Sport | Fan-Rückkehr in Mitteldeutschland Sachsen: "Die 20 Prozent sind eine Empfehlung"

Das Aufatmen im Sport ist groß: Am Dienstag verständigten sich die Bundesländer darauf, dass Zuschauer wieder erlaubt sein sollen, und zwar 20 Prozent der Stadion- bzw. Hallenkapazität. Aber wer hält sich daran?

Dresdener Eislöwen 1 min
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Eine einheitliche Lösung beim Thema Zuschauerkapazität hatten die Länder am Dienstag beschlossen. In der Praxis erweist sich die Regelung allerdings als Flickenteppich.

MDR aktuell 19:30 Uhr Mi 16.09.2020 19:30Uhr 01:15 min

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Die von der Politik am Dienstag verkündete bundesweite 20-Prozent-Rückkehr der Fans bei Sport-Veranstaltungen hat für Sachsen und Sachsen-Anhalt keine direkten Konsequenzen. Am Montag hatte es beim DFB-Pokalspiel von Dynamo Dresden gegen den Hamburger SV 10.053 Zuschauer gegeben - rund 31 Prozent der Kapazität von 32.066 im Rudolf-Harbig-Stadion.

Leitlinien mit Ausnahmemöglichkeiten

Anzeigetafel mit Sicherheits- und Hygienehinweisen vor Spielbeginn an die Zuschauer gerichtet,
Die Maske ist weiterhin Pflicht Bildrechte: imago images / foto2press

Muss Dynamo nun künftig vor weniger Fans spielen? Das verneint Sachsens Regierungssprecher Ralph Schreiber im Gespräch mit "Sport im Osten", denn: "Die Voraussetzungen für die Zulassung von Zuschauern sind lediglich Leitlinien, von denen im Einzelfall abgewichen werden könnte". Die öffentlich verkündeten 20 Prozent stellten laut Sachsen einen Kompromiss dar. Berlin und Nordrhein-Westfalen hätten sogar für eine Quote von 30 Prozent votiert. Schleswig-Holstein, ohne Bundesliga-Fußball, aber mit Handball-Standorten wie Kiel oder Flensburg, gab unmittelbar nach der Einigung bekannt, dass man an 25 Prozent festhalten wolle.

Quartett in Sachsen hofft auf mehr als 20 Prozent

Kiel-Konkurrent SC DHfK Leipzig hofft ebenso auf mehr als 20 Prozent wie die Fußballer von Erzgebirge Aue, dem FSV Zwickau und dem Chemnitzer FC. Der CFC durfte im Pokal gegen Hoffenheim am Sonntag bereits fast ein Drittel der Plätze besetzen. Bei RB Leipzig sind es rund 20 Prozent. Die sächsische Corona-Schutzverordnung sieht vor, dass man für ein Sport-Event mit mehr als 1.000 die Zustimmung des Gesundheitsamtes und ein Hygienekonzept benötigt. An diesem Konzept arbeiten die großen Klubs alle.

Chemnitz' Christian Bickel vergibt seinen Elfmeter
Rund 3.000 Zuschauer sahen am Sonntag den packenden Pokalfight des CFC gegen Hoffenheim Bildrechte: Picture Point

Sachsen-Anhalt: 7.500 beim Derby

Praktisch genauso sieht es in Sachsen-Anhalt aus: Auch hier brauchen Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauer ein Hygienekonzept. Das war schon bei der siebten Verordnung so, die achte ging heute (16.09.2020) heraus. In Sachsen-Anhalt ist offiziell das Sozial- und Arbeitsministerium für Corona zuständig. Es muss für das Konzept ebenso sein Okay geben wie das für den Sport zuständige Innenministerium und das örtliche Gesundheitsamt. Auch Andreas Pinkert, stellvertretender Pressesprecher des Sozialministeriums, betont: "Die Übereinkunft der Ministerpräsidenten hat für unser Ministerium empfehlenden Charakter." So darf beispielsweise das Drittliga-Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC am Sonntag (14:00 Uhr/Live-Ticker in der SpiO-App) vor bis zu 7.500 Zuschauern stattfinden. Das wären rund 25 Prozent. Der SC Magdeburg hofft auf 2.000 Fans zum ersten Bundesliga-Heimspiel im Oktober gegen den Bergischen HC und nicht nur 1.300 wie nach der 20-Prozent-Vorgabe. Auch der Hallesche FC will mehr als ein Fünftel der Plätze im Erdgas-Sportpark besetzen können.

Adrian Malachowski, 1. FC Magdeburg, spielt den Ball.
Beim Pokalspiel des FCM gegen Darmstadt waren 5.000 Zuschauer in der MDCC-Arena Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Beschluss 3e) der Ministerpräsidenten bzw. ihrer Staatskanzleien Die zulässige Zuschauerzahl wird für jeden Austragungsort durch die Einhaltung des Abstandsgebots entsprechend den dafür geltenden Landesregelungen und die Kapazität der örtlichen Infrastruktur (v.a. Sanitär, Gastronomie, ÖPNV, Individualverkehr) bestimmt. Die Zuschauerkapazität entspricht der Anzahl der Personen, die mit vorhandenem Platz und vorhandener Infrastruktur in der verfügbaren Zeit unter Einhaltung des Mindestabstands bewältigt werden kann. Die Kapazitäten der örtlich zuständigen Gesundheitsämter zur Kontaktpersonennachverfolgung sind zu berücksichtigen. Als zulässige Höchstkapazität während des Probebetriebs wird oberhalb einer absoluten Zahl von 1000 Zuschauern 20 Prozent der jeweiligen Stadien- oder Hallenkapazität empfohlen.
Staatskanzlei Sachsen

Fans im Stadion 4 min
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Thüringen: Länder-Beschluss wird noch geprüft

Noch keinen neuen Stand gibt es in Thüringen. Das Ergebnis der Beratung der Staatskanzleien vom Dienstag wird derzeit rechtlich und fachlich geprüft, teilte Felix Knothe, Pressesprecher des Sportministerium, am Mittwoch auf MDR-Anfrage mit. Die aktuell angewendete Infektionsschutzverordnung sieht bislang ein Stufenkonzept vor, um regional und abgestuft auf möglicherweise erhöhtes Infektionsgeschehen reagieren zu können. In Stufe grün, die derzeit in ganz Thüringen gilt, müssen demnach Sportvereine, die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Heimspielen zulassen wollen, ein Hygienekonzept vom zuständigen Gesundheitsamt genehmigen lassen, das geeignet ist und den sportfachlichen Empfehlungen der Verbände entspricht.

In der Praxis ist es derzeit so, dass Fußball-Regionalligist FC Carl Zeiss Jena und -Oberligist FC RW Erfurt nur etwa zehn Prozent der Plätze besetzen dürfen. Anders als bei Handball-Erstligist Thüringer HC mit 25 Prozent. Allerdings sind es beim THC insgesamt auch "nur" 500 Karten. Auf knapp 24 Prozent kommt Fußball-Viertligist ZFC Meuselwitz, wobei der ZFC die Zahl von 1.556 auf 1.253 anpasste. Nach der Corona-Verordnung in Thüringen müssen Freiluft-Veranstaltungen ab 100 Personen genehmigt werden.

Jenaer Fans halten Schals nach oben
Anhänger des FC Carl Zeiss Jena Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

2. Liga: Aue in Würzburg vor leeren Rängen

Bundesweit einheitlich dürfen bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern nun 20 Prozent der Plätze besetzt werden. Es werden allerdings keine Zuschauer zugelassen, wenn die 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am Austragungsort 35 oder höher ist. Das gilt aktuell für Würzburg. Deshalb kann die Zweitliga-Partie von Erzgebirge Aue am Samstag (13:00 Uhr) nicht vor Zuschauern stattfinden, wie die Unterfranken am Dienstag mitteilten. Würzburg ist derzeit so stark wie keine andere Stadt in der 1. und 2. Liga von Corona betroffen. Zwickau hat sogar entschieden, bereits bei einer Inzidenz von 15 oder mehr ohne Fans zu spielen. Die Regeln gelten nicht nur für Fußball, sondern auch für Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MRD aktuell | 16. September 2020 | 19:30 Uhr

11 Kommentare

wicky 67 uncut vor 1 Wochen

Wo liegt denn der gotta Weg Quark-Mann jochen??? Etwa bei Dir im Ententeich von Froschhausen???
Mach's gut Du grüner Wasser-Planscher! 😃😀😅
Quark Quark 🐸🐸🐸

Thommi Tulpe vor 1 Wochen

Ich denke, dass der Besuch eines Fußballspiels im Stadion nicht risikoreicher ist als der nun mal notwendige Einkauf im Supermarkt oder das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel ist!? Insoweit ist das (vorsichtige) Vorgehen in dieser Angelegenheit völlig richtig. Wenn jemand (wie ich) Angehöriger der sogenannten Risikogruppe ist: Man ist nie gezwungen, sich VERMEIDBAREN Risiken auszusetzen. Auch wenn mein blau-weißes Herz leidet: Ich habe diese Wahl, ob Gesundheit oder meine tiefe Verbundenheit zum Verein wichtiger ist. Für mich kann nur ich selber Verantwortung übernehmen. Jeder Besucher eines Fußballspiels sollte sich aber auch seiner Verantwortung bewusst sein, dass sie/ er VIELLEICHT auch zum Risiko für sie/ ihn umgebende Menschen NACH dem Spiel werden KÖNNTE. Das ist das Dilemma. Man wird leider nie jedes Risiko vermeiden können. Jeder Tag hat auch ohne dieses verdammte Virus sein Risiko. Allgemein ist eh bekannt, dass das Leben irgendwann für jeden tötlich endet.

Thommi Tulpe vor 1 Wochen

Das mit der 14-tägigen Quarantäne ist echt gut durchdacht: So es in Stadien zu Infektionsfällen kommt und keine Englische Woche anliegt: Quarantäne findet im Stadion statt und alle sind zum nächsten Heimspiel wieder pünktlich vor Ort. (Ironie aus!)