Trainer Ralph Hasenhüttl
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Fußball | 1. Bundesliga Mangelwirtschaft bei RB Leipzig

Das 1:1 von RB Leipzig gegen den Hamburger SV war nicht nur ein Punktverlust für den deutschen Vizemeister. Die Partie gegen den Tabellenvorletzten war auch ein Fingerzeig, wo es bei Timo Werner & Co. mangelt. Und dieser Mangel drückt sich auch in Zahlen aus. Zumindest in den meisten.

von Sven Kups

Trainer Ralph Hasenhüttl
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"Es ist schön, dass wir bei der zweitbesten Heimmannschaft der Bundesliga einen Punkt mitgenommen haben." Als Bernd Hollerbach diesen Satz sagte, sorgte das bei dem einen oder anderen vielleicht für Zweifel. Aber der neue HSV-Trainer hat Recht: RB stand und steht tatsächlich auf Rang zwei der Heimtabelle. Dass dieser Fakt etwas unwirklich erscheint, mag auch an der Strahlkraft der Auswärtsspiele liegen, von denen das letzte vor über drei Monaten gewonnen wurde. Das war das 3:2-Spektakel bei Borussia Dortmund.

Doch bei RB Leipzig läuft es auch im eigenen Stadion nicht wirklich rund. Die Ergebnisse wirken da deutlich souveräner als die Mannschaft um Kapitän Willi Orban. Das gab auch Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem 1:1 gegen Hamburg zu: "Das war ein Spiel wie viele andere Heimspiele, die wir hier hatten. Alle sind eng, alle sind zäh. Das eine oder andere Mal ist es uns gelungen, es trotzdem zu gewinnen. Heute haben wir es nicht geschafft." Allerdings sei das auch diesmal gut möglich gewesen: "Wir schaffen es aber im Moment nicht, Vorsprünge souverän über die Zeit zu bringen."

HSV Torchance, Bobby Wood (7, Hamburg) scheitert aus Nahdistanz
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Ideenlos, ratlos, trostlos

Das lag diesmal nicht an den seit einiger Zeit diskutierten Standards. Diese Situationen hatte RB gegen den HSV erstaunlich gut im Griff. Diesmal fiel das Gegentor viel mehr aus dem Spiel heraus. Dass es ein Abseitstor war, soll hier nur eine Randnotiz sein. Denn Leipzigs aktuelles Problem liegt nicht bei den Schiedsrichtern, sondern im Ballbesitzspiel. Das funktioniert nämlich über weite Strecken nicht. Wieder mal, muss man sagen. Ideen- und ratloses Anrennen gegen tiefstehende Mannschaften ist jedenfalls längst nichts Neues mehr beim Vizemeister.

Personalprobleme und Problempersonal

RB hat zwar einige Ausnahmespieler in seinen Reihen, doch die zeigen immer seltener ihr Ausnahmekönnen. Mal weil sie gesperrt oder krank sind (Naby Keita), mal weil sie verletzt sind (Emil Forsberg). Oder sie sind einfach nicht in Form (Naby Keita, Emil Forsberg). Über einen Mangel an kreierten Chancen muss man sich da nicht mehr wundern. Ein neuralgischer Punkt ist derzeit aber auch die Außenverteidigung. An ihr sieht man besonders deutlich, wie dünn Leipzigs Personaldecke ist.

"Wir sind auf den zwei Positionen im Moment ein bisschen am Flickschustern", bekannte Hasenhüttl, der gegen Hamburg erneut Konrad Laimer nach rechts hinten geschoben hat. Doch diesmal waren aller guten Dinge nicht drei: Laimer sah überhaupt nicht gut aus, leistete sich die meisten Fehlpässe (15) und verlor 12 von 20 Zweikämpfen. Hasenhüttl: "Heute hat er das erste Mal gemerkt, dass es nicht so einfach ist, auf einer neuen Position immer gleich das höchste Niveau abzuliefern. Wenn dann am Anfang noch ein oder zwei Fehler passieren, läuft das ganze Spiel in eine andere Richtung. Dann ist es mit dem Selbstvertrauen auch nicht weit her."

Dünne Luft für alle

Selbstvertrauen und Souveränität, Leichtigkeit und Chancen im Spiel, Punkte im Kampf um einen Champions-League-Platz – bei RB Leipzig fehlt es derzeit an vielen Ecken und Enden. Der Trend "is not your friend" und geht in Richtung Mittelmaß. Zum Glück für RB tun sich aktuell fast alle anderen Bundesliga-Teams genauso schwer (Hasenhüttl: "Da vorn ist die Luft sehr dünn. Es geht nicht nur uns so, dass wir keine Serie starten.") Doch ewig wird sich Leipzig nicht auf die Patzer der Anderen verlassen können. Dann bringt auch der Blick auf die Heimtabelle keinen Trost mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. Januar 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2018, 10:30 Uhr

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9 Kommentare

29.01.2018 16:49 RBLer 9

In der Kicker-Laufstatistik des letzten Spieltages steht Klostermann als bester RB-Spieler auf Platz 67!!! Das war mal unsere Stärke in der letzten Saison. Vielleicht reicht es auch, wenn einigen Spielern mal Beine gemacht werden.

29.01.2018 09:18 RBLer 8

Jetzt muss man wirklich aufpassen, dass kein Schlendrian einzieht. Die Lernphase ist fast vorbei und jetzt kann man sich nicht mehr herausreden. Einige der Spieler haben etwas den Fokus verloren und denken mehr über ihre Verträge nach und träumen von der CL. Den Spielern ist scheinbar nicht bewußt, dass man zuerst liefern muss, wenn man die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Ich glaube, dass RB derzeit zu sehr Wohlfühloase ist. Und auch gesetzte Spieler darf es nicht geben. Am Sonnabend hätte man z.B. den Sabitzer und nicht Bruma auswechseln müssen.

29.01.2018 06:58 Sr.Raul 7

@3 ("Käse"), Naldo bleibt, wird max. der "Selecao" zur anstehenden WM leihweise zur Verfügung gestellt!

28.01.2018 18:39 Konrad Laimer Fanclub 6

Problem war Kampl und Sabitzer. Die Laufwege und das Freilaufen haben teilweise nicht gestimmt. Somit hatte Laimer immer ein wenig Probleme. Da müssen die Jungs sich auch mal gegenseitig unterstützen.
Orban und Upamecano standen hinten gut. Das war nicht das Problem. Bruma und Demme können auch Abwehr, da hätte Klostermann mal noch ein wenig mehr Offensiv spielen können. Von der Seite kam zu wenig.

28.01.2018 18:25 Klatschpappe 5

6 Punkte zwischen zweiten Platz und neunten Platz (Stand jetzt). Das ist doch wahnsinnig spannend. Was erwartet man denn? Das man den HSV mit 6:0 aus dem Stadion schießt? Nein, Ziel muss in der zweiten Saison mindestens Nicht-Abstieg und max. Europa League sein. Habe das Wochenende das Spiel nur bei Sky gesehen, deswegen haben sie auch so schlecht gespielt(-: Bin gegen Augsburg wieder live dabei und da werde ich mal sehen, ob es eine neue Taktik gegen tief stehende und das Zentrum verdichtende Gegner gibt.

28.01.2018 18:08 Mitteldeutscher 4

Gejammere auf hohem Niveau. Das Leipzig in der zweiten Saison immer noch mit vorne steht, verdient Hochachtung. Außer Forsberg und Keita stehen da noch andere sehr gute Spieler im Kader. Kampl, Sabitzer, Bruma und Demme spielen auch besseres Bundesliganiveau. Problem ist das teilweise hektische Agieren von Laimer und der fehlende Mut von Klostermann. Ich halte Laimer für einen sehr guten Techniker. Der braucht Spielpraxis und wird dann auch wieder stärker. Da brauch man halt Geduld. Klostermann ist irgendwie nach vorne blockiert. Der ist doch wahnsinnig schnell. Warum spielt der das nicht aus. Angst vorm zweiten Kreuzbandriss? Augustin und Werner passen nicht ganz zusammen. Werner ist für mich mehr ein typischer Konterfußballer. Für Ballbesitzspielweise halte ich ihn nicht für so optimal. Ich würde gerne mal Augustin mit Poulsen sehen. So schlecht sehe ich das Ganze nicht. Da kommen wieder bessere Spiele. Lief ja sowieso dieses Wochenende nicht ganz so gut für Mitteldeutschland.

28.01.2018 17:24 Camem Bert 3

Sehr sachliche Analyse. Das zweite Jahr ist oft das Schwerere. Jetzt kommt es tatsächlich stark auf das Trainerteam an, um die erkannten Schwächen auszumerzen. Ob da der Kauf eines 16jährigen hilft, kann ich nicht beurteilen. Ein echter, gestandene Abwehrchef würde bestimmt gut tun. (so wie Naldo bei Schalke vielleicht) Da sollte man nicht zu sparsam sein.

28.01.2018 14:38 FREDIAN 2

das ist keine Mangelwirtschaft ! das ist eine Gammelwirtschaft bei RB
das hat mit Verlaub nicht mehr mit Profifußball zu tun.
Leipzig führt und sagt sich nun kann uns nichts mehr passieren und rums giebt es ein paar auf die Mütze und das schon zu 80% normal hat RB am Platz 15 zu Spielen

28.01.2018 13:56 DasletzteAbendmahl 1

Ich habe nichts gegen den HSV aber gegen solche Mannschaften (Tabellenplatz) muß einfach ein Sieg her. Da gibt es keine Entschuldigung.

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RB Leipzig - Hamburger SV

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Fans von RB Leipzig
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Bernd Hollerbach
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Einlauf der Mannschaften. Fans von RB Leipzig.
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Tor für RB Leipzig. Bruma (17, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 1:0. Torwart Christian Mathenia (1, Hamburg) kann den Treffer nicht verhindern
Bruma köpfte das 1:0 für RBL. Bildrechte: Picture Point
Tor für RB Leipzig. Bruma (17, RB Leipzig) erzielt den Treffer zum 1:0 und jubelt mit seinen Teamkollegen für den verletzten Marcel Halstenberg,
Als Torjubel präsentierten die RB-Kicker ein Trikot des verletzten Marcel Halstenberg, der sich das Kreuzband gerissen hatte. Bildrechte: Picture Point
von links;  Konrad Laimer (27, RB Leipzig) und Douglas Santos (6, Hamburg)
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Tor für Hamburger SV. Filip Kostic (17, Hamburg) erzielt den Treffer zum 1:1 Ausgleich
Kostic traf aus Abseitsposition zum 1:1. Bildrechte: Picture Point
Trainer Ralph Hasenhüttl
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von links;  Walace (12, Hamburg) und Kevin Kampl (44, RB Leipzig)
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HSV Torchance, Bobby Wood (7, Hamburg) scheitert aus Nahdistanz
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Bruma (17, RB Leipzig) und Gideon Jung (28, Hamburg)
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