Die Spieler von RB Leipzig feiern mit den Fans den 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg
Bildrechte: IMAGO

Fußball | 1. Bundesliga Prestige, Krampf und ein Jubiläum

Nach dem Auswärtssieg in M’gladbach hat RB Leipzig nun auch zur alten Heimstärke zurückgefunden. Das 2:0 am Freitagabend gegen den FC Augsburg macht durchaus Mut für das Knallerspiel gegen den SSC Neapel, auch wenn nicht alles Gold war, was glänzte.

von Sven Kups

Die Spieler von RB Leipzig feiern mit den Fans den 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg
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So ein 2:0-Sieg an einem Freitagabend ist eine feine Sache: Er bringt dem Verein drei Punkte und den Spielern ein relativ entspanntes Wochenende. Der Ertrag von RB Leipzig nach dem Erfolg gegen Augsburg ist allerdings ein ganzes Stück höher. Denn angesichts der Abneigung, die beide Klubs bis in die Chefetage hinein zueinander pflegen, war es auch ein Prestigesieg. So war FCA-Boss Klaus Hofmann letzte Saison in Leipzig beinahe aus der VIP-Loge geflogen. Dieses Jahr heizte er die Stimmung im Vorfeld mit der Bemerkung an, er wolle lieber mit den Augsburger Ultras Blut spenden und das Spiel dann in der Fankneipe schauen, als noch mal nach Leipzig zu fahren.

Während der reichlich 90 Spielminuten wurde dann auch entsprechend heiß gekämpft. Und das nicht nur auf dem Rasen. Auch am Spielfeldrand, wo Ersatzspieler und Betreuer auf den Bänken nicht weniger Einsatz zeigten und auch verbal grätschten. Nach dem Abpfiff waren Freude und Erleichterung bei den Leipzigern groß. Auf großes Triumphieren verzichteten sie - nun ja, fast: Einzig der wegen einer Grippeerkrankung aus dem Kader gefallene Marcel Sabitzer trat mit einer süffisanten Bemerkung bei Twitter nach.

Treffer mit Ansage und Spezialjubel

Das breiteste Grinsen am Freitagabend hatte Dayot Upamecano aufgelegt, der Torschütze des 1:0. Ein historischer Treffer. Nicht nur, weil sein letzter schon ein paar Jährchen her ist ("Da habe ich noch beim FC Liefering gespielt."), sondern weil es das 100. Bundesliga-Tor von RB Leipzig war. Trainer Ralph Hasenhüttl bemerkte zu seinem 19 Jahre alten Innenverteidiger lächelnd: "Ich sage immer: Der Junge kann unglaublich viel, aber nicht Tore schießen. Es ist schön, dass er jetzt damit anfängt."

So ungewöhnlich das Tor für "Upa" auch war – es war offenbar eines mit Ansage. Gefragt, warum er bei seinem Jubel in Richtung Ersatzbank gestürmt war, antwortete der Franzose: "Es war mir wichtig, mich bei Yvon Mvogo (Ersatzkeeper von RB Leipzig; d.Red.) zu bedanken. Denn er hatte mir gesagt, dass ich heute ein Tor schießen werde.“ Den Treffer widmete der zweikampfstarke Shootingstar seiner Mama: "Auch sie hat mir gesagt: Du wirst heute ein Tor schießen!"

Danish Dynamite - Werners Krampf

Kein Tor vergönnt war dagegen Yussuf Poulsen, der es erstmals in diesem Jahr in die Startelf geschafft hatte. Der Däne gewann 20 Zweikämpfe, was für einen Stürmer stattlich ist, und erhielt dafür sogar von Augsburgs Trainer Manuel Baum eine lobende Erwähnung. Poulsens spektakulärste Aktion war der Seitfallzieher, den FCA-Keeper Marwin Hitz nur noch vorn abklatschen konnte und so zur Vorlage für Upamecanos 1:0 wurde. Nicht minder erwähnenswert ist Leipzigs Abwehrarbeit. Bereits gegen Gladbach war zu sehen, dass RB an seinen Schwächen bei gegnerischen Standards gearbeitet hat. Gegen Augsburg sah das jetzt schon richtig souverän aus. Der Lohn: das zweite Spiel in Folge ohne Gegentor.

Aber am Freitag war auch nicht alles Gold, was glänzte. Aufpolieren muss RB in jedem Falle seine Chancenverwertung, die in dieser Saison schon mehrere Punkte gekostet hat. Leipzig war in seiner relativ kurzen Geschichte noch nie eine Kontermannschaft. Aber wie gegen Augsburg Gegenangriffe in Überzahl ausgespielt wurden, war schon Lehrbuchreif. Überschrift des Kapitels: Wie man es nicht machen sollte. An den jeweiligen Spielzügen meist beteiligt war Timo Werner, dessen Versuche, zum Torerfolg zu kommen, irgendwann krampfhaft wurden und zwanghaften Charakter erhielten. In der Folge traf er oft die falsche Entscheidung oder übersah den besser postierten Teamkollegen.

Neapel vor der Brust

Nichtsdestotrotz sorgte der Sieg gegen Augsburg für weiteres Selbstbewusstsein. Das ist am Donnerstag beim Auswärtsspiel in der Europa League auch bitter nötig, denn der SSC Neapel ist ein ganz anderes Kaliber als der FCA. Ein Vorteil jedoch ist, dass RB dann die Außenseiterrolle innehat. RB-Torwart Peter Gulacsi geht zwar lieber als Favorit in ein Spiel ("Denn das zeigt, dass wir die bessere Mannschaft sind."), kann aber auch mit der anderen Konstellation leben: "Diese Saison hatten wir ja schon Spiele, in denen wir nicht Favorit waren. Zum Beispiel in Dortmund. Trotzdem konnten wir da mit einer guten Auswärtsleistung Punkte holen."

Die konkrete Vorbereitung auf die Partie in Neapel beginnt erst jetzt. Yussuf Poulsen hofft auf seinen nächsten Einsatz in der Startelf und hat sich schon mal ein paar Spiele der Italiener zu Gemüte geführt. "Nicht in voller Länge, aber ein paar Clips habe ich schon gesehen." Nachfrage: Und? "Ja, die sind gut."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. Januar 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2018, 09:55 Uhr

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11 Kommentare

11.02.2018 20:02 Quentin aus Mondragies 11

Freue mich riesig auf Neapel. Das ist mal wieder eine Spitzenmannschaft, die RB hinten reindrücken will. Bin sehr gespannt, wie dies RH taktisch löst.

11.02.2018 19:19 Nabend 10

@4 Wie schlägt man denn Fürth?

11.02.2018 10:02 Pessimist 9

Oh je, Neapel in Topform. Ich fürchte am Donnerstag gibt es die nächste Lehrstunde.

10.02.2018 23:25 Roter Bulle 8

Tolle Geste, dass den Fans die Auswärtsfahrt nach Frankfurt bezahlt wird. Vielleicht kann man ja auch mal eine Aktion zur Europa-League machen, z. B. mal einen Sonderzug zum nächsten Gegner. Da passen ja auch ca. 500 Leute rein. Ist doch bestimmt günstiger als ein Flug.

10.02.2018 23:10 Klatschpappe 7

Leipzig keine Kontermannschaft?? Glaub ich nicht. Ich halte Sabitzer, Bruma, Kampl, Werner und Co. für hervorragende Konterfußballer. RH müsste halt mal das Gegenpressing etwas weiter hinten ansetzen, damit die Sprinter auch Platz zum Sprinten haben. Spart auch vielleicht etwas mehr Kraft. Werner hatte halt Pech. Der trifft aber auch wieder. Vielleicht ihn mal wieder eine Halbzeit auf die Bank setzen und Augustin die nächste Chance geben.

10.02.2018 22:01 Real 6

@Fanar.....Du hast die "Schulten " vergessen!!

10.02.2018 19:39 heRBert 5

@4 Hier geht es um RB Leipzig gegen den FC Augsburg. Bayern München kommt erst noch. Bitte kümmert euch um eure Liga, da gibts genug Probleme, die Klasse zu halten.

10.02.2018 17:52 Dynamo-Fanarmy 4

Wollt Ihr Bayern München schlagen müßt Ihr mal Dynamo fragen

10.02.2018 12:21 Leonard 3

Ein schöner Sieg, wenn man an das Skandalhinspiel denkt. Und Der Herr Hofmann traute sich wohl nicht nach Leipzig? Er ahnte, dass nichts zu holen ist. Schön dass auch Hinteregger die Meinung gesagt wurde. Zu Khedira: Am Ende zählen 3 Punkte und nicht Schönspielen.

10.02.2018 12:19 EisenerBulle 2

Der Sieg fühlt sich klasse an. Kann mich @Rennsteiger nur anschließen. Hast aber Bruma vergessen. Auch wenn er kein Tor gemacht hat, konnte man wieder sehen, was für ein toller Fußballer er ist. Macht Spaß ihm zuzuschauen.