Sport | Corona-Pandemie Sollte der Profisport erneut in einen Lockdown gehen?

Angesichts der dramatischen Corona-Lage in Deutschland rückt auch ein erneuter Lockdown für den Profisport wieder in den Fokus. Unter der Vereinen ist die Stimmung gespalten. Ist ein erneuter Stillstand im Profibereich unausweichlich?

Bundesligafußball mit aufgesetzter Mundschutzmaske
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Rasant steigende Inzidenzen, an der Belastungsgrenze arbeitende Intensivstationen und drastische Einschränkungen der Politik: Die vierte Welle der Corona-Pandemie hat Deutschland in der Vorweihnachtszeit fest im Griff.

Während der Sport in Mitteldeutschland auf Landesebene bereits ausgesetzt wurde, darf im Profibereich weiter gespielt werden - wenn auch zum Teil vor leeren Rängen. Ein erneuter Lockdown im Profisport, wie er bereits während der ersten Welle im Frühjahr 2020 zum Tragen kam, stand angesichts ausgeklügelter Hygienekonzepte, dauerhafter Testreihen und einer vergleichsweise hohen Impfquote lange nicht zur Debatte.

Aue-Präsident Leonhardt plädiert für Spielunterbrechung

Helge Leonhardt
Erzgebirge Aues Präsident Helge Leonhardt sprach sich jüngst für eine Spielunterbrechung bis zum Ende des Jahres aus. Bildrechte: imago images/Picture Point

Mit Erzgebirge Aues Präsident Helge Leonhardt hat sich nun erstmals ein Funktionär eindringlich für ein solches Szenario ausgesprochen. Im Gespräch mit "Sport im Osten" plädierte der 63-Jährige für einen "kompletten Lockdown im Fußball" innerhalb der nächsten Wochen. "Wir müssen einfach den Schutz der Menschen in den Vordergrund stellen, Vorbilder sein", betonte Leonhardt.

FCM-Sportdirektor Schork: "Da bin ich komplett dagegen"

Mit Blick auf ausbleibende Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen, die ein erneuter Lockdown nach sich ziehen würde und bereits im vergangenen Jahr viele Vereine und Klubs vor allem in finanzieller Hinsicht empfindlich traf, dürfte der Vorschlag nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Otmar Schork, Sportdirektor beim 1. FC Magdeburg, sprach sich bereits gegen ein erneutes Erliegen des Profisports aus.

Otmar Schork 1 min
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"Da bin ich komplett dagegen", unterstrich Schork im Interview mit "Sport im Osten". "Ich halte nichts davon, die Menschen in ihren eigenen vier Wänden einzusperren. Dort ist die Gefahr größer, als wenn man sich draußen im Freien aufhalten darf. Das betrifft insbesondere den Sport im Freien."

Niners-Geschäftsführer Herhold befürchtet "Scherbenhaufen"

Auch Steffen Herhold, Geschäftsführer der Niners Chemnitz, sieht einen Lockdown kritisch. Der Basketball-Bundesligist muss durch die seit Montag in Sachsen in Kraft getretene Corona-Notverordnung in jedem Fall auf Zuschauereinnahmen verzichten. Für die Entscheidung der Politik habe man Verständnis, sei aber dennoch "schockiert" gewesen. Die Sorge, "im Frühsommer vor einem Scherbenschaufen zu stehen", ist groß, sagte er am vergangenen Montag im "SpiO"-Frühstück.

SpiO-Frühstück 40 min
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"Quasi-Lockdown das letzte Mittel"

Laut Herhold, der mit den Niners wie viele andere Klubs der Initiative "Teamsport Sachsen" angehört, gelte es vielmehr nachhaltige Perspektiven zu erarbeiten, die eine mittelfristige Lösung darstellen. Ein "Quasi-Lockdown", würde einer "Kapitulation vor der Situation" gleichkommen. "Das sollte das letzte Mittel sein", sagte Herhold.

DFL schließt Saison-Unterbrechung aus

Die Debatte dürfte in den kommenden Tagen weiter Fahrt aufnehmen. Aus Sicht der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist eine Saisonunterbrechung in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga aber vorerst kein Thema. Die Aussagen von Aues Präsidenten Leonhardt wurden zur Kenntnis genommen. Man werde allerdings weiter auf "Basis der staatlichen Vorgaben agieren", teilte die DFL am Mittwoch via Twitter mit: "Ein selbstverhängter, flächendeckender Lockdown im Sinn einer Saison-Unterbrechung ist daher kein Thema."

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jsc

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 24. November 2021 | 17:45 Uhr

5 Kommentare

Culicoidea vor 4 Tagen

Amateure treiben nach Schule, Studium oder Arbeit, ergo in ihrer Freizeit Sport. Für Profisportler ist es Arbeit. Würden Arbeiter ausgesperrt, was ja bei Verschlimmerung der pandemischen Lage kommen kann, trifft es auch Profisportler. Nur diese von ihrer Arbeit auszusperren wäre unsinnig.

Emigrant vor 5 Tagen

Die Amateure zahlen wiederdie Zeche und müssen pausieren. Die Profis dürfen weiterspielen, eine Schande! Richtig wäre es, wenn alle ausssetzen.
Aber bei den Profis geht es ja nicht um die Corona-Pandemie ,sondern um's Geld.

Rychlik vor 5 Tagen

Denke auch die "Reichen" sollten sich solidarisch zeigen. Die ständige Bevorzugung von Profis stößt vielen sauer auf. Die Nachwuchsarbeit verrichten werden dagegen abgestraft und brauchen Mittel die Profis im Überfluß haben und staatlich gepampert werden.