Fußball | Bundesliga "Gut und besonnen" - DFL lobt Fan-Rückkehr bei RB Leipzig

Erstmals hat sich DFL-Chef Seifert zu den Plänen von RB Leipzig geäußert, 8.500 Zuschauer zu seinen Bundesliga-Heimspielen zuzulassen. Er begrüßt die Pläne.

Christian Seifert
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Als "gut und besonnen" hat DFL-Präsident Christian Seifert die Entscheidung bezeichnet, dass Fußball-Bundesligist RB Leipzig 8.500 Zuschauer mit Hilfe eines Hygienekonzepts ins Stadion zu lassen. Auf der DFL-Mitgliederversammlung am Donnerstag in Frankfurt/M. äußerte sich Seifert erstmals zur Situation in Leipzig.

"Wenn in Leipzig das Spiel von RB Leipzig vor 8.500 Zuschauern möglich sein sollte, dann ist das eine Entscheidung, die die dort zuständige Behörde getroffen hat. Soll ich dann als DFL sagen 'Das möchte ich nicht oder das akzeptieren wir nicht!'?".

Der 51-Jährige akzeptiert die Initiative aber nicht nur: "Wenn Sachsen das entscheidet, finde ich das erst einmal gut und mutig - aber eben nicht leichtsinnig - weil es ist genau der besonnene und bedachte Umgang mit dieser Situation an diesem Standort, der den Entscheidungsträgern jetzt richtig erscheint. Und dann wird man sich das eben sehr, sehr genau angucken." Die Entscheidungen der Behörden, die sich aber auch ändern können, sind für ihn bindend. Auch im negativen Fall: "Und genauso wenig kann ich in ein anderes Bundesland gehen, wo nun einmal die Beschränkung bei 500 Zuschauern ist oder heute Abend beim Länderspiel sagen 'wir als DFL finden, dass da auch 8.500 Zuschauer hinein sollten. Wenn ich sage, wir akzeptieren die Entscheidungen der Politik, dann gilt das auch für den Fall."

Fans von RB Leipzig
Fans von RB Leipzig Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Nicht am härtesten Fall orientieren

Angesichts der aktuellen Zahlen in Leipzig kann der Frankfurter die relativ große Öffnung nachvollziehen: "Diese Entscheidung in Leipzig geht einfach einher mit der aktuellen Verfügungslage im Land Sachsen. Und wenn ich mir dort die aktuellen Infektionszahlen ansehe, dann kann ich, aus Hessen heraus, verstehen, dass man sagt: 'Warum sollte es eine bundeseinheitliche Regelung geben, die sich am härtesten, denkbaren Fall orientiert?'"

Die Stadt Leipzig
Die Stadt Leipzig Bildrechte: imago images/STAR-MEDIA

"Schätze Ministerpräsident Kretschmer"

Seifert vertraut der Politik in Sachsen: "Wenn für das Land Sachsen der Ministerpräsident Kretschmer, den ich sehr schätze, wenn er zu dem Schluss kommt, dann hat er sich das gut überlegt und die verantwortlichen Behörden eben auch. Umso wichtiger ist es aber auch, dass wir uns dieser dynamischen Situation bewusst sind. Wir haben ein föderales System, und natürlich sieht das jetz twie ein Flickenteppich aus, aber den Flickenteppich gab es aber auch schon mit Blick auf die Verfügungslage." Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte gesagt, dass sich die Stadt an den aktuellen Infektionszahlen orientieren müsse und sich die weite Öffnung auch wieder ändern könne.

Michael Kretschmer
Michael Kretschmer beim DFB-Pokalfinale von RB Leipzig gegen Bayern München. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

DFL bevorzugt eine Lösung für alle

Auch wenn Seifert von keiner Wettbewerbsverzerrung sprechen mag, so wäre ihm eine Lösung für alle am liebsten: "Wir bevorzugen absolut eine bundeseinheitliche Lösung. Natürlich liegt es nahe darüber nachzudenken, ob es auch in Deutschland Sinn machen würde, einen bestimmten Prozentsatz je nach Stadion zu definieren und dann dazu vielleicht irgendeine Höchstgrenze. Aber egal, welches Ergebnis dabei heraus kommt, es wird mmer nur für einen bestimmen Zeitpunkt sein. Aber das ist auch völlig okay, wir müssen uns in kleinen, verantwortbaren Schritten in Zukunft nach vorne tasten."

Bundesligafußball mit aufgesetzter Mundschutzmaske
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Schwierigste Spielzeit aller Zeiten

Den Ernst der Lage erklärte der DFL-Geschäftsführer so: "Die Organisation und Durchführung dieser Spielzeit wird um ein Vielfaches komplizierter als die Beendigung der letzten Spielzeit. Man muss kein Philosoph und kein Prophet sein, um die Aussage zu treffen, dass dies die anspruchsvollste und schwierigste Spielzeit des professionellen Fußballs in Deutschland wird."

Tor für RB Leipzig. Patrick Schick (21, RB Leipzig) trifft zum 2:1
Ein Bundesliga-Tor in einem leeren Stadion: Das war Alltag am Ende der Saison. Bildrechte: Roger Petzsche / PICTURE POINT / Pool

RB-Chef Mintzlaff: Wenig Bauchschmerzen in Sachen Umsetzung

RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff berichtete "Sport im Osten", dass sich die anderen Vereine über die Nachricht aus Leipzig gefreut hätten. Dies könne ein "Signal" sein. Er setzt darauf, dass sich die 8.500 Anhänger diszipliniert verhalten: "Wir erwarten schon, dass sich alle dann auch an die Maßnahmen halten". Er hat nur "wenig Bauchschmerzen", was die Umsetzung angeht. Das Thema Wettbewerbsverzerrung sei bei der Versammlung am Donnerstag kein Thema gewesen.

Fans von RB Leipzig auf dem Weg ins STadion. 2 min
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Durch die 8.500 Zuschauer bekommt RB Leipzig keinen sportlichen Vorteil. Das findet DFL-Chef Christian Seifert. Ingo Hahne berichtet.

MDR aktuell 19:30 Uhr Do 03.09.2020 19:30Uhr 01:30 min

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Oliver Mintzlaff 4 min
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Weitere Themen auf der DFL-Versammlung - Fünf Wechsel sind weiterhin erlaubt
- Das Hygienekonzept wurde aktualisiert:
Pademie-Level gilt ab 35 Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Einwohner im Landkreis und den angrenzenden Landkreisen als "hoch".
- Die DFL beteiligt sich an mehreren Studien zur Coronavirus-Pandemie und zu Fanverhalten
- Es wird erneut ein modifiziertes Lizienzierungsverfahren geben
- Im Profifußball werden pro Woche rund 3.500 Tests benötigt
- Zur Beendigung der Spielzeit 2019/2020 in der 1. und 2. Liga wurden insgesamt 28.000 Coronatests durchgeführt

cke/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 03. September 2020 | 19:30 Uhr

20 Kommentare

Voice vor 2 Wochen

@SitBull
Ganz genau. Was wurde damals gezetert. RB sind Menschenfeinde, und andere Ausdrücke habe ich damals in div. Kommentarspalten gelesen. Es wurde prophezeit, dass sich wahrscheinlich Tausende angesteckt haben. Und? Nicht ein einziger nachgewiesener Fall im Zusammenhang mit dem Spiel wurde registriert.
Und jetzt geht es wieder los. Dieses Mal heißt es, es wäre Wettbewerbsverzerrung. An alle, die das behaupten: Wieso spielen andere Mannschaften bei schlüssigem Hygienekonzept schon längst wieder vor Zuschauern?
Ich Wette, wäre die Initiative von einem Traditions-, Kumpel-, oder Malocherverein ausgegangen, hätten sich alle vor Ehrfurcht in den Staub geworfen. Weil es aber RB ist, wird lustig weiter gelästert.
Nur weiter so. Je mehr Ihr über unseren Klub redet, desto größer der Werbeeffekt für Konstrukt und Produkt. Danke dafür!

Beste Grüße aus der Heimatstadt!!

wicky 67 uncut vor 2 Wochen

Da irrst Du Dich aber ganz gewaltig jochen! Gerade weil ich Fan von RWE bin, werde ich heute Nachmittag in's Stadion gehen! Also informiere Dich vorher besser erst einmal richtig, bevor Du hier so einen Unsinn schreibst, hast Du das kapiert?

jochen vor 2 Wochen

Ich stimme dem User W.O. H. vollkommen zu,die Hauptsache es geht bald wieder los und das Dank DFL,gute Arbeit Hr. Seifert! Das war ein gutes Signal aus Leipzig,und nicht nur die Fans von RB freut es!