Reinhard Häfner, Eduard Geyer und Dr. Wolfgang Klein
Co-Trainer Reinhard Häfner und Cheftrainer, Eduard Geyer, dazu Teamarzt Dr. Wolfgang Klein (v.l.) Bildrechte: imago/Kicker/Eissner

Fußball | Historie Zeitenwende im DDR-Fußball - als Dynamo Dresden wieder oben auf war

Die Meisterfrage war in der DDR-Oberliga zehn lange Jahre meist vor der Saison schon geklärt. Doch im Spieljahr 1988/89 deutete sich Unerhörtes an: Dynamo Dresden schickte sich an, den ungeliebten BFC Dynamo abzulösen.

Reinhard Häfner, Eduard Geyer und Dr. Wolfgang Klein
Co-Trainer Reinhard Häfner und Cheftrainer, Eduard Geyer, dazu Teamarzt Dr. Wolfgang Klein (v.l.) Bildrechte: imago/Kicker/Eissner

Zeitenwende im DDR-Fußball! Nach zehn Jahren ununterbrochener Meisterschaft für den ungeliebten BFC Dynamo deutet bei Halbzeit der Saison 1988/89 alles darauf hin, dass es einen neuen Meister geben wird. Dynamo Dresden steht nach 13 Spielen mit nur zwei Verlustpunkten an der Spitze, stattliche acht Punkte vor der Konkurrenz aus Leipzig und Rostock, sogar neun vor dem BFC.

Dynamo in Liga und Europapokal stark

Es war eine unglaubliche Halbserie für die Schwarz-Gelben. In der Meisterschaft wurde nur ein Spiel verloren, am dritten Spieltag gab es gegen Hans Meyers FC Karl-Marx Stadt ein 3:4. Auch im Europacup mischte Dynamo noch kräftig mit. Da stand das Viertelfinalspiel gegen Victoria Bukarest auf dem Programm. Im Herbst waren der FC Aberdeen, KSV Waregem und AS Rom überzeugend aus dem Weg geräumt worden. Nach dem Ziel für die Rückrunde gefragt, antwortete Dynamo-Coach Eduard Geyer im "Fußball-Panorama": "Wir wollen den Meistertitel holen und im Europapokal das Halbfinale erreichen.“

DDR Fussball Oberliga Cottbus 05.08.1989 Supercup,  4:1, Rainer Ernst (BFC Dynamo, li.) gegen Andreas Trautmann (Dresden)
Rainer Ernst (BFC Dynamo, li.) gegen Andreas Trautmann (Dresden) hier beim 4:1 im Supercup am 5. August 1989. Bildrechte: imago/Camera 4

Lok mit Serie nach Fehlstart

Der 1. FC Lok Leipzig hatte ebenfalls eine unglaubliche Hinrunde hinter sich. Nach einem Fehlstart und 4:10 Punkten gelangen den Messestädtern sechs Siege in Folge, darunter ein überzeugendes 2:0 beim BFC Dynamo. Trainer Ulli Thomale warnte aber: "Ich hoffe, dass wir nicht nochmal so schlecht starten. Wir sind Zweiter, die Mannschaften hinter uns haben nicht viel weniger Punkte als wir. Wir wähnen uns nicht so sicher."

BFC nur im geschlagenen Feld

Was war aber mit Abonnement-Meister BFC Dynamo? Der fand sich nur auf Rang vier wieder, kassierte bereits drei Niederlagen. In der Meisterschaft zeigte das Team von Trainer Jürgen Bogs ungewohnte Schwächen. Der Coach gab zur Halbzeit der Saison aber noch nichts verloren: "Dynamo Dresden wird es nicht so einfach gemacht, wie in der zweiten Halbserie."

Die Dresdner Meisterelf mit einem Löschfahrzeug auf der Ehrenrunde: Matthias Döschner (vorn) und Ulf Kirsten (li.) mit einem Feuerwehrhelm auf der Rettungsleiter des Wagens.
Die Dresdner Meisterelf mit einem Löschfahrzeug auf der Ehrenrunde: Matthias Döschner (vorn) und Ulf Kirsten (li.) mit einem Feuerwehrhelm auf der Rettungsleiter des Wagens. Bildrechte: imago/Dehlis

Dynamo macht Titel klar

Und so endete diese denkwürdige Saison in der DDR-Oberliga: Dynamo ließ sich die Meisterschaft nicht mehr nehmen. Und das, obwohl die Rückrunde mäßig lief. Es gab in 13 Spielen acht Unentschieden und eine Niederlage, wieder gegen den FC Karl-Marx Stadt. Bereits am 23. Spieltag machten die Sachsen dann aber alles klar. Zudem verpasste das Geyer-Team nur knapp den Einzug ins Endspiel des UEFA-Pokals. Nachdem Bukarest mit 4:0, 1:1 geschlagen wurde, war gegen den VfB Stuttgart (0:1, 1:1) Endstation. Vize-Meister und Pokalsieger wurde der entthronte BFC. Der FC Karl-Marx Stadt sicherte sich als Dritter den UEFA-Pokal-Platz, ebenso wie der Vierte, der FC Hansa Rostock.

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 26. Januar 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2019, 15:18 Uhr

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10 Kommentare

27.01.2019 21:01 Sven Kallenbach 10

Nicht Andreas Trautmann, sondern Matthias Döschner ist im Zweikampf mit Rainer Ernst (BFC Dynamo) zu sehen!!!

26.01.2019 16:42 Pit 9

Sehr interessant - da war der Fußball noch nicht durch den Kommerz derart versaut wie heute...

26.01.2019 16:32 Schachter 8

Ah, es ging ja um die Saison 88/89 - da war unsere Wismut- Welt noch in Ordnung- UI-Cup erreicht.
(Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!)
Glück auf!

26.01.2019 14:11 Dynamo Andi 7

Auch ich war damals Live bei der Meisterfeier dabei.War trotzdem ne geile Zeit.Kann mich 70er nur anschließen auf dem Bild im Zweikampf ist Atze Döschner!!!

26.01.2019 13:13 Nobby 6

Der Supercup war am 5. August 1989, nicht 1988.

26.01.2019 11:40 Schachter 5

89/90? Ein schwarzes Jahr für unsere Wismut! Nach 1019 Spielen (Oberliga-Rekord) der erste und einzige Abstieg zu Zonen-Zeiten. Ein wesentlicher Grund war , dass uns drei wichtige Spieler in Schweden gen Westen verlassen haben (vor Saisonbeginn im UI-Cup).
Im letzten Spiel beim BFC 4:1 gewonnen - es fehlten 2 Tore!
Die Tränen unserer Anhänger werde ich NIE vergessen
Aber wer weiß, wozu das alles gut war...
Um so schöner, dass wir nach schweren Jahren (90-iger) immer noch da sind - auf der deutschen Fußballlandkarte und es hoffentlich auch noch viele Jahre bleiben.
Nie schlechter als drittklassig - wer kann das schon von sich behaupten?
Glück auf!

26.01.2019 08:05 70er 4

Tolle bewegte Bilder aus einer untergegangenen Zeit. Keine gestylten Frisuren, keine phrasengefüllten Interviews. Selbst der BFC rechnete sich trotz 9-Punkte-Rückstand noch Titelchancen aus (damals gab es nur 2 Punkte für den Sieg). Dazu labbrige Trainingsklamotten, die Trainingsplätze halbe Äcker. Das war noch Fußball für das einfache Volk. Ebenso die für damalige Verhältnisse großartige Meisterfeier im Dynamo-Stadion. Meine Dias davon hüte ich wie einen Augapfel.
Nein. Sehnsucht danach habe ich keine. Es war auf seine Art trotzdem schön.
Auf dem mittlern Foto Ernst vs Trautmann (?): Der Dynamo-Spieler ist zweifelsfrei Matthias "Atze" Döschner.

26.01.2019 06:37 Markus Wuckel 3

Auf dem Foto mit Rainer Ernst ist mMn Matthias Döschner, nicht Andreas Trautmann.

25.01.2019 21:22 Riesenberger 2

Das 4:3 war das größte Spiel des FCK, das ich bis dahin gesehen hatte. Wenn ich mich richtig erinnere, lagen wir schon 4:1 vorn, ehe Dynamo aufkam. Mehlhorn, Heidrich, Steinmann und Meyer. Was waren das für Zeiten. Ach Mann, die kommen nie wieder.

25.01.2019 18:46 HUGO 1

Bitte mehr davon ;)