Fußball | Jubiläum Lok-Legende Henning Frenzel wird 80: "Herr Buschner war ein bisschen böse"

Sein letztes Tor für den 1. FC Lok Leipzig ist gerade einmal 18 Jahre her: Am Dienstag feiert Henning Frenzel seinen 80. Geburtstag. Der Offensivallrounder avancierte zu einem der besten DDR-Oberliga-Torjäger, jedoch verzichtete Nationaltrainer Georg Buschner bei der WM 1974 auf den gebürtigen Geithainer.

Der Leipziger Kapitän Henning Frenzel mit Ball, li. Gerd Heidler, re. Udo Schmuck (FDGB-Pokalfinale 1977)
Lok-Kapitän Henning Frenzel zwischen den Dresdnern Gerd Heidler (li.) und Udo Schmuck (re.) beim FDGB-Pokalfinale 1977, das Dynamo mit 3:2 gewann. Als Frenzel in der 73. Minute ausgewechselt wurde, führte Lok noch mit 2:1. Bildrechte: IMAGO / Werner Schulze

Am 3. Mai 2022 feiert eine Legende des 1. FC Lokomotive Leipzig einen runden Geburtstag: Henning Frenzel wird 80. Der einstige Edeltechniker absolvierte 420 Partien in der DDR-Oberliga und erzielte dabei 152 Tore – in der ewigen Torjägerliste der Oberliga belegt Frenzel damit Platz vier.

Zwei feste Termine im Bruno-Plache-Stadion

Auch wenn es ein runder Geburtstag ist – gefeiert wird heute "ganz normal", verrät der Jubilar im Gespräch mit "Sport im Osten". Zumal "die Kinder arbeiten müssen, sie kommen erst am Wochenende". Wird dann groß aufgetischt? "Ach wo", sagt der gebürtige Geithainer, der immer noch Stammgast beim 1. FC Lok ist und sich, "wenn ich Zeit habe", kein Regionalliga-Spiel in Probstheida entgehen lässt. Einen festen Termin im Bruno-Plache-Stadion in der Woche hat er ohnehin: Dienstag zum Training der alten Herren, "wenn es die Gesundheit zulässt", mit anschließendem Sauna-Gang. Seit zig Jahren pflegen die Lok-Legenden dieses Ritual.

Michael Ballack (Chemnitz) und Henning Frenzel (Lok)
Henning Frenzel streichelt noch immer den Ball: Hier 2018 bei einem Hallenturnier der Traditionsmannschaften im Duell mit CFC-Akteur Michael Ballack, dem frühen Kapitän des DFB-Teams. Bildrechte: IMAGO / Picture Point

Pokalheld und drei Tore gegen "Oranje" – 1974 WM-Aus

Auf seine Lieblingstore mag er sich kaum festlegen. Spektakulär war sein 3:0-Heber fast von der Grundlinie im UEFA-Cup-Rückspiel 1973 im deutsch-deutschen Duell gegen Fortuna Düsseldorf. Wichtig seine beiden Treffer im FDGB-Pokalfinale 1976 gegen den FC Vorwärts Frankfurt/Oder (3:0). Nach drei Endspiel-Niederlagen der ersehnte Titel mit Lok.

Mit der Nationalmannschaft hatte er bereits 1964 in Tokio Olympia-Bronze gewonnen. Drei Jahre später sorgte er mit drei Toren im EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande für die Wende, nach einem 0:2 hieß es so noch 4:3. In 56 DDR-Länderspielen gelangen Henning Frenzel, der zunächst als Mittelstürmer und dann als offensiver Mittelfeldakteur eingesetzt worden war, immerhin 19 Treffer. Zur WM 1974 in der BRD reichte es nicht, auch wenn er zuvor Lok ins UEFA-Cup-Halbfinale geführt hatte: "Herr Buschner war ein bisschen böse, dass ich 1966 nicht nach Jena gekommen bin", so Frenzel über den damaligen DDR-Nationaltrainer Georg Buschner, der bis 1970 den FC Carl Zeiss Jena trainiert hatte, und der den Leipziger dann kurz vor der WM ausbootete.

Henning Frenzel
Henning Frenzel im Trikot der DDR-Nationalmannschaft. Bildrechte: IMAGO / Werner Schulze

Lok-Torschütze mit 62 Jahren

Seinem Karriereende 1978 ließ Henning Frenzel 2004 noch ein kurioses Intermezzo folgen: Mit 62 (!) wurde er vom damaligen Lok-Trainer und ehemaligen Mitspieler Rainer Lisiewicz zum Comeback überredet. Das war 2004 beim Neustart des 1. FC Lok. Und so wurde der DDR-Oberliga-Torschützenkönig von 1966 in der 3. Kreisklasse gegen die Paunsdorf Devils nach einer Stunde eingewechselt. Der Senior traf gegen die verdutzten Jungspunde beim 20:0 zum zwischenzeitlichen 16:0 (80.).

Blick auf das Regionalliga-Duell am Sonnabend

Und sein Tipp für das anstehende Prestigeduell der Blau-Gelben beim Erzrivalen? "Das Wichtigste ist, dass es ruhig bleibt, alles andere wird sich ergeben", so Henning Frenzel vor dem Regionalliga-Ortsderby BSG Chemie gegen den 1. FC Lok Leipzig am Sonnabend (7. Mai, 15:30 Uhr live im MDR-Fernsehen und in der "Sport im Osten"-App).

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cke

19.08.1978 - Henning Frenzel im Interview 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
19.08.1978 - Henning Frenzel im Interview 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 07. Mai 2022 | 15:30 Uhr

5 Kommentare

Feldspieler vor 29 Wochen

Herzlichen Glückwunsch und Alles Gute!
Das Henning Frenzel in Leipzig geblieben ist und nicht nach Jena ging, hat noch heute meinen großen Respekt! Ein echter Blau-Gelber! Hoch soll er leben!

Andy Krisst vor 29 Wochen

Alles Gute, Henning!
Für mich warst Du der beste DDR- Fußballer! Und das Henning nicht zur WM74 durfte, haben die Lok - Fans Buschner nie verziehen. Hennings Abschied im Bruno 78(ich war dabei!) war ein rauschendes Fest...das Stadion ein einziges Blumenmeer. Es war überwältigend! Da war es egal, dass wir dann gegen Jena baden gingen. Übrigens, eine gewisser Georg Buschner war im Gratulationscour...das gellende Pfeifkonzert muss man noch in Gohlis gehört haben!
Auch an das Tor gegen Fortuna erinnere ich mich noch gut...ein irre gutes Kabinettstück und das Zentralstadion tobte!
Und in Abwandlung an Muhammed Ali----HENNING, THE GREATEST!

Feldspieler vor 29 Wochen

Genau so!