Fußball | Corona-Pandemie Fans im Stadion: Reaktionen zwischen Freude und Skepsis

Ab September könnten zumindest in Sachsen wieder Fans in die Fußballstadien zurückkehren. Neben Begeisterung gibt es aber auch kritische Stimmen – und zwar nicht nur aus der Politik.

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MDR aktuell 17:45 Uhr Mi 08.07.2020 17:45Uhr 01:36 min

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Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hat mit ihrem Vorstoß, ab 1. September in Sachsen unter dem Gebot eines wirksamen Hygienekonzeptes wieder Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern ermöglichen zu wollen, für ein bundesweites Echo gesorgt. Andere Bundesländer sind da deutlich zurückhaltender.

Boxen in Magdeburg: "Ungeheurer Aufwand"

In Sachsen-Anhalt beispielsweise liegt die Obergrenze bis 31. Oktober 2020 bei 1.000 Zuschauern. Das erste Sportevent mit einem größeren Publikum steigt in der Landeshauptstadt Magdeburg. Genau jene erlaubten 1.000 Besucher dürfen den SES-Boxabend am 18. Juli (Live im MDR) auf der Seebühne der Elbestadt live am Ring verfolgen. Voraussetzung dafür ist ein Hygienekonzept, dessen Erstellung knifflig und arbeitsreich war. "Seit März haben wir mit unserer ‚Task Force‘ mindestens sieben verschiedene Gesundheits- bzw. Gefährdungskonzepte erarbeitet, die stetig an die neue Lage angepasst werden mussten. Das war ein ungeheurer Aufwand, aber es ist schön, dass wir jetzt das ‚Go‘ von den verantwortlichen Behörden haben", sagte Christof Hawerkamp vom SES-Boxstall der Sportschau.

SC DHfK: "Gibt uns eine Perspektive"

Auch in anderen Sportarten ist die Erleichterung groß. Der Manager des SC DHfK Leipzig, Karsten Günther, begrüßte in der "Leipziger Volkszeitung" den Vorstoß der sächsischen Regierung: "Die Entscheidung gibt uns eine Perspektive, mit Partnern und Fans in die Halle gehen zu können." 

Der Trainer des Halleschen FC, Florian Schnorrenberg, hofft ebenfalls auf eine schnelle Rückkehr der Fans ins Stadion. "Es ist der ganz große Wunsch - nicht nur in Sachsen, sondern überall. Jeder wartet darauf. Wir vermissen die Fans im Stadion", sagte der 43-Jährige am Mittwoch (8. Juli) dem MDR.

Furcht vor der zweiten Welle

Doch nicht alle begrüßen den Vorstoß aus Sachsen. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit gab in der ARD zu Bedenken: "Die großen Ausbrüche in Italien und Spanien sind eben auch durch Fußballspiele und insbesondere durch die Fans verstärkt worden." SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, ein großer Kritker der Lockerungen, befürchtete im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dass eine Maßnahme wie die geplante in Sachsen als "perfekte Vorbereitung einer zweiten Welle im Herbst" tauge.

Vorbehalte bei den Fans

Für Aufregung sorgte auch Köppings einschränkender Hinweis, im Stadion nicht zu singen und zurückhaltend zu jubeln. Der Sprecher vom Bündnis ProFans, Sig Zelt, nannte diese Kriterien realitätsfern und deshalb praktisch kaum umsetzbar. "Wir sehen das sehr, sehr skeptisch und können den Plänen nicht viel abgewinnen." Selbst ein Boykott mancher Fangruppen sei deshalb "durchaus denkbar". Diese Meinung teilen die MDR-User nicht. In den Kommentaren herrschte größtenteils Erleichterung und Freude über eine baldige Rückkehr ins Stadion.

Flickenteppich im NOFV-Gebiet

Problematisch ist sicher, dass es derzeit keine einheitlichen Pläne oder Regelungen gibt. Nehmen wir den Nordostdeutschen Fußballverband, zu dem sechs Landesverbände gehören – und in jedem gilt eine andere Verordnung. Beim sächsischen Viertligisten Chemnitzer FC dürften beispielweise mehr als 1.000 Fans ins Stadion, im thüringischen Meuselwitz dagegen nur 200. Da stellt sich die Frage nach fairem Wettbewerb und gleichen Voraussetzungen. Zumal die Vereine, die Fans ins Stadion lassen, auch mit deutlich mehr Geld für ihre klammen Kassen rechnen könnten.

Übersichtskarte der mitteldeutschen Fussballverbände
Sechs Landesverbände gehören zum NOFV-Gebiet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mintzlaff nimmt DFL in die Pflicht

RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff forderte in der Bild-Zeitung "im Sinne der Gemeinschaft der Bundesliga eine einheitliche Lösung für alle Klubs“. Er nahm dabei auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) in die Pflicht. DFL-Boss Christian Seifert stellte zuvor in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) fest: "Einen Regelbetrieb in dieser Corona-Situation zu etablieren, das wird die nächste große Herausforderung. Man wird immer individuelle Lösungen finden müssen."

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Sanny Stephan mit Material von dpa/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 08. Juli 2020 | 19:30 Uhr

16 Kommentare

Schachter vor 4 Wochen

Was ist denn das für eine seltsame Meinung. Es geht überhaupt nicht um uns (Aue) in erster Linie. Wir haben finanzielle Planungssicherheit für die kommende Saison (Stichwort Fernsehgeld). Was sportlich in der kommenden Saison wird, kann KEINER sagen. Es wird schwer genug.
Mir geht es in erster Linie um die Dritt- und Viertligisten, bei denen die ZUSCHAUEREINNAHMEN eine deutlich größere Rolle spielen als bei uns. Das sollten sich die "Tulpen-FUZZIES" mal vor Augen halten, bevor hier gegen uns getönt wird. Und ja, man kann eine andere Meinung haben, sollte sich dann aber vergegenwärtigen, dass viele Vereine in Liga 4 (wahlweise auch 3) dann bald zuschließen können...und zwar für immer. Ein Konzept für besuchte Fußballspiele in der kommenden Saison muss her! Wem Fußball am Herzen liegt. kann das gar nicht anders sehen, natürlich unter der Voraussetzung, dass die Infektionszahlen stabil niedrig bleiben.
Glück auf!

Hubert vor 4 Wochen

Hallo Thommi Tulpe,
das hast Du treffend formuliert.
Viele Leute meckern, die wissen vieleicht gar nicht, warum sie meckern.
Ohne die ganzen Maßnahmen würde es in Deutschland vielleicht noch anders aussehen.
Bedenkenlos ins Stadion gehen, dafür ist es noch viel zu früh.
Herzliche Grüße

Schachter vor 4 Wochen

Die Gesundheitsminister unter Schröder hießen meiner Kenntnis nach Andrea Fischer und dann war dann noch eine Lehrerin aus Aachen...
Die Gefahr des Virus kann ich gar nicht wegdiskutieren, so wie die Gefahr der ca. 600 bis 700 Millionen andere Viren, die es gibt.
Wann soll man denn zur Normalität zurückkehren? Eine Impfung, die nicht jeder möchte, selbst wenn sie zur Verfügung stünde, wird auch nicht die Lösung sein, so wie es die App nicht ist. Wann also soll alles wieder normal werden? Da hätte man jedes Jahr die Stadien schließen müssen ...und nicht nur die.
Nein, das Virus ist neu und kein Grippe-Virus. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Weg zur Normalität vorgezeichnet werden muss.
Und es ist völliger Quatsch von Privilegierten zu sprechen, wenn zunächst Dauerkartenbesitzer eine Art Vorrecht erhalten, die Spiele zuerst zu besuchen. Sie sind nämlich auch ein Grundpfeiler der Vereinsfinanzierung.
Das ist und bleibt meine Meinung.
Glück auf!