Jörg Emmerich
Bildrechte: Collage: imago/Picture Point / Colourbox.de

Fußball-Kolumne Emmas Einwurf: Erfahrung schlägt Jugend forscht

Als Profi war Jörg Emmerich ein Gesicht des Fußballs in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In seiner Kolumne "Emmas Einwurf" wirft er einen Blick auf das aktuelle Fußball-Geschehen. Heute: Die Nachlese zum Sachsenderby.

von Jörg Emmerich

Jörg Emmerich
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Wenn man die 90 Minuten im Erzgebirgsstadion beim Klassiker Aue gegen Dresden verfolgt hat, konnte man die unterschiedlichen Möglichkeiten, Fußball spielen zu lassen, gut erkennen: Auf der einen Seite Aue mit dem erfahrenen Trainer Dirk Schuster an der Seitenlinie und einer Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von circa 28 Jahren in der Startelf, die den Gegner auf Höhe der Mittellinie anläuft. Eine Mannschaft, die versucht, mögliche Fehler oder Angebote von Dynamo zu nutzen und durch schnelles Umkehrspiel und Standardsituationen zum Erfolg zu kommen. Da kommen irgendwie Erinnerungen hoch.

Aues eiskalte Chancenverwertung

Auf der anderen Seite Dresden mit dem Trainerneuling Cristian Fiel, dessen Startelf einen Altersdurchschnitt von 24 Jahren aufweist – eine Mannschaft mit viel Ballbesitz, die nicht ständig im ungefährlichen Raum quer spielt, sondern mit spielerischem und kreativem Potenzial den Weg nach vorn sucht, dabei gute Positionswechsel in der Breite und Tiefe aufweist, aber sich im Abwehrverhalten mit eklatanten Fehlern immer wieder in die Bredouille bringt.

Die Partie endete 4:1 für die „Oldies“ – also ist doch klar, was besser funktioniert!? Für den Sonntag im Erzgebirge würde ich das unterstreichen und wenn man daheim vor ausverkauftem Haus das Mehr an Erfahrung so in die Waagschale wirft, vier Tore schießt, eiskalt seine Möglichkeiten nutzt, dann ist der Sieg auch verdient.

Großer Respekt vor Fiels Ansatz

Dennoch habe ich auch absoluten Respekt davor, wie Cristian Fiel mit seiner talentierten Truppe hier aufgetreten ist. Ich bin nicht der Meinung, dass die Schwarz-Gelben mit ihrer Art des Fußballspiels auf dem Holzweg sind. Erfahrung kannst du nun mal nicht trainieren – und die hat Aue ihnen Voraus. Wenn es der Dresdner Mannschaft aber gelingt, aus solchen Niederlagen die richtigen Lehren zu ziehen, giftiger und mit mehr Überlegung ihre Defensivaufgaben erledigt, werden sich auch die Erfolgserlebnisse einstellen.

Ein Klassiker, der hielt, was er versprach

Für Aue wünsche ich mir, dass sie mit ihrem Stil die Welle des Erfolges noch so lange wie möglich reiten. Für Dynamo wünsche ich mir die notwendigen Siege, um den eingeschlagenen Weg mit dem nötigen Selbstverständnis und in Ruhe weiter gehen zu können.

Danke für einen Klassiker, der endlich mal wieder das gehalten hat, was man sich im Vorfeld von so einem Spiel verspricht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 29. September 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 08:23 Uhr

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