Fußball | Juliläum René Müller - eine Torwartlegende wird 60

60 Jahre. Für den früheren Weltklasse-Torhüter René Müller ist das nur eine Zahl. Am 11. Februar feiert der Sachse, der seit sieben Jahren als Talentscout für Borussia Mönchengladbach unterwegs ist, dieses Jubiläum.

von Uwe Karte & Ronny Eichhorn

Rene Müller 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sa 09.02.2019 11:36Uhr 08:29 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-273374.html

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Vor den Toren von Leipzig begann die Karriere des Fußball-Torhüters René Müller. Bei der BSG Aktivist Markkleeberg. "Ich hatte eine wunderschöne Kindheit. Fußball galt damals ja als asozial. Mein Opa hat die Leidenschaft auf mich übertragen, mich als Dreijährigen schon mit zu den Alten Herren genommen“, erinnert sich Müller, der nach eigenem Bekunden ohnehin nie still sitzen konnte.

Doch was hat den jungen Burschen angetrieben, unbedingt Fußballer werden zu wollen? "Es war ein U14-Länderspiel in Wembley vor 100.000 Zuschauern. Und auch Lok Leipzig im Jahr 1973/74, die im Europacup einige Topteams rausgeschmissen hatten."

René Müller - Bilder einer bewegten Fußballer-Karriere

Parade von Torhüter Rene Müller (Leipzig), Beobachter sind hinten (v.r.n.l.): Wolfgang Altmann (Leipzig), Rudi Völler (Bremen), Thomas Dennstedt (Leipzig), Bruno Pezzey (Bremen) und Hans-Jürgen Kinne (Leipzig).
1983 kam es im UEA-Cup zu einem deutsch-deutschen Duell gegen Werder Bremen. Lok siegte übrigens. Hier im Bild: Torhüter Rene Müller (Leipzig), Beobachter sind hinten (v.r.n.l.): Wolfgang Altmann (Leipzig), Rudi Völler (Bremen), Thomas Dennstedt (Leipzig), Bruno Pezzey (Bremen) und Hans-Jürgen Kinne (Leipzig). Bildrechte: Frank Kruczynski
Parade von Torhüter Rene Müller (Leipzig), Beobachter sind hinten (v.r.n.l.): Wolfgang Altmann (Leipzig), Rudi Völler (Bremen), Thomas Dennstedt (Leipzig), Bruno Pezzey (Bremen) und Hans-Jürgen Kinne (Leipzig).
1983 kam es im UEA-Cup zu einem deutsch-deutschen Duell gegen Werder Bremen. Lok siegte übrigens. Hier im Bild: Torhüter Rene Müller (Leipzig), Beobachter sind hinten (v.r.n.l.): Wolfgang Altmann (Leipzig), Rudi Völler (Bremen), Thomas Dennstedt (Leipzig), Bruno Pezzey (Bremen) und Hans-Jürgen Kinne (Leipzig). Bildrechte: Frank Kruczynski
Torhüter Rene Müller (1.FC Lok Leipzig)
René Müller hier im Oberligaduell des 1. FC Lok Leipzig gegen Dynamo Dresden. Bildrechte: Frank Kruczynski
1. FC Lokomotive Leipzig (in Gelb) gegen Girondins de Bordeaux: Einmarsch im Zentralstadion Leipzig
Das große Europapokal-Jahr des 1. FC Lok Leipzig: Im Halbfinale kommt es vor 100.000 zum Duell gegen Girondins Bordeaux. Bildrechte: IMAGO
Tor zum 0:1 durch Marco Van Basten (Ajax, weiß) gegen Torwart Rene Müller (Leipzig).
Zum ganz großen Triumph reichte es aber nicht ganz. Marco Van Basten erzielt das Siegtor für Amsterdam. Bildrechte: imago/WEREK
Torhüter Rene Müller im Tor von FC Sachsen Leipzig 1990
In der wilden Wendezeit wechselte Müller zum Lokalrivalen FC Sachsen Leipzig. Bildrechte: Frank Kruczynski
DDR-Auswahltorhüter Rene Müller (1.FC Lok Leipzig) 1985
1984 löste René Müller den Berliner Bodo Rudwaleit im Tor der DDR-Nationalmannschaft ab. Insgesamt brachte er es auf 46 A-Länderspiele. Bildrechte: Frank Kruczynski
Leipzigs Torhüter Rene Müller holt sich den Ball aus der Luft.
René Müller schlug mit seinem 1. FC Lok Leipzig viele Europapokal-Schlachten. HIer ist der Keeper im Einsatz gegen Swansea City. Bildrechte: Frank Kruczynski
Freude bei Torhüter Rene Müller, beim Spiel Lokomotive Leipzig vs. Girondins Bordeaux 1987 in Leipzig.
Und René Müller war der Held, nach dem verwandelten Elfmeter ist der Schlussmann der Leipziger der umjubelte Spieler. Bildrechte: IMAGO
Europa Cup Finale zwischen Ajax and Lokomotive Leipzig
Dann das Finale von Athen: Lok Leipzig bekam es mit Ajax Amsterdam zu tun. Bildrechte: IMAGO
Trainer Rene Müller (Leipzig)
Erstes Bundesligaspiel für den VfB Leipzig gegen Dynamo Dresden. René Müller war zu dieser Zeit Ersatzkeeper bei den Schwarz-Gelben. Bildrechte: Frank Kruczynski
Thomas Vogel (2.v.li.) und Tom Dooley (beide Lautern) gegen die Dresdner Andreas Wagenhaus, Ralf Hauptmann, Torwart Rene Müller und Jens Melzig (alle Dresden, v.re.)
Für Dynamo im Einsatz: René Müller gegen den 1. FC Kaiserslautern. Bildrechte: imago/Kicker/Liedel
Halles Trainer Rene Müller (rechts) mit Gordon Weniger.
Als Cheftrainer blickt Müller auf die Stationen VFC Plauen, FC Rot-Weiß Erfurt und Hallescher FC zurück. Bildrechte: Frank Kruczynski
René Müller
Bildrechte: imago/Picture Point
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Große Zeit bei Lok und in der DDR-Elf

Nach der Delegierung zum 1. FC Lok Leipzig stand Müller mit 18 erstmals zwischen den Pfosten des DDR-Oberligisten. Danach musste er zweieinhalb Jahre warten. Ab 1979 war er Stammkeeper, brachte es auf 39 Europacup- und 264 Oberligaspiele für die "Loksche". Und stand insgesamt 46 Mal im Tor der DDR-Nationalmannschaft. Doch wenn es um seine großen Erfolge geht, schränkt Müller ein: "Ein Torwart kann nur Weltspitze sein, wenn er in einer guten Mannschaft spielt. Darum waren die größten Torhüter auch in großen Mannschaften. Ich habe von meiner Mannschaft profitiert. Große Anzahl guter Spieler um sich und zur richtigen Zeit den richtigen Trainer."

DDR-Auswahltorhüter Rene Müller (1.FC Lok Leipzig) 1985
DDR-Auswahltorhüter Rene Müller 1985 Bildrechte: Frank Kruczynski

Fast das Karriereende 1984

Doch im Jahr 1984 hätte das Kapitel Fußball für René Müller bereits geschlossen sein können. Was war geschehen? Auf einer Länderspielreise in Schweden wurde Müller völlig unerwartet nach Hause geschickt worden. Hintergrund: Es gab Gerüchte, dass der Auswahl-Keeper die DDR verraten wollen würde. Eine frei erfundene Geschichte, die aber erhebliche Konsequenzen hätte haben können. Müller hatte Glück, ein Brief von DTSB-Chef Manfred Ewald an Egon Krenz rettete den Keeper. Der Gedanke, die DDR auf illegalem Weg zu verlassen, war Müller stets fremd. Offiziell wäre er dagegen gern gewechselt. 1987 zum Beispiel zu Werder Bremen. Doch das war damals mit den DDR-Verantwortlichen nicht machbar.  

alte Tv Bilder Fußball, DDR 1 min
Bildrechte: Sport aktuell | 02.08.1987

So 02.08.1987 22:16Uhr 01:26 min

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Rechte: Deutsches Rundfunkarchiv

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Ein magischer Abend

Dass es überhaupt diese tollen Jahre beim 1. FC Lok Leipzig gegeben hat, lag mit Sicherheit auch an Trainer Uli Thomale. "Wir sind dadurch wieder aktiviert und motiviert worden.“ Und Berühmtheit erlangte der nur 1,80 Meter große Schlussmann in jenem April 1987, als er im Europacup-Halbfinale gegen Girondins Bordeaux den entscheidenden Elfmeter in den linken oberen Winkel hämmerte und damit die Endspiel-Tür für Lok aufstieß. Sein damals erster Kommentar im DDR-Fernsehen: "Ich habe noch nie einen Elfmeter geschossen. Ich habe einfach draufgehauen."

Fußballspieler jubeln 7 min
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Mo 04.02.2019 17:57Uhr 07:06 min

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Stimmte nicht ganz. 1984 hatte er in Bielefeld bei einem Turnier gegen die Arminia einen Elfmeter versemmelt. Das Zeichen, dass er den Elfer im Europapokal-Halbfinale machen soll, kam von Trainer Thomale. "Ich hatte einen gehalten, das Zeichen gesehen, den Ball genommen und ihn reingemacht."  Es war für Lok und Müller die erfolgreichste Saison. Die Leipziger gewannen den FDGB-Pokal, wie schon 1981 und 1986, und scheiterten erst an Ajax Amsterdam im Europapokal.

Als René Müller Stürmer spielte

Ein Jahr später standen die Leipziger sogar dicht vor der Meisterschaft, wurden am Ende nur wegen der schlechteren Tordifferenz Zweiter hinter dem BFC Dynamo. Nicht so gern erinnert sich Müller an den 24. Spieltag, als er in den letzten Minuten sogar als Stürmer auf dem Platz stand. Dieter Kühn musste damals in der 85. Minute raus, dafür kam Ersatzkeeper Joachim Nicklasch ins Tor und Müller in die Offensive. "Wir wollten was Verrücktes machen, womit niemand rechnete. Ich habe mich bei Zwecke Kühn entschuldigt. Das habe ich jahrelang mit mir herumgetragen. Er hat mir verziehen", so Müller.

René Müller 1 min
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Mi 06.02.2019 15:31Uhr 00:48 min

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Nachwendezeit bei Dynamo - Ende auf St. Pauli

Nach der Wende mit knapp über 30 kamen nach einem chaotischen Jahr beim FC Sachsen Leipzig noch weitere drei bei Bundesligist Dynamo Dresden und eins beim FC St. Pauli. "Dresden war ein schöner Abschluss bis auf den Abschied. Man meldete sich nicht zu Vertragsgesprächen. 4 Uhr habe ich den Schrank geräumt und bin nach Hause. Zudem wurde öfter nachgetreten." Auf St. Pauli machte Müller nur noch wenige Spiele, das letzte am 16. September 1994 ausgerechnet gegen Lok-Nachfolger VfB Leipzig. "Da bekam ich ein Tor durch die Beine. Das war der Tod."

Thomas Vogel (2.v.li.) und Tom Dooley (beide Lautern) gegen die Dresdner Andreas Wagenhaus, Ralf Hauptmann, Torwart Rene Müller und Jens Melzig (alle Dresden, v.re.)
René Müller in Aktion für die SG Dynamo Dresden Bildrechte: imago/Kicker/Liedel

"Seele des Fußballs wird verkauft"

Los vom Fußball kam er aber nicht, arbeitete zwischenzeitlich beim VfB in Leipzig-Probstheida als Torwart- und Co-Trainer. Den größten Erfolg feierte Müller als Trainer mit dem FC Rot-Weiß Erfurt. 2004 stieg er mit den Thüringern in die 2. Bundesliga auf. Zuletzt und bis heute ist er Scout bei Borussia Mönchengladbach. Den heutigen Fußball sieht Müller nüchtern: "Die große Zäsur war das Bosman-Urteil. Heute verdient der Händler das Geld, nicht der, der ausbildet. Es ist der Verkauf des Fußballs. Und die Seele wird bis zum letzten Stück weiterverkauft."

René Müller 1 min
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Mi 06.02.2019 15:26Uhr 00:40 min

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Ich war nie die Feierkanone. Das muss passieren.

René Müller

 Keine große Party zum 60.

Und jetzt die 60, am 11. Februar. Da wird sicher groß gefeiert. Nein, sagt Müller. "Ich war nie die Feierkanone. Das muss passieren, wie beim Pokalsieg 1986 – aus dem Nichts. Dann gibt es kein Halten. Das muss ich nicht erzwingen. Geplant und zwanghaft macht mir keinen Spaß." Eben ein echter René Müller. Glückwunsch.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 09. Februar 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 18:14 Uhr

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7 Kommentare

11.02.2019 19:11 wicky 67 7

Auch ich möchte Dir, lieber René Müller, die aller herzlichsten Glückwünsche zu Deinen runden Geburtstag übersenden! Speziell in den 80-er-Jahren hast Du als einer der besten Torhüter der Welt, dem DDR-Fußball international mit Lok Leipzig, und dem Pokalfinale im Europapokal 1987 einen neuen Namen, sowie auch ein neues Gesicht verliehen! Aber auch viele Jahre nach der Wende hattest Du als Torwart bei der SGD, sowie auch als Trainer bei Rot-Weiss Erfurt als großartiger Sportsmann Deine Glanzpunkte gesetzt! Als Fan von Rot-Weiss Erfurt möchte ich Dir heute noch Danke dafür sagen, daß Du uns im Frühling 2004 gegen Saarbrücken, zum unvergesslichen Aufstieg in die zweite Fußball-Bundesliga geholfen hast! Einer der schönsten Momente für mich als RWE-Fan!!! ;-) Für Dein weiteres Leben wünsche ich Dir alles erdenklich Gute!!! ;-)
Ganz ganz Liebe Grüße aus Thüringen!!! ;-)

11.02.2019 10:26 insider 6

Glückwunsch Rene Müller. Ein grosser des Sports und auch in guter Erinnerung beim FC Rot Weiss Erfurt. Seine Gedanken zur heutigen Fussballwelt sind traurige Realtität. Einen nicht unerheblichen Beitrag zu diesem perfiden Spiel leisten die Medienschaffenden.

10.02.2019 13:26 Hans Beer 5

GLückwunsch Rene Müller, Du warst ein Großer des Leipziger Fußballs - weit über das kleine Probstheida hinaus. Ende der 80iger Jahre haben Dir und der Lok auch viele Chemie-Fans die Daumen gedrückt! Alles Gute, Deine Gedanken zur Entwicklung des Fußballs sind absolut zutreffend.

10.02.2019 11:14 G. 4

....und seine coolen Dropkick-Abschläge immer ;-)

10.02.2019 10:31 Sabrina 3

Müller:
"Mein Kopf sagt zwar auch mit fast 60: Du kannst alles! Auf den ersten Blick geht das auch noch, wenn man einigermaßen sein Gewicht gehalten hat und beweglich ist – nur die Gelenke sind so kaputt, dass sich das böse rächen würde. Man müsste wenigstens zweimal pro Woche trainieren, um noch etwas spielen zu können. Jetzt beschränkt sich das bei mir auf Gymnastik oder schnelles Spazierengehen. Ich muss mir auch nichts mehr beweisen, habe mich auf der Wiese ausgetobt. Ich möchte nicht, dass mich meine Frau schiebt, will auch künstlichen Gelenken aus dem Wege gehen."
Q: Sportbuzzer: „Ich muss mir nichts mehr beweisen.

Glückwunsch zum 60.

Ich gehöre auch zu denen, die ihn bewundert haben.
Allerdings muss ich da ein wenig davon abrücken. Wer sich des Jobs wegen seine Gesundheit ruiniert ist definitiv kein Vorbild.
Hartmut Pelka ist an Nierenversagen verstorben. Hat er unter Schmerzmitteln gespielt?

10.02.2019 09:04 G. 2

Als Torwart war er für mich ein Vorbild. Und als Trainer hat er uns in Erfurt alle glücklich gemacht. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag!

09.02.2019 19:00 Bolzplatz Kind 1

Glückwunsch zum Ehrentag

Videos zu René Müller und Lok

alte Tv Bilder Fußball, DDR emblem 1. FC Lokomotive Leipzig 4 min
Bildrechte: Sport aktuell | 12.08.1984
transparent

"Forsch und ehrgeizig", beschreibt Lok-Trainer Heinz Joerk den 23-jährigen Frank Baum - von seinen Fans auch "die Sichel von Probstheida" genannt.

So 31.08.1980 22:41Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/damals/archiv/video91156.html

Rechte: Deutsches Rundfunkarchiv

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