Fußball | Champions League Mehrere RBL-Fans mit Coronavirus bei Champions-League-Spiel

Immer klarer wird: Beim vorläufig letzten Großereignis vor Zuschauern in Deutschland waren mehrere unwissentlich mit dem Coronavirus infizierte Menschen – in der ausverkauften Red-Bull-Arena während RB Leipzigs Königsklassen-Weiterkommen gegen Tottenham.

Fanblock RB Leipzig mit Anzeigetafel Spielstand 3-0
Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Es sollte das vorläufig letzte Großereignis dieser Dimension vor Publikum in Deutschland sein und war zugleich der bisherige Höhepunkt in der noch jungen Geschichte von RB Leipzig. Über 42.000 Zuschauer in der ausverkauften Red-Bull-Arena sahen am Dienstagabend des 10. März den Viertelfinal-Einzug des Teams von Cheftrainer Julian Nagelsmann in der Champions League.

Stadion RB Leipzig 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten So 29.03.2020 16:30Uhr 04:00 min

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Was insbesondere Virologen bereits befürchteten und wovor sie warnten: Die Verbreitung des Coronavirus hatte Anfang März bereits Fahrt aufgenommen. Mittlerweile ist sicher: Im Heimpublikum bejubelten – zu diesem Zeitpunkt noch ohne ihr Wissen – mehrere mit dem Coronavirus infizierte RBL-Fans den 3:0-Rückspielsieg über Tottenham Hotspur.

Aus Ischgl zurückgekehrte RBL-Fans im VIP-Raum

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Mittwoch, 26. März), der sich mit MDR-Recherchen deckt, waren noch mindestens drei weitere Infizierte als der bislang eine bekannte Fall eines Mannes aus dem Thüringer Saale-Orla-Kreis im Stadion. Aus einer Gruppe von Leipziger Touristen, die nur einen Tag vor Anpfiff aus ihrem Ski-Urlaub im österreichischen Ischgl zurückgekehrt waren, besuchten die Männer am Abend darauf auch den VIP-Raum des Stadions. Aufgrund aufkommender Symptome gingen sie wenig später zum Arzt und wurden positiv getestet.

Ischgl gilt längst zweifelsfrei als einer der Brandbeschleuniger der Coronavirus-Pandemie in Europa. Erst am 13. März wurde dort die Quarantäne verhängt. Von beispielsweise isländischen Behörden war es bereits am 5. März zum Risikogebiet erklärt worden, nachdem 15 Covid-19-Diagnosen bei einer isländischen Ischgl-Reisegruppe festgestellt wurden.

Marcel Sabitzer (7, RB Leipzig) trifft zum 1:0 und jubelt.
Marcel Sabitzer leitete mit seiner 1:0-Führung das Weiterkommen ein. Bildrechte: PICTURE POINT / Gabor Krieg

Entscheider beriefen sich auf Robert-Koch-Institut

Handelten die Leipziger Behörden und auch RB Leipzig grob fahrlässig? Ignorierten sie ausdrückliche Warnungen, auch aus Expertenkreisen? Zumindest Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Sonntag (8. März) empfohlen, auf Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern zu verzichten. "Man muss schon sehr gute Argumente haben, warum man sich darüber hinwegsetzt", betonte Prof. Dr. Uwe Liebert, Direktor der Virologie der Uni Leipzig, am Mittwoch (11. März) im Gespräch mit dem MDR.

Die Stadtspitze um Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hatte gemeinsam mit dem Gesundheits- und Ordnungsamt und nach Absprache mit den Verantwortlichen von RB Leipzig am Montag (9. März) entschieden, das Spiel mit Zuschauern auszutragen.

Statement von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, in Rom nach einem Krisentreffen von Gesundheitsministern aus Mitteleuropa.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Bildrechte: imago images/photothek

Spahn zeigte Verständnis

In der Bundespressekonferenz darauf angesprochen, zeigte Bundesgesundheitsminister Spahn am gleichen Tag Verständnis, dass diese Partie "kurzfristig schwer abzusagen sei". Weiter sagte er: "Wichtig fand ich den Hinweis […], dass das die Entscheidung für dieses kurzfristig bevorstehende Spiel ist."

Matthias Hasberg, Pressesprecher der Stadt Leipzig, begründete damals im MDR-Interview. "Das Robert-Koch-Institut ist in seiner Empfehlung nach wie vor Auffassung, dass es einen Unterschied macht, ob eine Veranstaltung in einer Halle stattfindet oder draußen. Und das hier ist draußen, und daher eine andere Gefährdungslage." Das sollte sich als tragische Fehleinschätzung entpuppen. Die bittere Erkenntnis dieses sportlich so freudigen Abends: Mit großer Sicherheit dürften sich noch mehr Menschen an diesem Abend in der Red-Bull-Arena angesteckt haben.

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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. März 2020 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2020, 19:27 Uhr

23 Kommentare

Dmdwt77 vor 7 Tagen

Die ganze Diskussion geht am Thema vorbei. Es geht hier nicht um die paar hundert Zuschauer, die nahe neben den Covid-19 Infizierten im Stadion standen oder saßen. Das eigentliche Problem waren die Hunderttausende an Fans in Bars und Kneipen, die gemeinsam das Spiel gesehen haben. Das Spiel hätte daher nie stattfinden dürfen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob es RB oder ein anderer Club war. Champions League wurde ja kurz vorher auch noch gespielt - trotz besseren Wissens. Bleibt gesund!

Muzzi vor 7 Tagen

Nein, aber sie ist eine der Hauptverantwortlichen in dieser Region, da sie Symptome hatte und die Anzeichnen klar auf COVID19 hingewiesen haben und sie trotz fehlenden Testergebnis ans Fest gegangen ist. Das ist schlichtweg verantwortungslos und mehr nicht.

zwigger1 vor 7 Tagen

Glück gehabt
Das ganze war verantwortungslos hoch3 und hat nichts mit Hetze gegen das Projekt zu tun
Die Verantwortlichen der Stadt Leipzig und des Brausekonzerns sollten zur Rechenschaft gezogen werden