Fußball | DFB-Pokal Gebürtiger Chemnitzer Torunarigha auf Schalke offenbar rassistisch beleidigt

Der in Chemnitz geborene Jordan Torunarigha (Hertha BSC) ist beim DFB-Pokal-Viertelfinale auf Schalke offenbar rassistisch beleidigt worden. Sein Vater Ojokojo spielte einst beim Chemnitzer FC und dem FC Sachsen Leipzig.

Jordan Torunarigha
Jordan Torunarigha muss nach Gelb-Rot den Platz verlassen. Bildrechte: imago images/Laci Perenyi

Dieser Vorfall zieht mittlerweile weite Kreise. Im Achtelfinale des DFB-Pokals am Dienstagabend zwischen Schalke 04 und Hertha BSC (3:2 n.V.) ist der Berliner Jordan Torunarigha, der in der Verlängerung die Gelb-Rote Karte sah, aus der Schalker Kurve offenbar aufs schlimmste beleidigt worden. Nach Affenlauten und rassistischen Beleidigungen trieb es den 25-jährigen gebürtigen Chemnitzer die Tränen in die Augen, seine Mitspieler stärkten ihm den Rücken.

DFB ermittelt - Stellungnahme von der Hertha

Mittlerweile hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes Ermittlungen angekündigt. Hertha-Manager Michael Preetz verwies auf eine schriftliche Stellungnahme durch den Verein und des Abwehrspielers, um die Arbeit des DFB zu unterstützen.

Asamoah: "Es widert mich einfach nur noch an"

Auch Gerald Asamoah meldete sich zu Wort. In Ghana geboren, forderte der Ex-Nationalspieler nach dem Vorfall auf Schalke vehementen Einsatz gegen Rassismus. "Was soll ich sagen? Es widert mich einfach nur noch an", schrieb der 41-Jährige, der beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 inzwischen als U23-Manager arbeitet, bei Twitter. "Umso wichtiger, dass wir nicht aufhören dürfen, immer weiter dagegen zu kämpfen." Während seiner Profikarriere war Asamoah jahrelang für die Königsblauen aktiv.

Vater Ojokojo Torunarigha in Chemnitz und beim FC Sachsen

Jordan Torunarigha ist ein gebürtiger Chemnitzer, sein Vater Ojokojo Torunarigha kam in Nigeria zur Welt. Von dort zog es ihn später nach Deutschland, wo er nach der Wende als erster Afrikaner bei einem Profiklub in Ostdeutschland unterschrieb. Es war der FC Karl-Marx-Stadt, der von Hans Meyer trainiert wurde. Nach einer Ausleihe zum Chemnitzer SV kehrte er zum nunmehr umbenannten Chemnitzer FC zurück und absolvierte von 1991 bis 1995 77 Partien für die Sachsen. "Otscho", wie er von den Fans genannt wurde, war ein guter Mittelfeldspieler, was auch der FC Sachsen Leipzig in der Saison 1997/98 zu schätzen wusste.

Ojokojo Torunarigha, Chemnitzer FC, Portraitfoto.
Im Trikot des Chemnitzer FC: Ojokojo Torunarigha. (Archiv) Bildrechte: imago/WEREK

Filius Jordan Torunarigha von der Chemnitzer Jugend zu Hertha BSC

Mit Anfeindungen wegen seiner Hautfarbe hatte Ojokojo Torunarigha immer zu kämpfen. So erzählte er einmal im "Express" (2013), dass es "früher eine krasse Zeit war. Es kam oft vor, dass ich mir sogar auf dem Platz von manchen Abwehrspielern Sprüche wie 'Neger raus' anhören musste". Nach seiner aktiven Laufbahn wurde er zunächst in Neunkirchen und dann 2010 bei Hertha BSC Nachwuchstrainer. Eine ereignisreiche Zeit, denn bei den Berlinern spielte auch sein Filius in der U17-Mannschaft. 2006 war Jordan Torunarigha von der Chemnitzer Jugend zur Hertha-Jugend gewechselt, durchlief alle Stationen bis hin zur ersten Mannschaft von Hertha BSC. Und mit dieser trat er am 4. Februar 2020 beim FC Schalke 04 zum DFB-Pokalspiel mit bekanntem Ausgang an.

Ojokojo Torunarigha am Ball.
Ojokojo Torunarigha als Passgeber beim FC Sachsen Leipzig. (Archiv) Bildrechte: imago/Picture Point

jmd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 06. Februar 2020 | 19:30 Uhr

2 Kommentare

Grooveman vor 32 Wochen

Ich wundere mich ja auch, ehrlich gesagt. Auf dem Platz standen mehrere dunkelhäutige Spieler, in beiden Mannschaften. Warum wurde dann ausgerechnet nur Jordan Torunarigha rassistisch beleidigt? Das ist schon mehr als merkwürdig, zumal gerade "der Westen", also auch das Schalker Umland und die Fanscene komplett multikulturell aufgestellt ist, sowie Gerald Asamoah ein großes Aushängeschild und der Sympathieträger Nr. 1 des Vereines ist.

Nordsachse vor 32 Wochen

In nahezu jeder Mannschaft in den deutschen Ligen kicken Spieler unterschiedlicher Nationalität, auch viele Dunkelhäutige. Aber scheinbar betreffen die (offenbaren) Anfeindungen immer nur die Hertha, ob gegen Lok Leipzig, den VfB Auerbach und nun Schalke 04. Sind denn die anderen Vereine von solchen sinnlosen und idiotischen Anfeindungen nicht betroffen oder leidet man in der Hauptstadt unter paranoider Schizophrenie? Eigentlich ein Tabu beim Thema Rassismus und Diskriminierung, sollte aber dennoch hinterfragt werden, denn so manchem ist jedes Mittel recht. Und ausgerechnet Schalke, wo Gerald Asamoah als Kult- und Identifikationsfigur gilt.