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Fußball | Bundesliga Nach RB-Kooperation: Erklärung von Paderborn - Baumgart sauer - erste Kritik aus der Liga

Die geplante Zusammenarbeit von RB Leipzig und Bundesliga-Aufsteiger Paderborn sorgt nun auch für erste Kritik aus der Liga. Die Ostwestfalen versuchen zu beschwichtigen. Trainer Baumgart ist sauer.

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Die Konkurrenz warnt vor Wettbewerbsverzerrung, der Anhang droht mit Boykott - die angestrebte Kooperation der beiden Fußball-Bundesligisten RB Leipzig und SC Paderborn sorgt weiter für Diskussionen. "Wir sprechen hier immerhin von zwei Clubs aus derselben Liga. Da bin ich schon sehr überrascht, das sollte man genau prüfen", kommentierte Alex Wehrle im Fachmagazin "Kicker" (Donnerstag ). Der Geschäftsführer des 1. FC Köln warnte: "Was ist, wenn am letzten Spieltag einer von zwei Clubs sein Ziel erreicht hat, und der andere braucht noch einen Punkt und beide spielen gegeneinander. Hier werden ohne Not Angriffsflächen geschaffen."

Armin Veh, Alexander Wehrle, 1.FC Köln.
Kölns Geschäftsführer Alex Wehrle (re.) und Sportchef Armin Veh Bildrechte: imago images / Herbert Bucco

SCP-Trainer Baumgart: Werden keine Filiale von RB Leipzig

Nicht nur SCP-Präsident Elmar Volkmann zeigte sich von den vielen heftigen Reaktionen überrascht". Auch Fußball-Lehrer Steffen Baumgart versuchte, die Wogen zu glätten. "Wir werden keine Zweigstelle, kein Ableger oder Filiale von RB Leipzig. Wir bleiben eigenständig und behalten unsere Identität", sagte Baumgart dem "Westfalen-Blatt". Er verwies auf bereits gängige Praktiken: "Wir leihen uns Spieler, um unsere Ziele zu erreichen. Das haben wir in der Vergangenheit auch mit anderen Vereinen gemacht, alles andere wäre auch fahrlässig."

Steffen Baumgart gibt Anweisungen
Paderborns Erfolgstrainer Steffen Baumgart Bildrechte: imago/Jan Huebner

Baumgart sauer über Boykottdrohung der Fans

Die beiden Bundesliga-Klubs hatten am Dienstag im Zuge des Wechsel des Paderborners Managers Markus Krösche nach Leipzig ihre künftige Zusammenarbeit im sportlichen Bereich bekanntgegeben. Darauf drohten Fans des Aufsteigers mit Boykott der Spiele. "Wir wollen kein weiterer Teil in diesem kranken Spielerkarussell der RB-Clubs, noch ein Marketinginstrument für ein Brauseprodukt sein", heißt es in der von sechs Fan-Gruppierungen unterzeichneten Stellungnahme. Die Boykottdrohung der Fans ärgert den in geborenen Rostock geborenen Ex-Magdeburg-Coach: "Wir leben in einem freien Land, da darf jeder seine Meinung haben. Ich mag es deshalb gar nicht, wenn gleich gedroht wird. Das ärgert mich dann maßlos. Bei allem Verständnis für den Unmut."

Benteler-Arena in Paderborn Fanblock
Die SCP-Ultras drohen mit "Fahnenflucht" Bildrechte: imago images / Revierfoto

Paderborn präzisiert die Kooperation

Die große Aufregung veranlasste die Paderborner Clubführung am Mittwochabend, den Deal mit den Leipzigern auf der Vereinshomepage näher zu erläutern. Das soll zur Versachlichung der Diskussion beitragen. "Inhaltlich zielt die Kooperation auf einen gegenseitigen Austausch über sportliche Entwicklungen ab, insbesondere im Bereich der Ausbildung von Spielern und der Fortbildung von Trainern. Dadurch soll es zu einem Know-How-Transfer in beide Richtungen kommen, der letztlich beiden Clubs hilft", hieß es in der Erklärung. Die Möglichkeit von Spielerleihen sei besprochen worden, stehe aber "sicherlich nicht im Vordergrund". Ob es tatsächlich dazu kommen wird, sei "aktuell auch noch nicht abzusehen". "Unabhängig davon stehen wir natürlich in sportlicher Konkurrenz im Ligaspielbetrieb", teilte der SCP mit.

Elmar Volkmann, 2017
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RB Leipzig schweigt

Die Leipziger wollten sich aktuell dazu nicht mehr äußern. RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff hatte Anfang der Woche betont, dass die sportliche Kooperation mittel- und langfristig sein soll. "Das Ganze bezieht sich auf den Austausch im Scoutingbereich, auf Hospitationen, auch auf den Austausch in der Commercial-Ebene, das haben wir im Zuge des Wechsels von Markus Krösche alles detailliert niedergeschrieben", sagte Mintzlaff. Auch eine Ausleihe von Spielern, die aus den globalen Talentestützpunkten kommen, wäre denkbar. "Vielleicht könnten sie erstmal in Paderborn spielen, bevor sie dann zu uns kommen", erklärte der RB-Vorstandschef, dem eine U23 fehlt.

Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick auf PK
RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und der künftige Red-Bull-Fußballverantwortliche Ralf Rangnick. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Wissenstransfer oder Spielertransfer?

Das scheint der Knackpunkt zu sein: Spieler auf Leihbasis aus dem Red-Bull-Kosmos nach Paderborn - SCP-Coach Baumgart würde sich freuen. Sein Präsident Volkmann hat mit der Kooperation aber eigentlich andere Pläne. Und die Paderborner Ultras können mit der ganze Kooperation nichts anfangen - und dabei stören sie sich eben ganz besonders an der Tatsache der Spielertransfers.

v. l. Kevin Kampl (RB Leipzig), Tyler Adams (RB Leipzig), Kerem Demirbay (1899 Hoffenheim) beim Kampf um den Ball.
Einer wie US-Boy Tyler Adams könnte künftig zunächst in Paderborn "geparkt" werden. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Oliver Minzlaff bei einer Pressekonferenz 2 min
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Mi 05.06.2019 11:33Uhr 02:03 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-306986.html

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dpa/cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 05. Juni 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 14:54 Uhr

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46 Kommentare

07.06.2019 20:54 R17 46

45,@Reisender, so sieht’s aus! Seinerzeit einfach zu schnell das Handtuch geworfen.

07.06.2019 18:25 Reisender 45

@ 37 Rennsteiger, und nun hätte ich gerne noch paar Beispiele von den von Dir genannten Kooperationen in Wirtschaft und Forschung. Die bist Du mir ( uns ) schuldig geblieben.
Und zum Thema Arnold, genau das macht mir Angst, dass dort "Macher", wie Du sie nennst an der Macht sind. Die interessiert der Konkurrent einen Sche..., die wollen ihr Produkt promoten, jeher Geld man verdient um so besser.
Und ob die gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüche alle gut waren, wissen wir vielleicht in 20 Jahren, jetzt heben die verantwortlichen Politiker erst mal hilflos die Hände, da sich ein grosser Teil eben nicht mehr verarschen lassen will.

07.06.2019 17:35 Voice 44

@42 Emma
Gewissensfrage. Sind Sie ein ehrlicher Mensch?
Ich könnte jeden Tag schwarz fahren, tue das aber nicht, aber die Möglichkeit gibts.
Wieso unterstellen Sie, dass automatisch immer betrogen wird, nur weil die Möglichkeit dazu besteht??
"Was ich selber denk und tu, trau ich auch den Anderen zu...."
Bitte nicht immer nur das Schlechteste annehmen, auch wenn Sie RB nicht mögen.
Keiner kennt die genauen Inhalte des Vertrages, aber Viele hauen drauf, weils so schön ins Feindbild passt.

Beste Grüße aus der Messestadt!!

07.06.2019 17:10 Schappio5 43

Rennsteiger....recht hast du!! Bgw grüsse

07.06.2019 16:33 Emma 42

Man stelle sich vor, am letzten Bundesligaspieltag spielt das Konstrukt gegen Paderborn. Das Konstrukt hat sein Saisonziel erreicht, nach oben und unten geht nichts mehr. Der SCP braucht unbedingt 3 Punkte, sonst geht´s ab in Liga 2. Was wird dann wohl passieren?!
Hier wird doch dem Betrug Tür und Tor geöffnet, das müsste doch selbst einem RB-Konsumenten einleuchten.
Hut ab vor den Paderborn-Fans, die den Finger in die Wunde legen!

07.06.2019 14:33 heRBert 41

Also wenn ich das richtig verstanden habe, weiß keiner was. Hier klingt das aber so, als wüssten alle genauestens Bescheid. Man weiß sogar, was am letzten Spieltag passiert. Das ist ein Vorgriff auf die Ansetzungen, die erst Ende des Monats öffentlich gemacht werden sollen. Wie geht denn das Spiel aus?
Anscheinend sitzen auch Maulwürfe in der Konzernzentrale, die durchgesteckt haben, dass Red Bull die Bundesliga kauft und den Mond.
Und Anwälte, die sich am Nasenring durch die Manege führen lassen, haben ihren Beruf verfehlt.

07.06.2019 13:47 Kindermann 40

@33
Wenn schon Zahlen, dann richtig !
Gladbach gewann am letzten Spieltag 77/ 78 mit 12:0 und Köln mit 5:0.
Aber normal war beides nicht.

07.06.2019 13:39 Chemieschwein 39

@36 Falls du alles gelesen haben solltest ..über die Vertragsbedingungen wurde "Stillschweigen" vereinbart und die dürfen ,stand der dinge zur zeit, noch nicht mal ihre Mitglieder beim SCP informieren ..die haben nämlich welche ..nicht wie Ihr ... nur 5 geschäftskumpane von matteschitz !

07.06.2019 13:28 zwigger 38

Ein Stück weit führt RB die Ligen und Verbände am Nasenring durch die Manege
Das ist die Meinung eines Anwalts der der auf Sportrecht spezialisiert ist und dem ist eigentlich nichts hin zu fügen
Schöne Pfingsten an alle Fußballfans und natürlich auch an alle Begleiter des Projekts

07.06.2019 13:19 Rennsteiger 37

@Reisender Vorab, ich kann wohl zwischen tumben Hassern und den Kritikern unterscheiden noch bestreite ich, dass die Existenz von RBL nicht losgelöst von knallharten ökonomischen Interessen zu sehen ist. Aber, ich halte beine Win- Win- Situation für beide Vereine in diesem Fall für möglich. Soweit zu der mir angedichteten Blauäügigkeitl Arnold Schwarzenegger hat unlängst gesagt, dass es Träumer, Macher und Zweifler gebe. Letztere hätten leider die Oberhand. Nicht so bei RBL - dort sind Macher am Werk und das auch noch erfolgreich.
Das muss nicht allen gefallen, aber die Zeit, da Toni Turek oder Puskas meine Vorbilder waren, ist unwiderruflich vorbei. Jetzt konsumiere ich endlich wieder Spitzenfußball in meiner Stadt, halte Tradition für schön. aber nicht erforderlich nach den gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen in den letzten dreißig Jahren. Soweit nochmals Grundsätzliches

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