DDR-Oberliga - Die Wendesaison Jena mit Sensation in Dresden – Lok punktet beim FCM

23. März 1990 | 18. Spieltag

Erdbeben in Dresden: Der FC Carl Zeiss Jena hat Meister und Tabellenführer zum Auftakt des 18. Oberliga-Spieltages ordentlich vorgeführt. Dynamos ärgster Verfolger konnte das nicht umfänglich nutzen: Auch der FCM konnte zu Hause nicht gewinnen. Etwas besser lief es für den FCK.

Spielszene vom 18. Spieltag der DDR-Oberliga am 23./24. März 1990
Jena trifft in Dresden und jubelt. Bildrechte: MDR/DRA

Dynamo Dresden - Carl Zeiss Jena 0:4 (0:1)

Spielszene vom 18. Spieltag der DDR-Oberliga am 23./24. März 1990 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit dem Wort „Sensation“ sollte man vorsichtig umgehen, aber die statistischen Voraussetzungen dafür stimmten: Dynamo hatte bis jetzt alle acht Heimspieler in dieser Saison gewonnen, Jena hingegen in acht Auswärtspartien nur drei Tore erzielt. Der Sieg des FCC in Elbflorenz war jedenfalls nicht nur überraschend, sondern auch völlig verdient. Denn das Team von Trainer Bernd Stange war vor 17.000 (!) Zuschauern nicht nur kämpferisch besser, sondern glänzte auch spielerisch. Bei Dynamo hingegen klappte nur wenig. Hinzu kam auch noch Pech: Beim 0:3 verletzte sich Torhüter Ronny Teuber, sodass Libero Andreas Wagenhaus in den Kasten und auch er hinter sich greifen musste. 

1. FC Magdeburg - 1. FC Lok Leipzig 2:2 (1:1)

Spielszene vom 18. Spieltag der DDR-Oberliga am 23./24. März 1990 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da war er wieder, der Finger! FCM-Stürmer Uwe Rösler hat auch im Rückspiel seinem Ex-Klub Lok einen eingeschenkt. Diesmal allerdings reichte es nicht für einen Sieg. Das lag am deutlich besser eingestellten 1. FC Lok, für den sich der Trainerwechsel von Uli Thomale zu Gunter Böhme vielleicht schon ausgezahlt hat, denn der Sinkflug ist mit diesem Punktgewinn beim Tabellenzweiten vorerst gestoppt. Es war angesichts des späten Magdeburger Ausgleichs (Kopfball von Wuckel nach Freistoß) sogar mehr drin – andererseits geht das 2:2 insgesamt völlig in Ordnung.

FC Karl-Marx-Stadt - Hansa Rostock 1:0 (0:0)

Vier Tore hätten auch die 6.550 Zuschauer der dritten Abendpartie gesehen. Ihnen wurde aber nur eines gegönnt. Das aber hatte es in sich: Rico Steinmann setzte den Ball aus etwa 20 Metern an den linken Pfosten, und der vier Minuten zuvor eingewechselte 20 Jahre alte Arnd Spranger staubte zum 1:0 ab. Der Treffer tat dem vor allem in der ersten Halbzeit unansehnlichen und chancenfreien Spiel gut. Hansa tat nun endlich mehr nach vorn, was dem FCK mehr Räume brachte. Am Ende hätten die Sachsen noch höher gewinnen können.

Durch den Sieg rutschte der FCK auf Rang drei hoch. Der FC Berlin kann aber noch nachziehen – und mit einem Sieg gegen Cottbus dem Führungsduo Dynamo/FCM noch näher auf die Pelle rücken.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 29. März 2020 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2020, 19:45 Uhr

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Die Wende: Was in den letzten Tagen geschah

18. März 1990

Volkskammerwahl

In einem Wahllokal im Prenzlauer Berg gibt der Vorsitzende der DDR-SPD, Ibrahim Böhme, seine Stimme ab. Viele Journalisten sehen in ihm den Wahlsieger und künftigen Ministerpräsidenten.

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Um 18 Uhr schließen die Wahllokale in der ganzen Republik - die Stimmenauszählung beginnt. Die ersten freien Wahlen stehen unter Beobachtung einer Kommission der Europäischen Gemeinschaft.

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Die Hochrechnungen um 23 Uhr bestätigen: die CDU ist mit 40,4% der Wahlsieger. Die SPD, weit abgeschlagen, erzielt 22,3%, die PDS 17,03%, die Liberalen 4,9%, Bündnis 90 2,9 %.

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DDR-Bürger haben die D-Mark und eine schnelle Wiedervereinigung gewählt. Der künftige Ministerpräsident, Lothar de Maizière: "Ich hoffe, dass wir schon im Sommer mit richtigem Geld reisen können."