Sport | Jahresrückblick Dezember | Bundesliga Das große Missverständnis bei RB Leipzig – kurze Halbwertszeit für Jesse Marsch

Red-Bull-Stallgeruch brachte Jesse Marsch aus seiner Zeit in New York und Salzburg genügend mit. Doch den Posten des Cheftrainers in Leipzig konnte er nie richtig ausfüllen. Nach 14 Spieltagen war schon Schluss. Jetzt soll Domenico Tedesco die Kastanien aus dem Feuer holen.

Trainer Jesse Marsch (RB Leipzig) betrachtet den Championsleague Ball von Adidas.
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RB Leipzig befindet sich praktisch zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahr 2009 in einer echten sportlichen Krise - wenn man die Hängepartie in der Regionalliga Nordost ausklammert. Nach Jahren des Aufstiegs, zunächst aus der Oberliga bis ins Fußball-Oberhaus und in die Champions League, versinken die Leipziger derzeit im grauen Mittelfeld der Bundesliga.  

Marsch beerbt Nagelsmann

Am Ende musste der erst im Sommer mit viel Lob und Vorschusslorbeeren aus Salzburg verpflichtete Jesse Marsch bereits Anfang Dezember wieder gehen. Der sympathische US-Amerikaner wollte den RB-Spielern die altbekannte RB-Philosophie einimpfen, scheiterte damit aber. Erstens, weil sich der Fußball weitergedreht hat, weil RB Leipzig unter Julian Nagelsmann vom reinen Anrennen und ständigen Attackieren zu einem flexiblen System umgestellt hat und damit übrigens auch erfolgreich war. Zum anderen, weil die Spieler einfach diese Art Fußball zum überwiegenden Teil nicht spielen wollten. Zumal viele der aktuellen Spieler für das System, welches auf Ballbesitzfußball ausgelegt ist, extra nach Leipzig geholt wurden.

Mintzlaff spricht von "Wunschkandidaten"

Gründe für den Fall in die Mittelmäßigkeit gibt es viele. Zum einen hatte man Julian Nagelsmann ohne Not gegen eine zugegebenermaßen ordentliche Stange Geld nach München ziehen lassen. Und dacht dabei, dass Jesse Marsch diesen Verlust ohne Probleme auffangen könnte. "Mit Jesse Marsch konnten wir unseren Wunschkandidaten als neuen Cheftrainer verpflichten und die wichtigste Position im sportlichen Bereich bei RB Leipzig schnell mit einem Top-Trainer nachbesetzen", hatte Geschäftsführer Oliver Mitzlaff bei dessen Verpflichtung gesagt, eine krasse Fehleinschätzung. Marsch war zwar bereits 2018 bis 2019 als Co-Trainer von Ralf Rangnick bei RBL, hatte durchaus Erfolge in Salzburg vorzuweisen, die Bundesliga als Cheftrainer war dann aber doch eine Nummer zu groß für ihn.

Entlassung in Corona-Quarantäne

Anfang Dezember, nach dem Aus in der Champions League und der 1:2-Auswärtsniederlage bei Union Berlin, verbunden mit Rang elf in der Tabelle, war die Zeit von Marsch abgelaufen. Auswärts konnten die Leipziger in der Bundesliga bisher nicht ein Spiel gewinnen. Mintzlaff musste auch sich eingestehen: "Aktuell laufen wir unseren eigenen Ansprüchen hinterher und wollen jetzt mit dieser Entscheidung einen neuen Impuls setzen." Sinnigerweise befand sich Marsch da immer noch in häuslicher Quarantäne nach einem positiven Corona-Test.

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Oliver Mintzlaff 4 min
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Große Aufgabe für Tedesco

Domenico Tedesco soll nun das Ruder herumreißen, die Mannschaft noch in den internationalen Wettbewerb führen. Das wird nicht einfach, wie seine drei Ergebnisse in der Liga andeuteten. Dem starken 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach folgten ein 1:1 in Augsburg und eine 0:2-Heimpleite gegen Arminia Bielefeld. Sein Team wirkte vor allem gegen Bielefeld uninspiriert, teilweise trotz deutlich mehr Ballbesitz ratlos. "Ich habe ehrlich gesagt keine Fantasie gehabt, selbst, wenn wir noch eine Stunde gespielt hätten, dass wir auch nur ansatzweise ein Tor schießen", musste Tedesco eingestehen. Der 36-Jährige hat mit Schalke 04 in der Bundesliga schon einmal durchaus für Furore gesorgt. Immerhin gelang es ihm dort, wie auch in Aue oder Moskau, die Mannschaften deutlich zu stabilisieren. In Leipzig nun erhielt er einen Vertrag bis Sommer 2023.

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Einige Baustellen

Baustellen gibt es in der kurzen Winterpause indes zur Genüge. Ein neuer Sportdirektor ist immer noch nicht gefunden, sieben Monate nach der Trennung von Markus Krösche. Eine echte Führungsfigur fehlte aktuell ebenso wie eine Alternative in der Offensive, die vor dem Tor durch Effizienz glänzt. Es bleibt also spannend, mit ungewissem Ausgang.

rei

4 Kommentare

Sachsin vor 32 Wochen

Sachsen wollten die Dosenherde nie und verachten "ÜberläuferInnen" schwärmen von "Kleine Messe" und friedlicher Revolution.
Damals unorganiesiert und friedlich sind heutige organisiert und gewalttätig. Leipzig war sportlich-olympische Kaderschmiede mit Dopingforschung, die es auch westlich und auch beim Fussball (in Schumachers Buch nachzulesen), gab.

Semtex vor 32 Wochen

Wer Schadenfreude findet darf sie behalten

Nordlicht aus der Altmark vor 32 Wochen

Die Tabelle gibt eine andere Antwort.

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