Timo Werner nachdenklich enttäuscht.
Bildrechte: IMAGO

Fußball | Bundesliga RB Leipzig zwischen einerseits und andererseits

Mit 4:1 hat RB Leipzig den im Abstiegskampf feststeckenden VfL Wolfsburg bezwungen. Das klingt souverän, aber es hätte auch alles ganz anders kommen können.

von Sven Kups

Timo Werner nachdenklich enttäuscht.
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Über RB Leipzig lässt sich trefflich streiten. Inzwischen vielleicht weniger um die Daseinsberechtigung des Klubs, denn in der Diskussion um Kommerz und Plastik wurden längst alle Argumente ausgetauscht. Wirklich neuen Stoff bietet in dieser zweiten Bundesliga-Saison vielmehr die Mannschaft, die im Schneckenrennen um die Europapokal-Plätze kräftig mitmischt. Trotz "einiger" überraschender und deftiger Niederlagen: Immerhin 13 Gegentore hatten die Leipziger zuletzt in nur vier Punktspielen kassiert.

Saisonziel erreichbar und doch weit weg

Der 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg bedeutet das Ende einer waschechten sportlichen Krise. Ob das Glas nun endlich halbvoll oder immer noch halbleer ist, ist wie immer eine Frage der Interpretation. Einerseits sieht es tabellarisch auch weiterhin nicht besonders rosig aus: Einen Spieltag vor Schluss liegt RB mit 50 Punkten nur auf Rang sechs und ist vom Saisonziel Champions-League-Platz weit entfernt. Andererseits ist das Ziel immer noch erreichbar. Wenn die Konkurrenz mitspielt.

Ralph Hasenhüttl
RB-Trainer Ralph Hasenhüttl Bildrechte: Picture Point

Die aktuelle Situation provoziert unweigerlich ein "Was wäre wenn". Mit nur einem Sieg mehr - zum Beispiel im Spiel vor einer Woche in Mainz - sähe die Lage jedenfalls ganz anders aus. Dann stünde der Vizemeister jetzt auf Rang vier und wäre für ein Königsklassen-Ticket nicht so massiv auf Schützenhilfe angewiesen.  

Klare Verhältnisse?

Unterschiedliche Sichtweisen bietet auch das Duell mit den "Wölfen". Einerseits ist das 4:1 ein klares Ergebnis, das an glorreiche Zeiten in der vergangenen Saison erinnert. Andererseits hätte es auch diesmal gegen Wolfsburg ganz anders laufen können. Wenn der VfL seine Überlegenheit in den ersten 20 Minuten der Partie besser genutzt hätte oder Nany Dimatas Kopfball kurz nach dem 1:2-Anschlusstreffer (48.) nicht knapp neben das Tor gegangen wäre. Oder wenn Wolfsburgs hochtalentierter Innenverteidiger Felix Uduokhai, geboren übrigens im sächsischen Annaberg-Buchholz, nicht einen rabenschwarzen Tag gehabt und zwei Gegentore verschuldet hätte. Und so weiter, und so fort.

Jean-Kevin Augustin erzielt den Treffer zum 4:1
Jean-Kevin Augustin trifft vor Felix Uduokhai zum 4:1. Bildrechte: Picture Point

Ob Effizienz vor dem Tor, Kampfeswille, Pressing oder Umkehrspiel bei gegnerischen Kontern – in fast allen Belangen lief es bei RB Leipzig diesmal deutlich besser. Einerseits. Andererseits war das Überzeugendste am Samstag dennoch das Ergebnis. Erzielt gegen Wolfsburger, die zeitweise wie ein Absteiger spielten. Am kommenden Wochenende nun steigt das Finale in Berlin bei der Hertha. Mit einem Sieg dort hätte RB Leipzig aus eigener Kraft zumindest die Europa League gesichert. Ob das dann für den bisherigen Vizemeister ein großer oder nur ein kleiner Erfolg ist? Der Stoff zum Streiten geht bei RB Leipzig vorerst nicht aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sportblock | 06. Mai 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2018, 10:51 Uhr

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1 Kommentar

06.05.2018 14:40 Quentin aus Mondragies 1

Hätte, hätte Fahrradkette. Ich glaube die Erwartungshaltung ist bei Einigen etwas hoch (inkl. MDR). Auch ein 9. Platz ist in der zweiten Saison toll. Ich bin froh, dass in der näheren Umgebung Bundesligafußball läuft. Schalke, Dortmund und Hoffenheim wären aufgrund ihrer Nachwuchsarbeit verdiente CL-Teilnehmer. RB Leipzig, RB Salzburg und Liefering sind mittelfristige Projekte. Die brauchen noch Zeit, um international ganz vorne mitzuspielen.
Wenn man ehrlich die Ganze Sache betrachtet, können Schalke, Dortmund, Leipzig und Hoffenheim nie längerfristig internationale Stars binden. Die suchen halt auch in ihrer Freizeit Glamour (London, Barcelona, Madrid, Rom, Paris...). Dies können o.g. Städte nicht bieten. Schade, dass Hertha nur fußballerisches Mittelmaß ist.