Fußball | Bundesliga Gegnercheck Bayer Leverkusen: Tore, Moral, wenig Konstanz

13. Spieltag

Sie wollen gern Meister werden, beißen sich an Bayern und dem BVB aber gern die Zähne aus: Am Sonntag treffen Leipzig und "Vizekusen" aufeinander. Mit RB hat die Werkself vornehmlich schlechte Erfahrungen gemacht. Von zehn Duellen wurde nur eins gewonnen, und das ist schon dreieinhalb Jahre her.

Cheftrainer Gerardo Seoane Bayer 04 Leverkusen erklärt die Trainingseinheit.
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Zwei Pokale – kein Meister

Es sind einige Parallelen, die Bayer Leverkusen zu RB Leipzig vorzuweisen ist. Titellosigkeit gehört allerdings nicht dazu: Die Werkself wurde 1988 UEFA-Pokalsieger (Sieg im Elfmeterschießen gegen Espanyol Barcelona) und holte 1993 den DFB-Pokal (1:0 gegen Hertha BSC II). Eine Meisterschale gab es aber noch nie für Bayer. Der Spitzname „Vizekusen“ weist etwas gemein daraufhin: Fünf Mal kam man auf den zweiten Platz - mit 15, 7, 2 und 1 Punkt sowie einmal mit 7 Toren Rückstand auf den Meister. Der Fußballgott ist wohl immer noch teuflisch am Kichern.

Ulf Kirsten 2.v.re. jubelt auf der Ehrenrunde mit der Trophäe, daneben Heiko Scholz Mitte und Christian Wörns alle Leverkusen, 1993
Leverkusen gewann mit Ulf Kirsten und dem Ex-Leipziger Heiko Scholz den DFB-Pokal. Bildrechte: IMAGO / Kicker/Liedel

Letzte Saison …

… war Leverkusen nur kurzzeitig ein Titelkandidat. Zwei Spieltage lang war man Tabellenführer, war in der Rückrunde dann aber nur noch Mittelmaß und rettete letztlich Platz sechs bzw. das Ticket für die Europa League. In dieser scheiterte Leverkusen letzte Saison übrigens in der Zwischenrunde an Young Boys Bern (3:4, 0:2). Und wer war damals Trainer bei den Schweizern? Richtig, der jetzige Bayer-Coach Gerardo Seoane.

Bayer Leverkusen - Hertha BSC
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Die aktuelle Saison …

… begann vielversprechend. Nach sieben Spieltagen und nur einer Niederlage lag Leverkusen auf dem zweiten Platz. Doch dann stolperte Bayer über ein 1:5 gegen Bayern und damit in eine Ergebniskrise. Trauriger Höhepunkt war das Pokal-Aus gegen Zweitligist Karlsruhe. Inzwischen haben sich Florian Wirtz & Co. zumindest von den Ergebnissen her wieder gefangen, liegen mit sieben Punkten hinter den Bayern auf Rang vier.

Moral gegen Celtic

Der vergangene Donnerstag weist tatsächlich auf eine Trendumkehr hin: Beim 3:2-Sieg gegen Celtic Glasgow stimmten Moral und Kampfeswille. Gehapert hatte es jedoch an der Chancenverwertung. Trotz klarer Überlegenheit ging Bayer nur 1:0 in Führung. Das rächte sich: In der 56. Minute führte Celtic 2:1. Aber Leverkusen wendete in den letzten zehn Minuten erneut das Blatt.

 Robert Andrich (LEV) erfreut zwischen Celtic Spielern am Boden.
Robert Andrich erzielte gegen Celtic das 2:2. Bildrechte: IMAGO / Uwe Kraft

Viele Tore – gern zum Schluss

Woran es Bayer auch bei Siegen immer mal wieder mangelt, ist Souveränität. Das Durchschnittsalter des Kaders beträgt knapp 25 Jahre, spielerisch wirkt er aber locker fünf Jahre jünger – sehr talentiert und unreif. Leverkusen spielt jedenfalls auch unter Gerardo Seoane phasenweise sehr ansehnlichen Angriffsfußball. In den bislang 19 Pflichtspielen blieb man nur beim 0:2 gegen Wolfsburg ohne eigenen Treffer. Immerhin 11 der 43 Tore wurden in den letzten zehn Minuten erzielt. Die insgesamt 23 Gegentore weisen wiederum auf ein - zumindest für ein Team mit größeren Ambitionen – veritables Abwehrproblem hin.

Neuer Topscorer

Leon Bailey war letzte Saison mit 15 Toren und 11 Vorlagen Leverkusens bester Scorer. Im Sommer dann bescherte er dem Klub mit seinem Wechsel zu Aston Villa 32 Transfer-Millionen. Der spielerische Verlust wurde vielseitig kompensiert. Nun führen Patrik Schick (8) und Moussa Daiby (7) die interne Torschützenliste an. Zudem kommt der vom 1.FC Union geholte Kämpfertyp Robert Andrich immer besser in Fahrt und hat schon fünf Treffer auf dem Konto. Und dann ist da noch Florian Wirtz. Der 18-Jährige ist ein Diamant, dessen Glanz nicht immer zum Vorschein kommt. Sein Tordrang und sein mannschaftsdienliches Spiel machen ihn trotzdem zum wertvollsten Spieler bei Bayer.

Leon Patrick Bailey (Leverkusen)
Leon Bailey spielt jetzt bei Aston Villa Bildrechte: IMAGO / Moritz Müller

Leert sich das Lazarett?

Was die personelle Lage betrifft, war Leverkusen schon mächtig gebeutelt. Ob die Talsohle in dieser Hinsicht durchschritten ist, bleibt unklar. Florian Wirtz hat seine Hüftbeuger-Probleme offenbar überwunden. Und zu Wochenbeginn schien es auch so, als ob Lucas Alario, Patrik Schick, Karim Bellarabi und Charles Aranguiz auch wieder fit wären. Gegen Glasgow schaffte es aber dann doch keiner des Quartetts in den Kader. Die vier haben aber „die letzten zwei Tage gut genutzt“, sagte Trainer Seoane am Freitag. Die letzte Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. November 2021 | 15:45 Uhr

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