stahl Brandenburg 5:1 (3:0)

Eine durch und durch klare Angelegenheit war die Partie des FC Berlin gegen Stahl Brandenburg. Rund 15 Minuten hielten die Gäste halbwegs mit, dann wurden sie von Berlin an die Wand gespielt. Eine Augenweide waren wie in der Vorwoche die Soli von Thomas Doll, der hinterher den angeblich bevorstehenden Wechsel zu Hertha BSC dementierte. Am meisten gefeiert wurde übrigens das Tor von Waldemar Ksienzyk – der nach 172 Oberliga-Spielen erstmals erfolgreich war.

1. FC Lok Leipzig – FC Wismut Aue 2:1 (1:1)

Spielszene aus Lok Leipzig gegen Wismut Aue 1 min
Bildrechte: MDR/DRA

Der 1. FC Lok Leipzig hat sich gegen den FC Wismut Aue durchgesetzt. Das schönste Tor war zugleich das Siegtor.

00:33 min

https://www.mdr.de/sport/fussball/ddr-oberliga/video-384310.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Aufatmen bei den Fußball-Liebhabern: So eine Hackerei wie im Hinspiel gab es diesmal nicht. Fußballerische Feinkost war das aber trotzdem nicht. Bei Lok lag das sicher auch am Fehlen von Olaf Marschall und Frank Edmond (Gelbsperre) sowie Mathias Lindner und Ronald Kreer (verletzt). Held des Spiels war Jörg Wunderlich, der den Ball in der 84. Minute nach einem Halata-Freistoß spektakulär ins lange Eck "strahlte".

Dynamo Dresden – Bischofswerda 3:0 (1:0)

Erster gegen Letzter hieß das Duell in Dresden. Nach dieser simplen Konstellation sah es auf dem Rasen jedoch gar nicht aus. Denn Dynamo schaltete bereits nach dem frühen 1:0 durch Matthias Sammer ein bis zwei Gänge zurück. Das spielte den Gästen in die Karten, die nun richtig gut mithielten, sich aber nicht belohnten. Hinzu kam das Schicksal, das Kellerteams oft ereilt: Vorn will der Ball einfach nicht rein, und der Gegner trifft irregulär. Denn Kirstens vorentscheidendem 2:0 in der 87. Minute ging ein ungeahndetes Abseits voraus.

Hansa Rostock – 1. FC Magdeburg 0:0

Die Angst, den Anschluss an die Tabellenspitze zu verlieren, lähmte möglicherweise beide Teams. Hansa hatte leichte Vorteile, scheiterte aber immer wieder am gut aufgelegten FCM-Keeper Dirk Heyne. Die schwache zweite Halbzeit stand allerdings auch unter dem Eindruck der Vorkommnisse auf den Rängen des Ostsee-Stadions, wo Hamburger und Berliner Hooligans Jagd auf FCM-Fans machten. Die wenigen anwesenden Polizisten waren mit der Situation völlig überfordert.

Eisenhüttenstadt – Rot-Weiß Erfurt 2:2 (1:1)

Fußballerisch war das Geschehen auf dem Sportplatz der Hüttenwerker überschaubar. Stahl stand nach acht Remis in Folge und zwei anschließenden Niederlagen kurz vor einem Sieg. Doch Erfurt zeigte Moral und holte zwei Mal einen Rückstand auf. Vielbeachteter Mann des Spiels war trotzdem ein Eisenhüttenstädter: Bodo Rudwaleit stand erstmals im Tor der Stahl-Elf – nach über 12 Jahren und 313 Spielen für den BFC Dynamo.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 07. März 2020 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

Antikommunist vor 18 Wochen

Bilder aus einer ehrlicheren Zeit.

Marcel vor 18 Wochen

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