Fussball | Bundesligen Vor der DFL-Mitgliederversammlung: Dürfen Fans zurück in die Stadien?

Die Anhänger der 36 Profivereine erwarten die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur eingeschränkten Rückkehr der Zuschauer mit Spannung. Allerdings gibt es Kritik - auch von Fans selbst.

Tor für Leipzig zum 1:0. Im : Torschütze Patrick Schick (2.v.l., 21, RB Leipzig) trifft gegen Torwart Leopold Zingerle (17, Paderborn)
Bundesliga-Alltag in der jüngsten Vergangenheit: RBL-Angreifer Patrik Schick trifft vor leeren Rängen gegen Paderborn. Bildrechte: Kevin Voigt/Jan Huebner/Pool/ Picture Point

Dürfen Fußballfans mit Beginn der neuen Saison zurück in die Stadien? Die Anhänger der 36 Profivereine erwarten die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur eingeschränkten Rückkehr der Zuschauer mit Spannung. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstag soll per Videokonferenz über einheitliche Maßnahmen entschieden werden, ob und wie dies zu realisieren ist. Es gibt aber auch Kritiker, die davor warnen.

Kein Alkohol, nur personalisierte Online-Tickets

Zunächst: Die DFL hat einen Leitfaden erstellt, der ein Stehplatz- und Alkoholverbot bis zum 31. Oktober vorsieht. Zudem sollen keine Gästefans in den Stadien bis zum Jahresende erlaubt werden. Damit soll das Infektionsrisiko in der Corona-Pandemie verringert werden. Verkauft werden sollen für die Spiele nur personalisierte Online-Tickets, mit denen die Nachverfolgung von Infektionsketten möglich sind. Entsprechende Anträge des DFL-Präsidiums stehen bei der Mitgliederversammlung zur Abstimmung.

Die mitteldeutschen Vereine hoffen auf positive Entscheidungen. "Da freuen wir uns alle wieder drauf", sagte RB Leipzigs Lukas Klostermann. "Natürlich wollen wir alle, dass Zuschauer wieder ins Stadion kommen. Fußball lebt von seinen Emotionen", ergänzte Erzgebirge Aues Florian Krüger: "Ich hab mir zu Hause mal ein, zwei Spiele angeschaut. Das ist schon ein krasser Unterschied. Und da merkst du erst einmal, was wirklich gefehlt hat."

Sachsen und Thüringen machen den Anfang

Schon am Wochenende wird es soweit sein, wenn auch im kleinen Rahmen. 1.000 bis 1.500 Fans sind in Sachsen und Thüringen zugelassen bei Spielen im Landespokal. Wie aber wird es aussehen, wenn am 18. September - eine Woche nach der ersten Runde im DFB-Pokal - Bundesliga und 2. Bundesliga in die neue Saison starten? Michael Vogt, Geschäftsführer von Erzgebirge Aue: "Egal, wie viele Zuschauer es sind. Es wäre wieder ein Schritt nach vorn."

Die Pappkameraden-Fans wurden im Borussia Park in Mönchengladb angebracht
Müssen die Pappkameraden im Mönchengladbacher Borussia-Park ihre Plätze bald wieder für lebendige Fans räumen? Bildrechte: imago images/Revierfoto

Allerdings haben Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektionen Zweifel geäußert. Er hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern "für sehr schwer vorstellbar". Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat Bedenken: "Fußball-Bundesliga-Spiele mit Zuschauern halte ich für nicht verantwortbar", sagte Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland und betonte: "Auch andere Großveranstaltungen ohne Grenze nach oben sind durch Hygienekonzepte nicht wirklich sicher zu machen. Denn die Kontaktverfolgung wird bei diesen Menschenmengen natürlich nicht gelingen."

Fan-Bündnis: "Wir leben in einer Pandemie"

Auch das Fan-Bündnis "Unsere Kurve" hat die Pläne der DFL zu einer Rückkehr der Fans in Fußballstadien bereits kritisiert. "Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regelmäßiger Stadiongänger habe, wir leben in einer Pandemie. Und die Vernunft sollte immer den Gesundheitsschutz nach vorne stellen", sagte Vorstandsmitglied Jost Peter am Dienstag im Inforadio vom rbb und betonte: "Wenn die Fallzahlen steigen und sich daraus ergibt, dass das Fußballspiel nicht zu besuchen ist, dann habe ich das zu akzeptieren." Im Falle einer Zulassung von Zuschauern brauche es klare Regeln, wenn es Tickets zunächst nur in personalisierter Online-Form geben sollte, forderte Peter. So sollten die "abgegebenen Daten (nur) zum Gesundheitsschutz genutzt werden und nicht für andere Zwecke", wie etwa einer Überwachung der Fans. Diese Verpflichtung müsse von den Vereinen offen ausgesprochen werden, sagte Peter.

Eine Umfrage der Fangemeinschaft Dynamo, an der sich mehr als 1.000 Anhänger von Dynamo Dresden beteiligten, zeigt, wie verzwickt die Situation ist. Die Geister scheiden sich etwa an der Frage, wie deutlich weniger Tickets verteilt werden sollten. "Sofern es möglich sein wird, dass Fans die Spiele wieder live im Stadion verfolgen dürfen, entsteht ein Dilemma", wird die Fangemeinschaft in der "Sächsischen Zeitung" zitiert.

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dpa/mze

Videos und Audios zur Fußball-Bundesliga

Julian Nagelsmann, RB Leipzig, während Pressekonferenz
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Mittelfeld-Motor Konrad Laimer wird RB Leipzig am Samstag im DFB-Pokalspiel beim 1. FC Nürnberg fehlen. Ihn plagen weiterhin rätselhafte Knie-Schmerzen.

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MDR aktuell 19:30 Uhr Do 03.09.2020 19:30Uhr 01:30 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. August 2020 | 17:45 Uhr

1 Kommentar

FCWler vor 6 Wochen

Da läuft aber einiges schief .
Es wird diskutiert ob im September überhaupt wieder Schule „ im Regelbetrieb“ stattfinden kann/ darf ....

Gleichzeitig sollen aber wieder Vereine vor tausenden Zuschauern spielen dürfen . Die Diskussion alleine ist mehr wie lachhaft .