Fans protestieren gegen den neuen Montagsspieltag.
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Fußball | 1. Bundesliga "Boykott ist nicht der richtige Weg" - RB-Fan im Interview

Spitzenspiel, Protest-Aktionen und ein rassiges Duell: Die Partie Frankfurt gegen Leipzig sorgte für allerhand Gesprächsstoff. Nach dem Spiel sprach ich mit der 27-jährigen RB-Anhängerin Carolin Trommer vom Fanclub "Die Vollzahler e.V.", die trotz Boykottaufruf nach Frankfurt fuhr und ihre Sicht auf die Dinge vor Ort schildert.

von Marcus Teichmann

Fans protestieren gegen den neuen Montagsspieltag.
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Frage: Obwohl einige RB-Fangruppierungen vor dem Spiel zum Boykott der Partie aufgerufen haben, sind ca. 600 Fans mit nach Frankfurt gereist. Wieso hast Du an einem Montag die stundenlange Busfahrt auf Dich genommen?

Carolin Trommer: Ich konnte es auf Grund von Schichtarbeit besser einrichten als so manche Partie am Wochenende, zudem ist es immer ein Highlight für mich, die Mannschaft auswärts zu unterstützen. Ich hatte die Tickets für Spiel und Bus bereits, als ich die Nachricht erhielt, dass die Mannschaft die Busfahrt aus der Mannschaftskasse spendieren würde. Das hat mir gezeigt, dass die Spieler unseren Support auswärts schätzen. Das gesparte Geld habe ich übrigens gespendet.

Das ist aller Ehren Wert. Kannst du denn die Argumente der Gegner nachvollziehen, die zum Boykott aufgerufen haben?

Ich kann gut nachvollziehen, dass die Ansetzung von Bundesliga-Partien unter der Woche und vor allem spätabends für die breite Masse der Fans ein Problem darstellt. Das gilt wahrscheinlich besonders, wenn man wie wir auch noch etwa zehn Stunden Busfahrt addieren muss. Auch wenn man die Zeit dafür irgendwie freigemacht hat, ist man wahrscheinlich nicht so richtig bei der Sache. Fußball ist für viele Fans eben auch Entspannung und Abschalten vom Alltag. Das geht etwas verloren.

Während einige Fangruppierungen zum Boykott aufriefen, wurden die Busfahrten für die mitreisenden Fans aus der Mannschaftskasse bezahlt. Hat RB mit dieser Aktion nicht die eigenen Fans brüskiert? 

Ich finde generell nicht, dass das Ausrufen eines Boykotts der richtige Weg ist. Einfach wegzubleiben hat noch nie etwas bewirkt. Ich persönlich halte mehr davon, wenn möglich vor Ort, die eigene Meinung kreativ kundzutun. Ich sehe die Aktion der Mannschaft als Offerte, dies zu tun. Ob sie kalkuliert war oder nicht, tut für mich nichts zur Sache.

Blick von den Zuschauerrängen eines Stadions auf ein Spielfeld
Ein Blick aus der Leipziger Fankurve. Bildrechte: Marcus Teichmann

Stichwort kreativer Protest: Die Frankfurter durften unmittelbar vor Spielbeginn ihre Protest-Banner über die Werbebanden am Spielfeldrand hängen, nutzten Trillerpfeifen während des Leipziger Ballbesitzes und feuerten Tennisbälle zu Beginn der zweiten Halbzeit auf den Rasen. Ist das die richtige Form des Protestes? 

Protest ist für mich zumindest dann sinnvoll, wenn er die Message transportiert. Über die meisten Banner mussten wir im Block selbst etwas schmunzeln. Das mehr oder weniger kontrollierte Betreten des Innenraumes durch Fangruppen finde ich fragwürdig. Es stört die Abläufe und war für mich nicht nötig, um Kritik am DFB anzubringen. Stattdessen hatte man das Gefühl, es ging darum, zu stören und die Ultra-Muskeln spielen zu lassen. Pfiffe im Stadion, auch mit Trillerpfeifen finde ich ein legitimes Mittel, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Wir haben da ja bereits Erfahrungen in der Türkei bei Besiktas Istanbul gesammelt. Das werfen von Gegenständen, egal ob Tennisball, Bierbecher oder Feuerzeug, ist für mich indiskutabel.

Wie hätte denn deiner Meinung nach ein gelungener Protest aussehen können? Die 600 RB-Fans vor Ort hatten ja durchaus die Möglichkeit, ihre Meinung kundzutun.

Eine Banner-Aktion wäre auch für uns durchaus denkbar gewesen, allerdings bedarf es dafür Einigkeit zum Thema. Ich hätte mich über etwas mehr Einmischung vom Fanverband gefreut, schließlich ist er die Vertretung aller Fans. Wo viele Menschen zusammen kommen, gibt es viele Meinungen, aber die Schnittstelle sollte immer das entspannte gemeinsame Fußball-Erlebnis sein.

Kommen wir mal zum eigentlichen Spiel. RB hat das Spitzenspiel verdient verloren. Woran lag es deiner Meinung nach?

Es war für mich heute kein Setting, um die jungen Wilden auszuprobieren. Die Stimmung ringsherum war von vornherein unruhig und ich finde das hat sich im Spiel wiedergefunden. Dazu kam ein Schiedsrichter, der selbst  unsicher und sprunghaft wirkte, sowie eine abgeklärte Frankfurter Mannschaft, die trotz aller Tumulte die Ruhe und Übersicht behielt und auf den Punkt ihre Chancen nutzte.

Also hätte RB-Coach Ralph Hasenhüttl weniger rotieren sollen? Generell hat man den Eindruck, dass RB mit körperlich robusten Mannschaften Schwierigkeiten hat, oder?

Ein Spiel gegen die Eintracht ist immer körperbetont, nicht umsonst führen sie die Foul-Hitliste an. Ich hätte mir deshalb etwas mehr Bundesliga-Erfahrung in der Startelf gewünscht. Er hätte aber zumindest etwas eher wechseln können. Schön ab Mitte der ersten Halbzeit wurden die Zuspiele immer ungenauer und die Übersicht ging verloren. Das Resultat daraus sind zwei Gegentore in vierminütigem Abstand. Da muss man zeitnah reagieren.

Mit Neapel steht am Donnerstag schon der nächste Gegner vor der Tür. Die Italiener haben den Fokus auf die Liga gelegt und den Wettbewerb quasi abgeschenkt. Hätte RB das auch tun sollen in Hinblick auf die Doppelbelastung mit dem eigenen dünnen Kader und der aktuellen, engen Tabellensituation?

Für mich als Fan ist eine gewisse Konstanz in der Liga schon wichtiger und wenn dabei internationale Wettbewerbe rausspringen, ist das ein schöner Nebeneffekt. Aber mit Blick auf die anstehenden bzw.  laufenden Vertragsverhandlungen mit einigen Leistungsträgern ist ein erfolgreiches internationales Abschneiden auch für gebundene und zukünftige Spieler attraktiv. Ich finde, man sollte die Doppelbelastung annehmen und situativ reagieren. Ich hoffe natürlich darauf, dass im Rückspiel gegen Neapel die nächste Runde erreicht wird. 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. Januar 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2018, 10:25 Uhr

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20 Kommentare

21.02.2018 19:17 blubb 20

@19,
die zuschauer im stadion interessieren die tv-vermakter erst in zweiter linie. die würden den den spieltag am liebsten so entzerren, dass jedes spiel ne eigene anstoßzeit hätte. einfach zu den zeiten nicht ins stadion gehen, wird in der masse nicht funktionieren, weil es eben nie alle tun. ein organisierter protest mit einer stimme ist schon wichtig. wie weit fortgeschritten die kommerzialisierung in der beziehung aber schon ist und kaum noch jemand anstoß daran nimmt, merkt man schon daran, wie normal inzwischen ein montags-spiel in der zweiten liga ist.

21.02.2018 13:18 Tamico 19

Ich verstehe das ganze Geschrei nicht! Wer keine Montagsspiele will, der geht am Montag einfach nicht ins Stadion. Wenn dies alle tun und die Stadien leer bleiben, regelt sich das alles ganz schnell von allein!

21.02.2018 12:54 Leo-Armine 18

Völlig überflüssiges Interview. - Und inhaltlich? Da wird sich der Rasenball- Ralle dolle freuen, ganz sicher.

21.02.2018 12:40 Paradiesler 17

@Zwigger: Können Sie mir verständlich schildern, was Sie in diesem Interview als „peinlich“ empfinden?

21.02.2018 11:22 zwigger 16

Einfach nur peinlich
Ist bestimmt von der Marketinabteilung verfasst und von RR gegen gelesen worden

21.02.2018 09:35 Stefan 15

Es ist paradox das RB Fans überhaupt über Boykott bezüglich solcher Anstoßzeiten diskutieren, denn genau das ist doch gewünscht von ihnen, der neue " moderne Fussball", mit allen drum und dran.

20.02.2018 19:24 Rennsteiger 14

@ OK. Toni Danke für deine Antwort. Akzeptiere dies. ist mir aber alles nicht so wichtig gegenüber dem, was in 90 Minuten unten auf dem Rasen ankommt. Soll nicht heißen, dass mir alles bei RB Rundrum gefällt.

20.02.2018 17:00 toni 13

Für 12) Du willst Beispiele für die demokratische Mitbestimmung bei z.B. Dresden..; Bitte, hier hast Du sie: a) zum Beispiel bei der Wahl des Aufsichtsrates, der übrigens u.a. den Sportdirektor und den Geschäfttsführer einstellt; b) bei den Preisen für die Eintrittskarten; c) bei Fragen zum "Leitbild" bzw. zur Struktur eines Vereins (wie z.B. in Dresden die bewusst nicht gewollte finanzielle und strukturelle existentielle Abhängigkeit von einem Konzern)... , d) Mitbestimmung bei der demokratischen Gestaltung des Stadions, vor allem des K-Blocks, ohne vorher einen Geldgeber oder einen Konzern um Erlaubnis zu fragen. Zusammengefasst; die Art und Weise der Mitbestimmung unterscheidet Dein Verständnis vom "Vereins"-Fußball (Im Interesse des Konzerns) von meinem Verständnis eines demokratischen Miteinanders.

20.02.2018 14:47 Rennsteiger 12

@ 3 Toni. Bitte erkläre mir, was dein Mitgliedsbeitrag bewirkt und wobei du mitbestimmst. Ich bezahle etwa die von dir genannte summe für meinen Stammplatz. Hinzu kommen die Ausgaben für Pokalspiele, den üblichen Krimskrams vom Schal bis zu Jerseys für die Enkel und wenn für eine neue Choreo gesammelt wird bin ich auch dabei.
Durch die Fanclubs fühle ich mich als "Konsument" seit 2009ausreichendt vertreten. Mitbestimmung in einem professionell gut geführtem Verein- wozu? Sie war für mich noch bei Aquarianern von Bedeutung, als ich Buntbarsche züchtete Worüber entscheidet ihr ? Wo die Eckfahne stehen sollen, drei- oder viertägiges Klopapier auf den Toiletten oder? Übrigens ich gehe seit mehr als 50 Jahren zum Fußball. Ball habe ich auch gespielt, aber nur im Wasser

20.02.2018 14:47 Atze 11

Was für ein peinliches Interview. ...