Jochen Grotepaß
Bildrechte: IMAGO

Fußball | DFB-Strafenkatalog Fan-Vertreter Grotepaß glaubt nicht an eine Veränderung

Der neue Strafenkatalog des DFB hat hohe Wellen geschlagen. Jochen Grotepaß von "ProFans", bundesweites Bündnis aktiver Fan- und Ultragruppen, hat sich im MDR-Interview zu der Thematik geäußert.

Jochen Grotepaß
Bildrechte: IMAGO

Frage: Der DFB spricht von Transparenz. Fan-Vertreter von Scheintransparenz. Wie würden Sie diesen Strafenkatalog einordnen?

Jochen Grotepaß: "Im Grunde genommen ist es ja eigentlich kein Strafenkatalog. Man muss hier glaube ich erstmal die Begriffsdefinition klären. Es ist ein Leitfaden, an dem sich Richter der Verbandsgerichtsbarkeit zukünftig orientieren, wenn es denn eines Tages auch verabschiedet wird. Die Fans haben lange gefordert, dass das ganze Verfahren etwas transparenter wird. Durch diesen Leitfaden bekommt man zumindest Anhaltspunkte, um zu sehen, wie es in Zukunft aussehen würde."

Die Grafik zeigt Strafen des Deutschen Fußball-Bundes bei Fanvergehen in der 1. bis 3. Liga
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie ist die Staffelung zwischen 1., 2. und  3. Liga zu verstehen?

"Ja, das frage ich mich auch. Das ist eine sehr interessante Würfelung, insbesondere zwischen 2. und 3. Liga. Gerade jetzt, wenn man auf Kaiserslautern schaut, muss man feststellen: Würde man es an den Fernsehgeldern aufziehen, dann müsste entweder 1. und 2. Liga Millionen zahlen und wir können bei den Preisen der 3. Liga bleiben oder die 3. Liga müsste nur einen Bruchteil davon bezahlen. Ich verstehe es nicht.  Man hat hier scheinbar versucht, die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Vereine unterzubringen, und das ist spätestens bei der 3. Liga nicht wirklich gelungen."

Wer bestimmt eigentlich, was ein unsportliches Banner ist. "Fick dich DFB“ oder eine böse Schmähung gegen RB Leipzig? Wer legt das eigentlich fest?

"Ich möchte ganz kurz aus einem Protokoll zitieren von der AG Fankulturen. Wir haben diese Fragen natürlich auch an den Herrn Kisslinger (technischer Organisator des DFB, Anm. der Red.), der zusammen mit dem Herrn Koch Anfang Juni in unserer Sitzung war, gestellt. Da heißt es: Es handelt sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der auch in der Strafgesetzgebung zum Beispiel beim Thema Beleidigung existiert. Wer das definiert, wird sich in Zukunft zeigen. Wir werden die ersten Urteile abwarten, und dann wird es wahrscheinlich entsprechend Einsprüche dagegen geben. Das ist eine schöne, klassische, wachsweiche Formulierung, wie sie in der Juristerei öfter mal vorkommt."

Fanprotest der Braunschweiger
Fanprotest der Braunschweiger Bildrechte: IMAGO

Wer kam auf die Idee, dass Schmähbanner ab drei Quadratmeter 8.000 Euro je Banner kosten. Kleiner aber nur 2.000?

"Wer diesen Leitfaden entwickelt hat, der sollte diese Fragen beantworten, da ist der Herr Koch nicht ganz unbeteiligt gewesen.  Ich geh mal davon aus, dass man sich sagt: Ein großes Banner ist im Fernsehen besser zu lesen als ein kleines Banner, deshalb ist wahrscheinlich die Strafe etwas höher zu bewerten. So ist meine Interpretation."

Pro abgebrannter Fackel sind in der 1. Bundesliga 1.500 Euro fällig, pro geworfener Fackel 4.000. Denken Sie, dass es dadurch weniger Pyrotechnik im Stadion geben wird?

"Nein, das glaube ich überhaupt nicht. Es wird mit Sicherheit jetzt kein Ultra hingehen und zu seinem Finanzchef sagen: 'Sag mal Chef, wie sieht unser Kassenbestand aus? Darf ich da mal drei Stück oder vier Stück abfackeln?' Es wird genauso weitergehen wie bisher. Ich denke auch, das ist nicht Sinn und Zweck dieses Leidfadens. Dieser Leitfaden soll eigentlich das Thema, auch die Sport- und Verbandsgerichtbarkeit, transparenter gestalten. Somit kann sich jetzt jeder einen kleinen Eindruck von dem verschaffen, was auf ihn zukommt, wann man mit den Bengalos durch die Gegend wirft oder sie abfackelt. Ob es am Ende zu einer Reduzierung führt, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich."

Seitdem der Dialog zwischen DFB und Fanvertretern von Seiten des Fußball-Verbandes abgebrochen wurde, nahmen die Vorfälle mit Pyrotechnik in den Stadien wieder zu. Wird es durch den Strafenkatalog eine Annäherung geben?

"Die Frage ist zunächst einmal, welcher Dialog wurde denn abgebrochen? Es gab mal einen Dialog zum Thema Pyrotechnik, der wurde seitens des DFB abgebrochen. Das ist richtig. Die Anzahl der Pyro-Vorfälle hat sich seitdem nicht sehr stark verschärft. Es ist nicht sehr viel mehr geworden.  Es ist auch ein Protestmechanismus, der hier zum Tragen kommt. Deshalb glaube ich nicht, dass sich durch diese Richtlinie in irgendeiner Form die Anzahl der Vorfälle reduzieren wird."

Zum Schluss: Flitzer kommen die Vereine mit 3.000 Euro in Liga eins zu stehen. Gibt es eine Strafverschärfung bei Nackflitzern?

"Warum sollte es die geben? Nur weil sie nackt sind? Nein, das sehe ich nicht. Es ist ein Flitzer, der für eine Spielunterbrechung sorgt. Wir hatten hier in Kaiserslautern mal einen, der hat es in der Pause gemacht. Das hat noch nichts gekostet, zumindest habe ich keine Strafe davon gesehen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 05. August 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2018, 10:43 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

07.08.2018 12:35 Sr.Raul 10

Pyro gern noch teurer! Alles Andere ist Männerulk, einfach lächerlich. Wer sich durch ein "Schmähplakat" angegriffen fühlt, soll damit ordentliche Gerichte langweilen. Und Flitzer(innen) haben auch noch nie irgendjemanden Schaden zugefügt. Ist doch doll, wenn Das sogar die Ronaldos dieser Welt locker sehen und sich mit den Leutchen auf'm Platz ablichten. Heiterkeit kommt auch bei der Hatz nicht austrainierter Ordner/Security-Mitarbeiter auf. Zeit wird nachgespielt und fertig!

07.08.2018 08:34 Ullrich 9

Einen entscheidenden Aspekt dieses Kataloges vergessen die meisten. Jeder der zb Phyro im Stadion verwendet, weiß in Zukunft ganz genau, mit welchem Betrag er vom Verein in Regress genommen werden kann, sollte er ermittelt werden. Soweit also eine transparente und faire Regelung!

06.08.2018 20:00 sportfrei 8

Diese Diskussion ist so grotesk. Auf welcher Grundlage macht der DFB eigentlich seine eigenen Regeln? Und bestraft er, der DFB, sich dann auch selbst, wenn bei Spielen, wo er, der DFB, Ausrichter ist, Pyro gezündet wird? (Stichwort DFB-Pokal-Finale)

06.08.2018 16:31 RumBelballer 7

Man(n) kann jetzt hier schimpfen, dem DFB seine eigenen Unfähigkeit bei von ihm veranstalteten Pokalfinale vorhalten, die Rumpelstilzchen zur WM anführen und was weis ich noch was als Beispiel schreiben, es wird sich nichts ändern. Warum auch, der DFB ist ein Staat im Staate und wird sich einen Sche... drum kümmern, was das "Publikum" denkt und fühlt, solange noch ein Einziger Pay-TV bezahlt und die Stadien einigermaßen voll sind. Das "Produkt" zählt und nicht der Konsument.
Und speziell an Mike, wenn Du in der Nähe von Pyro stehst, würde ich mal deine Kumpels fragen, wieso die beim Abbrennen nicht an Deinen Schutz denken. ;-))

06.08.2018 15:56 Rino 6

@5 Du scheinst Dich intensiv mit dem Thema Pyrotechnik befasst zu haben und daher ist Dir auch bewusst, dass ein wildes Umherschlagen mit der Geld-Bestrafungskeule genau das richtige Mittel ist, um der Sache Herr zu werden. Genau aus diesem Grund sinken ja auch bekanntlich die Pyroeinsätze in unseren Stadien und wenn der DFB jetzt hart bleibt, dann dauert es gar nicht mehr lange und auch der letzte Ultra hat’s begriffen. Schau Dir einfach mal Statistiken über Verletzte in Stadien an … Du wirst überrascht sein. Es werden mehr Menschen durch Pfefferspray verletzt als durch Pyro, deshalb wird aber niemand auf die Idee kommen, die Polizei von Fußballspielen abzuziehen. Es geht um Verhältnismäßigkeit und um sinnvolle Veränderungen, die letztlich dazu führen, so viel Toleranz wie möglich walten zu lassen. Und dies gelingt nicht mit Strafen, sondern nur im Dialog. Pyro in einem fest abgesteckten Rahmen zuzulassen und gleichzeitig die Ultras in die Verantwortung zu nehmen, ist der bessere Weg.

06.08.2018 13:25 Mike 5

Die meisten verstehen das Problem nicht, welche gefahr von Pyros ausgeht für Unbeteiligte. UNd dass das gesitige Level bei vielen Fan-Gruppen nicht sehr hoch nagesiedelt ist, kann man in jedem Stadion sehen. Aber was dieser Fan-Beauftragte labert, ist totale Gülle. Er jammert, hat aber selbst keinen sinnvollen Vorschlag. Im Zweifel gehts es dann eben nur über die "Selbstserziehung"! An der Kasse tut es immer weh, Lerneffekt eben ....

06.08.2018 12:56 Sr.Raul 4

Iss was gaaanz Anderes, @2 (Gerald). Weiß man doch. Übrigens, ist noch viiiel schlimmer, der DFB ist VERANSTALTER der Pokalendspiele.

06.08.2018 12:16 saxon 3

Ein mehr oder weniger sinnloses Thema, oder nennen wir es ....einen Kampf gegen Windmühlen. Die DFB Gerichtsbarkeit steht im deutschen Fußball über allem und ist aus deren Sicht einwandfrei und fehlerfrei.......TSCHAU

06.08.2018 09:28 Gerald 2

Eine Frage an Alle! Hat der DFB eigentlich selbst sich eine Strafe beim Pokalendspiel Eintracht Frankfurt gegen Bayern München auferlegt? Immerhin gab es Pyros ohne Ende! Und der DFB war Gastgeber des Pokalendspiel!
Haben selber den Laden nicht im Griff, Aber die Vereine hart bestrafen!
Also DFB erstmal besser machen!

06.08.2018 08:26 Na so was 1

Nur eine Frage: Waren bei der Festlegung der Höhe der Strafen, auch das Strafmaß der zwei DFB-Funktionäre dabei, die bei der WM in Rußland nach dem Spiel Deutschland gegen Schweden vor der schwedischen Auswechselbank rumgesprungen sind, als hätten sie irgendwelche weiße Pillen oder Alkohol zu sich genommen. Sind diese beide Herren, die Namen habe ich nirgends gelesen, vielleicht warens auch gar keine Deutschen und sie wollten nur den deutschen Ruf schlecht machen (Satire aus) von allen Ämtern in Unehren entlassen worden oder dürfen sie weiterhin ihr Unwesen im Namen des DFB überall auf der Welt kund tun ? Auf jeden Fall tolle Vorbilder für die deutsche Fußball-Jugend wie auch die Nationalspieler. Die fußballerischen Leistungen waren zwar nicht berauschend, aber "die Frisur hat immer gesessen".