Ralph Hasenhüttl
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Fußball | 1. Bundesliga RB Leipzig: Tage des Kopfschüttelns

Kopfschütteln, jede Menge Kopfschütteln war in Sachen RB Leipzig angesagt. Vor, während und nach diesem 21. Bundesliga-Spieltag, an dem der deutsche Vizemeister zu einem etwas glücklichen 1:0 bei Borussia Mönchengladbach kam.

von Sven Kups

Ralph Hasenhüttl
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Der Sieg der Leipziger war verdient und befreiend, letztlich aber auch ein ganzes Stück überraschend. Denn Auswärtsspiele sind schon einige Zeit nicht mehr das Ding von Keita, Werner & Co. Der letzte Erfolg in der Fremde war immerhin schon dreieinhalb Monate alt. Genau gesagt fand er am 14. Oktober 2017 in Dortmund statt, wo RB nach einem kleinen Spektakel mit 3:2 das bessere Ende für sich hatte. Danach hagelte es unter anderem eine Demütigung (0:4 in Hoffenheim) und eine Blamage (2:2 in Leverkusen trotz Überzahl). Nach insgesamt fünf sieglosen Auswärtspartien gab es also endlich wieder einen Dreier.

Lookman: neu, stur und erfolgreich

Für Kopfschütteln sorgte dabei nicht zuletzt Ademola Lookman, der in Gladbach kurz vor Schluss - zehn Minuten nach seiner Einwechslung - das Goldene Tor erzielte. Den Trainer Ralph Hasenhüttl beinahe postwendend wieder aus dem Spiel genommen hätte, weil der 20-Jährige mehr über den Rasen geschlittert als gerannt war. Lookman hatte aus England nur ein paar Fußballschuhe mitgebracht und sich stur geweigert, andere anzuziehen. Hasenhüttl: "Er hatte Glück, dass ich ihn nicht wieder ausgewechselt habe. Und ich hatte Glück, dass ich es nicht gemacht habe."

 Jubel Ademola Lookman (RB Leipzig) nach seinem Siegtreffer
Ademola Lookman Bildrechte: IMAGO

Lookman also. Ausgerechnet Lookman. Der Engländer war die einzige Neuverpflichtung der Leipziger in dieser Winter-Transferperiode und galt bei vielen Fans schon als "Panikkauf". Wenngleich das Wort "Panikleihe" besser passt. Hinter der Verpflichtung jedenfalls standen und stehen auch nach dem Debüt-Treffer große Fragezeichen. Was will RB-Sportdirektor Ralf Rangnick mit einem 20-jährigen Offensivspieler, der diese Saison in der Premier League nur zu ein paar Kurzeinsätzen kam und wegen fehlender Kaufoption im Sommer definitiv wieder verschwindet, also auch keine Investition in die Zukunft ist?

Rangnick: verärgert und überrascht

Auf der Pressekonferenz, auf der Lookman vorgestellt wurde, konnte Rangnick diese Frage nur teilweise beantworten: Der Neue solle den immer noch verletzten Emil Forsberg ersetzen. Und vernünftige sowie bezahlbare Außenverteidiger, wie sie RB eigentlich dringend benötigt, seien einfach nicht aufzutreiben gewesen. Dass Leipzigs Abwehrproblem akut ist, war auch am Samstag zu sehen: Konrad Laimer auf der rechten Seite gewann gerade mal 7 von 21 Zweikämpfen, was für einen Verteidiger ziemlich schmal ist. Immerhin machte Lukas Klostermann auf der linken Seite gegen Gladbach sein vielleicht bestes Spiel diese Saison. Zumindest defensiv.

Spielermarkt hin, Spielermarkt her - dass RB Leipzig mit seinem finanziellen Hintergrund und seinen Vernetzungen im Fußball-Business keine defensive Verstärkung finden konnte, erscheint etwas merkwürdig. Selbst Rangnick wirkte davon überrascht, machte für die angespannte Kader-Situation gleich mal seine Nachwuchs- und Scouting-Abteilungen verantwortlich und eine Verbesserung der Lage zur Chefsache. Offen bleibt aber: Was hat Rangnick als Sportdirektor die Saison über gemacht? Und wie sah seine Stellenbeschreibung bislang aus?

Was man Rangnick andererseits anrechnen muss: Der Sportdirektor redet nichts schön und legt den Finger in die Wunde. Nach seiner Wutrede jedenfalls kann man auf die RB Leipzigs mit Sicherheit kommende Sommer-Transfers gespannt sein. Doch bis dahin hat das Team von Trainer Hasenhüttl noch ein paar harte Bundesliga-Spieltage zu absolvieren. Das wird mit Sicherheit nicht ohne Kopfschütteln ablaufen. Aber der Grund dafür muss ja nicht "auf Teufel komm raus" negativ sein. Ein überraschender Auswärtssieg tut es auch.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 05. Februar 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2018, 08:56 Uhr

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39 Kommentare

07.02.2018 06:51 Sr.Raul 39

Na dann ist ja Alles gut, @36 (hotte). Hatte nach meinen "knallharten" Einlassungen zu berufen und auserwählt im Nachgang schon Sorge, dass Du Dich hinter einen fahrenden Zug oder von 'ner Brücke ins ausgetrocknete Flußbett stürzt.

06.02.2018 20:57 Marcel 38

Hier werden Tradition und jahrzehntelange Vereinsarbeit mit Füßen getreten und die pure Vermarktung mit möglichst schnellem Erfolg stehen im Vordergrund. Wer solch ein Verhalten auch nur ansatzweise unterstützt, hat für mich wenig Charakter und fehlendes Herzblut für den ehrlichen Sport. RB ist dafür ein Paradebeispiel.

06.02.2018 20:52 Marcel 37

So wie JEGLICHE Kritik an den RB-Jüngern abprallt, zeigt mir dies nur, dass eine objektive Diskussion keinen Sinn macht. Ja, es gibt andere Clubs im Ausland die von einer Person abhängig sind und/oder als Marketingprojekt missbraucht werden. Doch leider ist es nicht das was man sich unter fairem Wettbewerb vorstellt und unseren Sport bereichert.

06.02.2018 17:53 hotte 36

Sr.Raul, ich hab mich wohl im Looky Punch Beitrag etwas unklar ausgedrückt.
Meine 31 bezog sich auf deine 29 und den verflossenen Spieltag. Ich wollte niiie am großen Werk um Wohl und Wehe von Schalke mitschreiben.

06.02.2018 17:52 Sven Kups 35

@Bernd: Die Diskussion ist hier wie immer extrem abgeglitten. Trotzdem will ich Ihre Frage beantworten: Angesichts die Spielverlaufs (Tor kurz vor Schluss, Großchance des Gegners in der Nachspielzeit) kann ein Sieg glücklich, über das gesamte Spiel betrachtet (mehr Großchancen, aktivere Spielweise) aber dennoch verdient sein.
Viele Grüße

06.02.2018 11:30 Rennsteiger 34

Kopfschütteln bei mir. Was soll denn noch das Gedöns um Eigentumsverhältnisse oder Mitsprache der Sponsoren etc. Unzählige Male durchgekaut, Weder Gazprom,, Energy.Drink noch Mateschitz beeinträchtigen noch befördern meine Sympathien für Schalke oder RBL, Telekom nicht zu den Bayern und Wiesenhof, auch wenn Hühner- KZ. nicht zu den Bremern- Hoffe auf Freitag, dass mich das Spiel der Rasenballer erwärmt, auch wenn es arschkalt sein sollte. Binwohl zu einfach gestrickt, wenn es mir in erster Linie " nur" um Fu0ball geht ?

06.02.2018 11:00 Bernd 33

@Raul (31) weil es so nicht ist, zwischen Verein und GmbH & CoKG steht eine Betriebsführungsgesellschaft. Diese untersteht zwar dem Verein aber deren Vorstand wird von anderer Seite bestellt. Ich sage doch in Dortmund gibt es ein Gesellschaften Wirrwar. Rechtlich wohl alles korrekt Rauball ist ja auch Anwalt aber sich als Hüter von 50+1 hinzustellen, alsio da weiss ich nicht.

06.02.2018 09:49 zwigger 32

@13
Das ist an Scheinheiligkeit kaum noch zu überbieten !!!!!!!!!!!
Lässt Du auch Dein Auto stehen das Öl kommt ja aus Arabienund da kann es passieren das Du I... unterstützt
Ohne russisches Gas wäre es zur Zeit kalt in Deutschlands Wohnungen oder heizt Du mit Holz
Na dann viel Spass beim Holzhacken, macht auch warm. Ohne Gas geht leider in Deutschland nicht viel, ohne Eure ungesunde brause ..............
Gazprom ist Hauptsponsor und kein Besitzer und hat auf schalke so viel zu sagen wie bei Euch die sogenannten Fördermitglieder

06.02.2018 08:45 Sr.Raul 31

@Bernd hat Das in @23 schon hälftig und richtig erklärt. Das eigentlich Wichtige aber ausgelassen. Die der KGaA vorgesetzte GmbH. ist eine 100%ige Tochter des e.V.. Somit ist auch Deine Frage nach den Eigentümern, @18 (Fußballfreund), beantwortet.

06.02.2018 06:34 Sr.Raul 30

Ja, @21 (Bernd), da sind wir mit den Bayern, Barca, Real, Benfica in einer wahrhaft misslichen Lage, um nicht den Begriff Schicksalsgemeinschaft zu bemühen,mit den viel zu kleinen Stadien. Da lobe ich mir doch die planerische Weitsicht bzgl. des "neuen" Zentralstadion hinsichtlich der Füllung mit Mitgliedern. Apropos Mitglieder. Ich bin weiß Gott nicht der Erfinder der Mathematik aber bei einem Fassungsvermögen von rd.62.000, könnten weit mehr als "wahnsinnige 6%" von 150.000 zur MV. Ich komme da auf gut 40%.